Kitsch Bar in der Augsburger Innenstadt muss nach 24 Jahren schließen

Fast ein Vierteljahrhundert lang hatte Jürgen Drumm mit seiner Kitsch Bar immer eine offene Tür und ein offenes Ohr für seine Gäste. Doch jetzt droht ihm das gleiche Schicksal wie der Kichererbse: Er muss ausziehen.

Kitsch Bar in der Augsburger Innenstadt muss nach 24 Jahren schließen

Totenschädel, Dartscheiben und ein Himmel aus leeren Jack Daniels Flaschen in leicht düsterer, neonbeleuchteter Kellergewölbe-Atmosphäre: Jürgen Drumms „Kitsch Bar“ ist der gelebte Rocker-Kneipen-Traum. Die ersten zehn Jahre befindet sich die Bar noch bei St. Ursula, dann zieht Drumms Herzensprojekt in die aktuelle Location, dem Eckhaus zwischen Kuttlergässchen und Mitllerem Lech. Doch nun ist dieser Traum in Gefahr.

Vollkommen überraschend erhält Drumm im vergangenen Herbst eine kurzfristige Kündigung, Am 11. Mai wird die Kitsch Bar zum letzten Mal ihre Gäste in den gewohnten Räumlichkeiten empfangen. Damit ist sie neben der Kichererbse das nächste liebenswert-einzigartige Augsburger Unikat, das verschwindet. Wieder der gleiche Grund: Gentrifizierung. In dem Haus sollen hochwertige Eigentumswohnungen eingerichtet werden. Einen Plan für das Kellergewölbe, der Heimat der Kitschbar, gäbe es aber noch nicht. Sicher ist auf jeden Fall, dass aufwendige Sanierungsarbeiten notwendig sein werden. „In den letzten Jahren gab es häufiger mal Rohrbrüche und Heizungsausfälle“, erklärt der Barbesitzer.

Jürgen Drumm steht nun vor einer mehr als ungewissen Zukunft. Die Aussicht auf eine neue Location: Sehr schlecht. In den 24 Jahren hat sich einiges in Sachen Immobilien- und Mietpreise getan – und diesen ungeheuerlichen Preisanstieg bekommt der 62-Jährige nun zu spüren. Hinzu kommt, dass innerhalb von Augsburg nichts vergleichbares zur jetzigen Unterkunft zu finden ist. Einen Ortswechsel in den weiteren Umkreis von Augsburg möchte Drumm vermeiden, vor allem zugunsten der Stammkunden. Die kommen aus der unmittelbaren Nachbarschaft und möchten teilweise keine größeren Strecken für einen Besuch in ihrer Lieblingsbar in Kauf nehmen.

Stammkundschaft hält die Treue

Dass dieser „harte Kern“ der Stammgäste es wert ist, sich für sie einzusetzen, zeigt sich in der loyalen Treue, die sie durch ihre weiterhin regelmäßigen Besuche zeigen. Bis zum bitteren Ende. Viele andere Kunden sind schon abgesprungen, seitdem sie wissen, dass die Bar zu macht und suchen schon eine neue Stammkneipe.

Drumm plagen große finanzielle Bedenken. Schließlich muss er bis zur Rente arbeiten, um seine laufenden Kosten tilgen zu können. Etwas anderes, als seine Kitsch Bar zu führen, könne er sich nicht mehr vorstellen. Eine sichere finanzielle Absicherung ist ihm deshalb so wichtig, weil auch privat die Schicksalsschläge vor dem Gründer der Kitsch Bar keinen Halt machen: Seine Lebenspartnerin ist schwer erkrankt und benötigt teure Medikamente. Eine seiner beiden Töchter springt nun als Hilfe in der Bar ein, um ihrem Vater in dieser schwierigen Zeit beizustehen.

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