Warum Vorlesen Kinder zu besseren Menschen macht

Das 21. Jahrhundert kennzeichnet sich durch eine Flut an auf uns digitalen Medien. Warum wir trotzdem nicht auf das Vorlesen von Kinderbüchern verzichten sollten, erfahrt ihr im Artikel.

Warum Vorlesen Kinder zu besseren Menschen macht

Seit dem Beginn der Digitalisierung haben Printmedien, wie Zeitschriften und Bücher, extrem an Bedeutung verloren. Wer etwas wissen möchte oder auf der Suche nach Unterhaltung ist, wirft die universal-Suchmaschine Google an und wird meist nach nur wenigen Millisekunden -zumindest im entsprechenden Empfangsbereich- fündig.

Diese Entwicklung bemerken nicht nur Verlage und Redaktionen, wie wir von Hallo Augsburg, sondern natürlich auch private Mediennutzer. Immer weniger Menschen greifen am Abend oder am Wochenende zu einem Buch. Stattdessen schauen wir Filme, Videos auf Youtube und lesen Artikel im Internet, die wichtige Inhalte kurz und prägnant zusammenfassen. So müssen wir nur wenig Zeit und Gehirnmasse investieren, um in kürzester Zeit ein Maximum an Informationen zu erhalten.

Doch diejenigen unter uns, die der Digitalisierung kritisch gegenüber stehen, haben sicher schon einmal darüber nachgedacht, was diese heute schon für Auswirkungen auf jüngere Generationen hat. Der exzessive Konsum von digitalen Medien signalisiert Kindern und Jugendlichen, dass Printmedien im Grunde unwichtig geworden sind. Dass das nachhaltige Probleme mit sich bringen kann, ist vielen leider gar nicht bewusst genug.

Es ist nicht nur für eine gesunde Entwicklung wichtig, dass Kinder und Jugendliche selbst viel lesen. Fast noch wichtiger ist es, dass Eltern sich in der frühen Kindheits- und Entwicklungsphase die Zeit nehmen, ihrem Nachwuchs vorzulesen.

Das Vorlesen hat viele Vorzüge

Sich mit seinem Kind auf das Sofa zu kuscheln und ihm in einer gemütlichen und sicheren Umgebung vorzulesen, ist nicht nur entspannend (sowohl für den Vorleser, als auch für den Zuhörenden), sondern sorgt auch für ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. In der Ruhe des Vorlesens finden Kinder einen willkommenen Kontrast zur lauten, bunten und schnellen Außenwelt, die von medialer Überflutung geprägt ist. Nicht nur die Fähigkeit des Zuhörens, sondern auch Kreativität und Phantasie werden beim gemeinsamen Lesen von Büchern gefördert. Außerdem bekommen Kinder so auch Lust selbst schöpferisch zu gestalten.

Durch eine Identifikation mit den Charakteren einer Geschichte werden in Kindern Emotionen geweckt. Sie schlüpfen in die Rolle der Hauptperson und können deren Emotionen auf distanzierte Art erleben und zu verstehen lernen.

Auch auf der sprachlichen Ebene sind Kinderbücher extrem wertvoll. Im Alter zwischen 1 und 4 Jahren finden große Entwicklungsschritte in den Bereichen des Sprechens und Denkens statt, weshalb es umso sinnvoller ist, Bücher vorzulesen, die zum Dialog anregen. Im höheren Alter, also vor dem Schuleintritt, ist das Kennenlernen von Schriftsprache von hoher Bedeutung, da es dazu beiträgt, dass Kinder lernen sich besser und gewählter auszudrücken.

Was vorlesen?

Wenn es um das “Was?” geht, sind viele Eltern schnell überfordert. So schwer ist es aber gar nicht, das richtige Buch zu finden. Es gibt einige Punkte, die man beim Kauf beurteilen sollte, die ich euch verraten werde.

Am wichtigsten ist es natürlich die Lebensumstände des Kindes zu berücksichtigen. Damit sind Alter, Wissensstand, Interessen und Hobbies gemeint. Das Geschlecht sollte eine untergeordnete Rolle spielen, denn schließlich ist jedes Kind unterschiedlich und hat verschiedene Interessen. Nicht jedes Mädchen steht auf Ponygeschichten und nicht jeder Junge findet Autos cool.

Bei kleineren Kindern ist es eventuell sinnvoller, Bücher zu kaufen, die keinen Text beinhalten. Das regt mehr zum Dialog an und fördert somit stärker die Sprachentwicklung und Erzählkompetenz des Kindes. Es kann auf Bilder zeigen und beschreiben, was es sieht und der oder die Vorlesende kann darauf entsprechend reagieren. Das hat auch den Vorteil, dass die zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Vorlesendem und dem Kind gestärkt wird.

Weiterhin ist es von Vorteil Bücher vorzulesen, mit deren Hauptcharakteren sich das Kind identifizieren kann. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Interesse des Kindes geweckt wird und es später Spaß am eigenständigen Bücherlesen entwickelt.

Eine Studie der Erfurter Kinder-Universität hat ergeben, dass besonders Tiergeschichten, Märchen und Sagen, sowie Phantasiegeschichten, aber auch Sachbücher und Lexika bei Kindern beliebt sind. Insgesamt sollte darauf geachtet werden, Kindern eine große Bandbreite an Genres nahezubringen.

Warum es nicht egal ist, was wir vorlesen

Mittlerweile sollte klar sein, was das Thema Vorlesen für einen gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat. Es entscheidet in großem Maß über die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten von Kindern, sowie darüber, welche Beziehung sie später einmal zu Büchern und zum Lesen haben werden.

Es ist dennoch nicht egal, welche Bücher vorgelesen werden, auch wenn es auf den ersten Blick einfach erscheint, die Regeln im oberen Abschnitt beim Kauf von Kinderbüchern einzuhalten.

Da Kinder stark durch Informationen geprägt werden, die sie im frühen Kindheitsalter erhalten, ist es besonders wichtig, ihnen Geschichten vorzulesen, die Vielfalt und Individualität, sowie Toleranz und Verständnis dafür vermitteln. Das geht besonders gut, wenn man darauf achtet Geschichten vorzulesen, die Themen wie alternative Familienstrukturen und Herkünfte, sowie verschiedene Geschlechterrollen und Lebensformen behandeln.

So wird das entspannte Vorlesen zu einer angenehmen Möglichkeit, unsere Kinder zu toleranten, und gemeinschaftlichen Individuen zu erziehen, die sich gegen Diskriminierung und Ungerechtigkeit entscheiden.

Übrigens: Bücher, die Kindern das Thema Diversität auf unproblematische Weise näherbringen können, findet ihr zum Beispiel auf buuu.ch.

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