So geht es mit den Kindern aus dem ukrainischen Waisenhaus weiter

Vergangenen Sonntag, den 6. März, kamen insgesamt 29 Kinder und Jugendliche mit ihren beiden Erzieherinnen aus einem ukrainischen Waisenhaus in Augsburg an. Wie die Versorgung der Kinder in Augsburg aussieht, hat Joachim Herz berichtet.

So geht es mit den Kindern aus dem ukrainischen Waisenhaus weiter

Es war eine Rettungsaktion, die Joachim Herz, der Leiter des Amts für Kinder und Jugendliche als „ein bisschen wie ein Krimi“ bezeichnet und ihn wie wohl alle Beteiligten stark bewegte. Am Sonntagnachmittag, den 6. März, gegen 15.30 Uhr endete die viertägige Reise einer Gruppe Waisenkinder aus der Ost-Ukraine in Augsburg.

Joachim Herz, der die Evakuierung zusammen mit Lena Z. aus Günzburg organisiert und ermöglicht hat, berichtet, wie es für die Kinder hier in Augsburg weitergeht.

Von der Reise der Kinder und ihren Erzieherinnen vom Aufbruch im Heimatort bis zur Ankunft in Augsburg, lest ihr hier.

Manchmal muss es einfach schnell gehen

Am Donnerstag erreichte Herz die noch unsichere Nachricht, eine Gruppe von Kindern befinde sich auf dem Weg nach Augsburg. Kontaktiert wurde er von Lena Z., einer Ukrainerin, die bereits seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Sie wiederum stand in engem Kontakt zu den Begleitpersonen der Gruppe. Als die Anfrage einging, checkte Herz die Möglichkeiten in Augsburg, die Gruppe geschlossen unterzubringen und nahm Kontakt zur Lehmbaugruppe auf. Dann war schnell klar: Die Kinder kommen geschlossen in der Jugendherberge am Oberen Graben unter. „Das war ein bisschen wie ein Krimi“, sagt Herz. „Wir waren alle sehr angespannt, ob bei der Flucht der Gruppe auch alles gutgehen wird“.

Nach einer langen, kräftezehrenden Flucht

Die Kinder können zwar ukrainisch, sprechen aber im Alltag russisch.

Am Sonntagnachmittag um 15.30 Uhr war es dann endlich so weit. Der Bus mit den 29 Kindern im Alter zwischen sieben und siebzehn Jahren sowie ihre Betreuerinnen kommen wohlbehalten in Augsburg an. Alle seien sehr eerschöpft und müde, aber grundsätzlich wohlauf gewesen, erzählt Herz. Bevor alle Kinder aus dem Bus aussteigen und ihre Zimmer beziehen konnten, mussten sie sich grüppchenweise einem Corona-Test unterziehen. „Das waren natürlich nochmal zusätzliche Strapazen nach der langen Reise, die sehr anstrengend war“, sagt Herz. Seit dem Ankunftstag hatten die Kinder Zeit, um sich zu erholen. Sie werden vor Ort mit Essen versorgt und können sich frei im Haus bewegen. Nun sei es am Amt für Kinder, Jugend und Familie sich weiter um die Versorgung und Beschäftigung der Kinder zu kümmern.

Tagesstruktur ist jetzt wichtig

Alle Kinder wurden bereits im Josephinum ärztlich untersucht. Anzeichen auf Traumata gebe es derzeit noch nicht, doch Herz rechne weiter mit Reaktionen auf das Erlebte. Derzeit sei das Amt dabei, die Beschulung zu organisieren. „Es ist natürlich wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen nach einer gewissen Zeit wieder Tagesstruktur bekommen und sich nicht langweilen“, sagt Herz. Zunächst sei geplant Lehrpersonal für Sprachunterricht in die Jugendherberge kommen zu lassen. Weil die Raumkapazitäten in den Augsburger Schulen weitestgehend erschöpft sind, wird auch die weitere Beschulung vor Ort stattfinden. Darüber hinaus wird ein nachmittägliches Freizeitprogramm mit Ausflügen und anderen Aktionen geplant.

Bis zum 19. April sollen die Kinder in der Jugendherberge bleiben. Für die Zeit danach wird derzeit noch nach Lösungen gesucht. Die Gruppe soll jedoch zusammenbleiben können.

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