Blutspende-Verbot: Blut ist weder homo noch hetero

Die Vorräte an Blutkonserven werden knapp. Gleichzeitig gibt es Menschen, die würden gerne spenden, dürfen aber nicht. Es ist mehr als überfällig, dass die Diskriminierung von Homosexuellen aufhört.

Blutspende-Verbot: Blut ist weder homo noch hetero

Etwa 15.000 Blutspenden werden pro Tag gebraucht. Statistisch gesehen wird das meiste Blut inzwischen zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten, Sport- und Verkehrsunfälle. Bei schweren Unfällen kann es vorkommen, dass wegen bestimmter innerer Verletzungen mindestens zehn Blutkonserven pro Unfallopfer bereitstehen müssen.

Homosexuelle Männer, die Sex haben, sind vom Spenden ausgeschlossen

Wegen der Corona-Krise sind die Blutkonserven aber knapp, da weniger spenden und Operationen jetzt nachgeholt werden. Wäre es da nicht endlich an der Zeit, homo- und bisexuelle Männer spenden zu lassen? Bis 2017 waren homosexuelle Männer komplett von der Blutspende ausgeschlossen. Nun dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, spenden, wenn sie vorher 12 Monate lang enthaltsam waren. Diese besondere Vorsicht ist total veraltet und stammt aus den 80ern, als Aids und die Gefahr von HIV sich verbreiteten. Alle Blutspenden werden zwar auf HIV getestet, aber frische Infektionen können nicht nachgewiesen werden. Das ist erst nach sechs Wochen der Fall. Daher werden Personen mit „sexuellem Risikoverhalten“ vom Spenden ausgeschlossen.

Homosexuelle Männer zählen zur Risikogruppe

Und Männer, die mit Männer Sex haben, gelten immer noch pauschal als Risikogruppe für HIV. Egal, ob sie Safer Sex haben und/oder in einer festen Partnerschaft leben. Zu dieser Gruppe zählen übrigens auch Personen, „die Sexualkontakt zu mehr als drei Personen innerhalb der letzten 12 Monate“ hatten und „die Sexualverkehr gegen Geld oder andere Leistungen (z. B. Drogen) anbieten oder angeboten haben („männliche und weibliche Sexarbeiter“)“ und „transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“. Damit werden homosexuelle Männer ganz klar diskriminiert. Sex zwischen Männern bedeutet nicht gleich ein hohes Risiko für übertragbare Infektionskrankheiten wie etwa HIV.

Natürlich wollen wir alle im Notfall sicheres und getestetes Blut. Daher ist es auch richtig so, dass alle Spender, die einer sogenannten Risikogruppe angehören – Vorerkrankungen, Aufenthalte in bestimmten Urlaubsregionen, Drogenkonsum – vom Spenden ausgeschlossen werden. Abgefragt werden diese Infos durch einen Fragebogen, den man jedes Mal vor dem Spenden ausfüllt. Spender müssen dabei nicht nur persönlichen Daten angeben, sondern auch Fragen zu ihrer Gesundheit, ihrem Lebensstil, früheren Erkrankungen, zu eingenommenen Medikamenten, Impfungen oder Auslandsaufenthalten beantworten. Nach dem Spenden füllt man noch den sogenannten „vertraulichen Selbstausschluss“ aus. Wenn für den Spender auch nur der geringste persönliche Zweifel an der Verwendbarkeit der Blutspende besteht, soll er ankreuzen, dass sein Blut nicht verwendet werden darf.

Es kommt auf das individuelle Risikoverhalten an!

Daher ist es auch wichtig, dass Menschen, die Blut spenden, sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Aber das HIV-Risiko hängt doch nicht von der sexuellen Orientierung ab, sondern vom individuellen Risikoverhalten. Wenn ich mich beim Sex schütze, dann darf ich Blut spenden – wenn nicht, dann nicht – egal ob ich hetero, homo oder bi bin. Alles andere ist einfach total veraltetes Denken. Das Dilemma ließe sich lösen, indem künftig das individuelle Risikoverhalten abgefragt wird und nicht die sexuelle Orientierung. Und ob das Blut okay ist, wird ja trotzdem im Nachgang geprüft. Vielleicht gäbe es dann auch keinen so großen Mangel an Blutkonserven mehr. Und mit der Diskriminierung wäre es auch endlich vorbei.

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