Das 9-Euro-Ticket: Was lehrt uns der Schienenwahnsinn zum Bestpreis?

Nur noch wenige Tage, dann läuft das 9-Euro-Ticket aus. Was lehren uns drei Monate zum günstigen Tarif im Nahverkehr?

Das 9-Euro-Ticket: Was lehrt uns der Schienenwahnsinn zum Bestpreis?

Für weniger als einen Zehner durch ganz Deutschland – und sogar in einige Grenzstädte wie Salzburg in Österreich: Kaum dass das 9-Euro Ticket auf den Markt kam, füllten Fahrgäste Bahnsteige und Züge. Das Ziel: Ein Städtetrip, einmal nach Sylt oder einfach das eigene Land auf der Schiene erkunden. Das Reisefieber packte auch die Medien. Bereits vor der Einführung des Angebots im Juni kamen Reportagen auf. Was damals auf Filmaufnahmen noch herrlich entspannt aussah, endete bald darauf in Nachrichten über brechend volle Züge und fragwürdige Praktiken wie dauerhaft abgeschlossenen Toiletten in den Waggons.

Bevor an dieser Stelle der falsche Eindruck entsteht: Ich selbst fahre gerne mit der Bahn, in Nah- und Fernverkehr. Zeitweise bin ich beruflich mit der Regiobahn nach München gependelt. Und auch ich habe schon viel aus dem Potpourri der möglichen Störungen bei der DB erlebt: Entgleiste Züge, Tickets für nicht-existente Verbindungen, ein Bussard in der Stromleitung und natürlich den Klassiker, die Verspätungen. Das 9-Euro-Ticket war jedoch ein einzigartiges Brennglas, das schonungslos aufgezeigt hat: Die Infrastruktur auf der Schiene ist am Limit.

Warum mehr, wenn auch weniger geht?

Ich selbst bin mit dem 9-Euro-Ticket im Geltungszeitraum unterwegs gewesen – nicht als Journalist:in, sondern als Passagier:in. Mein Tagestrip nach Würzburg endete in Regensburg, denn Züge wurden verkürzt und noch mehr Menschen statt in zwei in nur einen Zugteil gequetscht. Das Resultat waren dann verdatterte Passagiere, die in Augsburg-Hochzoll am Bahngleis stehen gelassen wurden. Mein kurzfristiger Plan: Ich fahre über Ingolstadt nach Nürnberg. Die BRB war überfüllt und kaum in Ingolstadt angekommen tönte schon die Durchsage, dass niemand mehr nach Nürnberg mitgenommen wird. Der Grund: Überfüllung aufgrund des 9-Euro-Tickets. Erneuter Planwechsel und ich bin in den nächsten Zug gesprungen, der gefahren ist. Die Agilis nach Regensburg. Und auch hier war alles überfüllt.

Wie ein Brennglas hat das Angebot aufgezeigt, dass die Bahn seit Jahren geschlafen hat. Das Netz ist marode und störungsanfällig, Bahnstrecken werden stillgelegt oder gar nicht erst ausgebaut. Ein Risiko, das sich bei den letzten Unglücken in München und auch Garmisch-Partenkirchen wieder gezeigt hat. Das Material ist alt und knapp – denn beispielsweise die Entscheidung Züge zu verkürzen ist bei voraussehbarem Andrang eine fragwürdige Option. Seit Jahren läuft die Bahn auf Verschleiß – und holt ihre Versäumnisse viel zu langsam auf.

Dabei hat gerade dieser Sommer mit mehreren Hitzewellen gezeigt: der Klimawandel ist da. Wir sind gezwungen, ökologischere Fortbewegungsmittel auszuschöpfen, um die Katastrophe nicht noch schneller zu befeuern. Die Entscheidung zurzeit ist oft sehr eindeutig: Ein ausgebautes Autobahnnetz steht einem stickigen Zug gegenüber. Das Argument, dass es am Geld für eine richtige Offensive im Bereich ÖPNV fehle, ist dabei schwammig. Und nicht nur die Bahn, auch der öffentliche Nahverkehr ist besonders auf dem Land sehr lückenhaft. Also steigen die Leute wieder ins Auto und haben durch die ausgestoßenen Abgase einen stärkeren Einfluss auf den Klimawandel. Die Spirale dreht sich also weiter. Dabei hat das 9-Euro-Ticket gezeigt: Nahverkehr ist attraktiv. Unter den richtigen Voraussetzungen.

Was bleibt vom 9-Euro-Ticket?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass noch viel zu tun ist. Über Jahrzehnte wurden Autos und auch der Güterverkehr auf der Straße gefördert – ein Umstand, der sich inzwischen rächt. Das 9-Euro-Ticket war vielleicht ein überhastetes Projekt, aber es hat aufgezeigt, dass der ÖPNV die Zukunft ist. Denn eigentlich kann auch gesagt werden: Die vollen Züge sind ein Zeichen, dass die Menschen Lust auf das Verkehrsmittel haben. Und wenn es dann auch noch zu einem moderaten Preis zugänglich gemacht wird, dann sind auch die Fahrgäste da. Das ist nicht nur gut für die Umwelt – es fördert auch die soziale Gerechtigkeit. Denn auch sozial schwächere Menschen können mit einem günstigen Tarif besser am öffentlichen Leben teilhaben.

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