Augsburger Kaffee-Startup über Fairtrade

Fairtrade ist besonders bei Kaffee wichtig? Das Augsburger Startup „The World's Originals“ erklärt, warum sie das anders sehen.

Augsburger Kaffee-Startup über Fairtrade

Egal, ob morgens im Büro, nachmittags beim Kuchenessen oder abends beim Spaziergang durch die Gassen. Dem aromatischen Geruch von Kaffee begegnen wir so gut wie überall. Nicht nur die korrekte Zubereitung ist eine echte Königsdisziplin. Auch die Kaffeeproduktion sollte unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Normen genauestens durchdacht sein. Das Augsburger Kaffee-Start-Up „The World’s Originals“ erklärt im Interview, warum sie das Fairtrade Siegel trotzdem kritisch sehen.

Wieso hat Euer Kaffee kein Fairtrade Siegel?

Wir haben den Prozess umgebaut, statt ihn nur zu verbessern. Wir wollen erreichen, dass die Gesellschaft und die Konsumenten anfangen nachzudenken. Sie sollen Dinge hinterfragen. Ein Siegel an sich kann das nicht leisten. Das ist zu einfach um wirklich etwas in der Welt zu verändern.

Was spricht gegen das Fairtrade Siegel?

Fairtrade zertifizierte Prozesse sind im Zeitalter der Kolonien entstanden. Sie versuchen diese "sozialer" zu gestalten. Wir sind der Meinung, dass diese Art der Rohstoffhandelsprozesse in der heute globalisierten Welt komplett "outdated" ist. Wir müssen anfangen, Wertschöpfung neu zu denken, anstatt nur den Handel etwas fairer zu machen. Zudem sind diese Siegel sehr kostspielig. Es kostet mindestens 7.000 €, um ein Fair Trade-Zertifikat zu erhalten. Da es uns bei „The World's Originals“ darum geht, möglichst viel Geld im Ursprungsland zu belassen, verzichten wir bis heute bewusst auf solche Zertifikate. Wir sagen, wir können den Mehrwert auch ohne ausgewiesenes Zertifikat effektiv ausweisen.

Wie wollt ihr das erreichen?

Es ist definitiv ein schweres Unterfangen, Lebensmittelbetriebe in Drittländern aufzubauen und dafür zu sorgen, dass diese dem deutschen Standard entsprechen. Wir arbeiten so gegen etablierte Steuer-, Zoll- und Handelssysteme, welche sich auf diese Art von Handel wie wir ihn seit hunderten Jahren kennen eingefahren haben. Entsprechend ist es auch wichtig, dass die Politik immer beweglicher wird. Wir erkennen langsam, dass es nicht hilft einfach nur Geld in die Märkte zu pumpen oder deutsche Firmen in den jeweiligen Entwicklungsländern aufzumachen. Wir müssen anfangen zu verstehen, dass wir Europäer teilweise die Plätze in den Entwicklungsländern besetzen, welche eigentlich von den Leuten vorort besetzt werden sollen. Die Bildung auch in diesen Ländern nimmt zu und so müssen wir es auch schaffen diesen Ländern eine gewisse wirtschaftliche Ermächtung zu gewähren. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir fertige Produkte produzieren lassen unter voller Verantwortung der Leute vor Ort.

Wie setzt ihr das praktisch um?

Mit unserem kolumbianischen Kaffee zeigen wir, dass das möglich ist. Wir nennen unser Prinzip die faire Wertschöpfung. Sozusagen die nächste Stufe von Fair Trade. Das Rösten und das Verpacken erfolgt komplett im Ursprungsland. Jedes Kilo gerösteter Kaffee bringt mindestens 4 bis 5 mal mehr Geld für das Land im Vergleich zum Export von grünem Rohkaffee. Außerdem entstehen in der Weiterverarbeitung qualifizierte Jobs, zum Beispiel als Röstmeister, Verpackungsentwickler, als Designer oder als Drucker. Auch die Pflücker werden außerhalb der Erntezeit in der Kaffeeproduktion beschäftigt und können somit langfristiger und sicherer beschäftigt werden. Diese qualifizierten Jobs in der Weiterverarbeitung werden im Durchschnitt 3-10 mal besser bezahlt. Das wird durch Fairtrade aktuell nicht abgedeckt.

Könnt ihr trotzdem Bio-Qualität gewährleisten?

Für uns heißt Bio nicht nur organisch, sondern auch, dass wir unsere Bauern auf der natürlichen Produktionsgrenze belassen können. Da unsere Bauern mehr Wertschöpfung betreiben und voll produzieren, können sie mit weniger Menge Kaffee besser leben als zuvor. So überfordern wir auch die Flächen nicht mit Überproduktion, was ökologisch sehr wertvoll ist, die Kaffeepflanzen stärkt und diese auch resistenter gegen etwaige Krankheiten macht. Es geht nicht nur um organisch, sondern um ökologisch nachhaltig.

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