Cinestar Eröffnung - Zwei Blickwinkel

Viele kennen das Cinestar bestimmt noch von früher. Bald ist es wieder soweit und das Kino feiert Neueröffnung. Meine Meinung dazu findet ihr in diesem Statement.

Cinestar Eröffnung - Zwei Blickwinkel

Viele von euch erinnern sich bestimmt noch an das Cinestar-Kino im „Fuggerstadt-Zentrum“ direkt am Bahnhof. Ende 2013 schloss es die Pforten nach 15 Jahren. Nach all dieser Zeit dürften sich viele sehnlichst auf die Neueröffnung am Donnerstag freuen. Ich persönlich habe gemischte Gefühle. Das Kind in mir freut sich über unzählige schöne Erinnerungen. Die Person, die ich heute bin, blickt den großen Ketten hingegen mit großer Skepsis entgegen.

Das Kind in mir

Ich erinnere mich an unzählige Momente im Cinestar. Als Kind, das im Augsburger Umland aufwuchs, war es neben einem kleinen regionalen Kino, die wichtiste Anlaufstelle für Bewegtbild-Entertainment. Das ländliche Kino eine Ortschaft weiter, hatte nur sehr kleine Säle und eine äußerst beschränkte Filmauswahl. Wenn also ein ganz besonderer Ausflug auf dem Tagesplan stand, setzte man sich in den Zug und konnte nach nur ein paar Minuten Gehweg beste Unterhaltung genießen.

Ich erinnere mich noch an die Harry Potter Filme. Meistens erschienen sie um die Jahreswende und so verbrachte ich mit meiner Familie spannende Silvesterabende mit magischen Momenten. Unzählige Kindergeburtstage starteten mit sportlichen Runden beim damaligen ABC Bowling und klangen aus bei actionreichen Superhelden-Filmen im Cinestar. Als man 16, beziehungsweise 18 wurde, musste man sich die Horror und Splatter Filme nicht mehr heimlich bei Übernachtungen mit den besten Kumpels ansehen, sondern konnte stolz seinen Ausweis vorzeigen. Ich bin 1992 geboren und das Cinestar gab es von 1998 bis 2013. Ihr könnt euch also sicher vorstellen, wie stark es ein Teil meiner gesamten Kindheit und Jugend war.

Genauso, wie an die Blütezeit, erinnere ich mich aber auch an die Endphase des Kinos. Man merkte, dass die Säle, Sitze und Teppichböden zunehmend alterten und offenbar keine Neuinvestitionen mehr getätigt wurden. Immer häufiger hörte man Leute sagen, dass sie nicht mehr in das Cinestar gehen würden. Was sich damals andeutete, wurde bald Realität. Die Geschäftsleitung verkündete das Ende. Ich fand es damals sehr traurig zu sehen, wie ein Kino, das mich so lange Zeit begleitete, plötzlich einfach nicht mehr da sein wird.

Mein heutiges Ich

So schön sich die Erinnerungen auch anfühlen und so sehr ich das Cinestar gerne wieder in neuer Pracht erleben würde, kann ich mich heute nicht mehr wirklich darüber freuen. Ich habe im Laufe der Zeit in Augsburg die unzähligen kleinen Läden, Restaurants und Kulturangebote lieben gelernt. Ich weiß heute, dass der Charme dieser individuellen Lebenswerke nie von einer großen Kette kopiert werden kann. Große Ketten entwickeln Erfolgskonzepte. Die Liebe zum Detail ist Nebensache. Es geht darum Businesspläne großflächig auszurollen. Dabei stirbt leider oft die Seele.

Das Cinestar ist in Deutschland der Marktführer unter den Kinos. Ich kann ihm heute nichts mehr abgewinnen. Vermutlich werde ich mir mal einen Mainstream-Film ansehen, der mich anspricht und in keinem der kleineren Kinos gezeigt wird. Ansonsten werde ich aber unseren liebevollen kleinen Anbietern treu bleiben und ihre handgemachte Arbeit wertschätzen. Wieso sollte ich mir denn zum x-ten Mal die Abwandlung ein und der selben Storyline aus dem Hause Hollywood mit neuem Titel ansehen, wenn es im Thalia, Mephisto, Savoy, Lechflimmern oder auch im Liliom bewusst ausgewählte Meisterwerke und Indie-Filme aus aller Welt gibt? Wieso sollte ich mich mit leblosem Interieur zufrieden geben, wenn in unseren kleinen Kinos die Geschichte des gesamten Bewegtbilds lebendig erstrahlt?

Und so ist für mich das einzig positive was bleibt, die warmen Erinnerungen an eine Zeit, die in dieser Weise nie wieder kommen wird. Schließlich ist es nicht das Cinestar, das ich vermisst habe, sondern die Kindheit.

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