Ti Amo, Kö! Eine Liebeserklärung

Er ist Mobilitätsdrehscheibe, Treffpunkt und temporärer Schmelztiegel: Unser Kö.

Ti Amo, Kö! Eine Liebeserklärung

Die deutsche Indierock-Band Kettcar hat auf ihrem letzten Album die Ankunftshallen von Flughäfen besungen und sie als einen letzten Ort der Menschlichkeit romantisiert. Dort, wo noch echte Gefühle zu sehen sind und sich Leute in die Arme fallen. Ganz egal welchen Alters, Geschlechts und welcher Herkunft – beim Vermissen und der Freude am Wiedersehen sind alle gleich. Als Augsburger habe ich mich gefragt: Geht das auch mit unserem Königsplatz? Bietet auch er genug Stoff für eine Ode? Genau genommen ist er ja nichts anderes als eine größere Bus- und Straßenbahnhaltestelle. Ich bin der Meinung: Ti Amo, Kö!

Geh mer Kö

Natürlich fällt der Anteil an herzergreifenden Umarmungen eher gering aus, schließlich sind hier die meisten Personen, die am Bahnsteig warten, nur auf dem Sprung zu ihrem nächsten Ziel. Dazu kommt der Alltagsstress, der für zusätzliche Anonymität sorgt. Das heißt aber noch lange nicht, dass hier zwischenmenschlich nichts passiert und aneinander vorbeigelebt wird.

Hier trifft sich die Stadt, ob sie will oder nicht.

Schon immer hieß es: „Geh mer Kö!“ Da braucht es weder Artikel noch Präpositionen, die Aussage ist klar: Jeder kennt ihn und jeder weiß, wo er sich befindet. Am Königsplatz pulsiert das Leben, Menschen werden wie Blutkörperchen in die vielen Straßen gepumpt. So wie alle Wege nach Rom führen, landen alle Augsburger Wege beim Kö und gehen von dort auch wieder weg. Hier trifft sich die Stadt, ob sie will oder nicht.

Ein Ort der Vielfalt

Ein Blick über das wie ein Ufo wirkende Mobilitätsdreieck ist immer auch eine kleine Milieustudie. An der 3er Haltestelle tummeln sich die Studenten und es ist auch ohne Stundenplan immer erkennbar, wann die Kurswechsel sind. Mittags müssen die gesamten Slalomkünste ausgepackt werden, um sich einen Weg durch die Massen an Schulkindern zu bahnen, die es wieder in alle Stadtteile streut. Und zur Volksfestzeit wäre selbst ohne jegliche Beschilderung klar, wo die 4er abfährt. Wer hitzige politische Diskussionen sucht, sollte unbedingt mal nachmittags den Bahnsteig A4 besuchen und nach den Damen und Herren mit den Bierflaschen Ausschau halten.

Von Yoga bis Brezn – für jeden was dabei

Auch um den Kö herum finden sich Läden, Lokale und Clubs für jeden Geschmack. Vom legendären „Ghetto Netto“, der Brezn und McDonalds über den City Club, die Kantine hin zu Starbucks und die Schubert Bio Bäckerei. Die Parkanlage samt Thormann-Brunnen ist kurzer Ruheort sowohl für den Bankangestellten in seiner Mittagspause als auch den Rentner der ein wenig mehr Zeit hat. Dass hier auch regelmäßig noch Events stattfinden, spricht auch für die Location. Yoga am Kö, Sommernächte am Kö und sogar Hallo Kö – die Förderung von regionaler Musik, Kultur und des Sportangebots bekommt dort einen Platz.

Die Liebe steckt im Detail

Natürlich sind es auch die Kleinigkeiten, die den Kö so besonders machen. Da wäre zum Beispiel die abendliche Beleuchtung, die Dir grün blinkend zeigt, wenn die Busse und Straßenbahnen kurz davor sind, abzufahren. Wie praktisch ist das denn, bitte? Oder wie schön ist es, wenn sich zwei Busfahrer beim Fahrerwechsel etwas Zeit nehmen und sich von ihrem Tag erzählen? Es lohnt sich wirklich, am Kö die Augen und Ohren offen zu halten. Er ist zwar keine Flughafen-Ankunftshalle, aber wer genau hinsieht, entdeckt auch ganz viel Gefühle.

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