Gefährliche Keime im Putenfleisch: Die Politik wirds schon regeln?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Fleisch untersucht und Qualitätsmängel festgestellt. Knapp ein Drittel des untersuchten Putenfleischs wies antibiotikaresistente Keime auf. Wir finden: Mit Billigfleisch muss Schluss sein!

Gefährliche Keime im Putenfleisch: Die Politik wirds schon regeln?

Es vergeht kaum ein Monat ohne alarmierende Nachrichten aus dem Bereich der Fleischindustrie. Anfang des Monats hatten mehrere Medien, darunter auch der MDR, über Tiermisshandlungen in einer Schlachterei in Werne in Nordrhein-Westfalen berichtet. Mittlerweile steht fest, dass das Fleisch der schwerkranken, gequälten Tiere sogar noch in die Lebensmittelproduktion geflossen war. Am Montag, den 30. August, meldete die Verbraucherzentrale eine „erschreckend hohe Belastung“ von Leberwurst mit Hepatitis-E-Viren, wie der BR24 berichtete.

Knapp eine Woche zuvor, am Dienstag, den 24. August, veröffentlichte die Deutsche Umwelthilfe die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an Putenfleisch. Hierfür wurden deutschlandweit 62 Testkäufe bei Lidl- und Aldi-Filialen getätigt. Überall kauften sie Putenfleisch der Haltungsstufe zwei (Stallhaltung Plus). Laboruntersuchungen ergaben, dass jedes dritte Fleisch mit antibiotikaresistenten Keimen belastet war. Auf 26 Prozent des Lidl-Putenfleischs befanden sich überdies „besonders gesundheitsgefährliche Erreger“, wie die DUH in ihrer Pressemitteilung vom 24. August bekannt gab.

Warum ist die Antibiotikaresistenz gefährlich?

In der konventionellen Massentierhaltung ist es üblich, Tiere prophylaktisch mit Antibiotika zu behandelt. Dieses wird meist in die Tränke oder ins Futter gemischt. Das Vorgehen hat sich in Mastbetrieben etabliert, da sich Krankheiten unter den dicht gedrängten Tieren schnell verbreiten würden. Dabei wird in Kauf genommen, dass sich Resistenzen bilden und damit multiresistente Keime. „Sie können durch Tierkontakt, bei der Schlachtung oder über Tierkot – den Stallmist, der als Dünger eingesetzt wird – in die Umgebung und in die Lebensmittelkette und letztendlich zum Menschen gelangen“, warnt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Wie die Untersuchungen der DUH ergaben, haften die multiresistenten Keime auch auf dem Fleisch der Tiere. Über das Fleisch besteht also die Möglichkeit, dass sich der Mensch mit resistenten Erregern infiziert – und das mit lebensgefährlichen Konsequenzen. Gegen resistenten Erreger sind viele Antibiotika machtlos. „Für Infektionen mit resistenten Erregern, bei denen viele Antibiotika nicht mehr greifen, sind Reserve-Antibiotika überlebenswichtig“, schreibt die DUH. Doch auch der Notfallanker der Reserve-Antibiotika ist nicht mehr sicher. Wie schon erwähnt weisen 26 Prozent des getesteten Lidl-Putenfleischs besonders gesundheitsgefährliche Erreger auf. Damit sind solche gemeint, die selbst mit Reserve-Antibiotika nicht mehr zu bekämpfen sind.

Heißt: Wir können schwer erkranken und es wird kein Antibiotikum geben, das uns hilft. Aber Hauptsache wir haben unser billiges Fleisch auf dem Teller gehabt?

Hände weg vom Billigfleisch

Warum, wenn wir über die Gefahren des Konsums von Fleisch aus industrieller Tierhaltung für unsere eigene Gesundheit wissen, essen wir es dann noch? Wir können jetzt auf die Politik warten, bis entsprechende Gesetze verabschiedet werden, die das Problem lösen. Im September will das EU-Parlament darüber abstimmen, ob der Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung verboten werden soll. „Ausgang ungewiss“, schreibt hierzu die Tagesschau. Oder wir ziehen sofort für uns selbst eine Konsequenz: Ab sofort nur noch Fleisch kaufen, bei dem wir absolut sicher sind, dass es aus einer Haltung stammt, die wir vertreten können. Betriebe, die ihre Tiere so halten, wie wir es uns wünschen würden – beispielsweise mit viel Platz, Weidegang und Einstreu – können in der Regel auch besucht werden. So können wir uns vor Ort selbst ein Bild machen. Das beste und die einfachste Lösung ist es natürlich ganz auf Fleisch zu verzichten.

Denn eins muss uns allen klar sein: Nicht nur Fleisch, das in Lidl und Aldi-Filialen liegt, ist potenziell mit gesundheitsgefährlichen Keimen belastet, sondern generell Fleisch, das aus der Massentierhaltung kommt. Das finden wir in Restaurants, in Fertigprodukten, beim Metzger nebenan und in vielen weiteren Supermarktketten und Discountern. In Deutschland macht der Anteil des Fleischs aus Massentierhaltung laut GEO 98 Prozent aus. Für uns gilt es also, diejenigen Betriebe herauszufiltern, die Fleisch nach unseren Vorstellungen produzieren, und die gibt es durchaus. Das wir dafür etwas tiefer in den Geldbeutel greifen müssen, muss es uns wert sein. So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Mit Billigfleisch aus Massentierhaltung muss Schluss sein.

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