Einmal 9 Fragen an: Eine transidente Person

Unseren 9 Fragen hat sich diesmal eine transidente Person gestellt, also ein biologischer Mann, der heute eine Frau ist. Wo hat sie Schwierigkeiten im Alltag und was kann man dagegen machen?

Einmal 9 Fragen an: Eine transidente Person

Das Spektrum der LGBTQ*-Gemeinde ist groß: Schwule, Lesben, Bisexuelle und einige mehr. Dazu gehören aber auch transidente Menschen, also biologische Männer die sich als Frau verstehen und umgekehrt. Wir haben uns mit einer transidenten Frau getroffen und uns mit ihr unterhalten.

Wann hast Du gemerkt, dass Du transident bist?

Wann habe ich das gemerkt, dass ich anders bin? Damals wusste ich noch nicht, dass es „Transident“ heißt. Ich merkte allerdings schon mit 5 Jahren, dass ich gerne mit anderen Spielsachen spielen möchte, als die anderen Kinder in meinem Alter. Es hat angefangen mit Puppen mit denen ich gerne gespielt hätte - so wie andere Mädchen. Später mochte ich dann auch meine Jungenbekleidung nicht mehr. Das zog sich bis zum Tag meines Outings. Ich hatte im Kleiderschrank nur, was ich wirklich nötig hatte, um als Mann gesehen zu werden.

Ab welchem Zeitpunkt hast Du Dich selbst als Frau bezeichnet?

Das ist wiederum eine Frage die ich gerne auf zwei Ebenen aufteilen möchte:

Für mich selbst habe ich mich ab dem siebten Lebensjahr als Frau gesehen bzw. damals als Mädchen. Ich erinnere mich übrigens auch noch sehr gut daran, dass gerade im Kindergarten, als man Zeichentrickfiguren mit anderen Kindern nachgespielt hatte, ich immer eine weibliche Rolle einnehmen wollte.

Für die Menschen habe ich mich am Tag meines Outings als Frau offenbart und auch nur noch als solche ansprechen lassen. Das war sehr oft mit Problemen verbunden, denn zu diesem Zeitpunkt galt ich rechtlich noch als Mann und so kam es oft zu sehr langen Diskussionen mit Krankenkassen, Ärzten, Banken und vergleichbaren Institutionen.

Wo stößt Du im Alltag auf Diskriminierungen?

Diskriminierung fängt schon bei kleinen Dingen, wie Kleidung einkaufen gehen an. In den meisten Läden unserer Stadt wird Kleidung nach den Maßen von Transmännern oder Frauen gar nicht geführt. So wird man gerne mal als Transfrau in die Herrenabteilung geschickt, um eine Hose zu suchen oder als Transmann in die Kinder - oder Jugendabteilung. Es gibt oft einfach nichts in den entsprechenden Größen - auch nicht in der Kollektion. So bleibt oft nur übrig, dass man im Internet bestellen muss. Auch ist es gerne so, dass man bei der Toilettenfrage bald vor einer unlösbaren Aufgabe steht. Denn irgendwer bemerkt immer, dass du keine Bio Frau oder Mann bist, selbst, wenn es in deinem Ausweis steht.

Einer der größten Nachteile ist aber immer noch die Distanzierung anderer Menschen zu Transpersonen. Es scheint mir wirklich schwer für andere Menschen zu sein, auf Transpersonen zuzugehen. So sitzen sie meist alleine da und werden so von der Gesellschaft ausgegrenzt. Dadurch, dass unsere Stimmen oftmals nicht klingen wie die, biologischer Männer oder Frauen, kommt es im Alltag oft dazu, dass wir uns erklären müssen, gerade beim Telefonieren oder wenn dir ein Mann die Tür aufhält und du einfach nur "Danke" sagst und er verschreckt die Tür loslässt, was eher ungewollt ist, weil er mit einer solchen Stimmlage nicht gerechnet hat.

Wünschst Du Dir, dass Du als biologische Frau geboren worden wärst?

Es hätte bestimmt vieles leichter gemacht und würde auch heute sehr vieles leichter machen, aber ganz persönlich gesehen nein. Denn es hat aus mir den Menschen gemacht, der ich heute bin.

Gibt es einen Unterschied zwischen einer biologischen und einer Transfrau?

Unterschiede gibt es natürlich. So kann eine Transperson keine Kinder nach dem Beginn der Hormontherapie zeugen. Man könnte zwar Eizellen oder Sperma einfrieren lassen - das ist aber teuer und wird von der Krankenkasse nicht übernommen. So ist oft der Gang zum Jugendamt der nächste Weg, um ein Kind haben zu können.

Dazu kommt, dass viele Transpersonen, die den Weg von Mann zu Frau eingeschlagen haben, dies erst sehr spät gemacht haben und so hat das Testosteron sehr viele männliche Merkmale hinterlassen, die nur durch Operationen zu ändern sind. Transmänner haben es hier, abgesehen von ihren vielen Operationen, sehr viel leichter.

Wie teuer ist der Prozess der Vornamensänderung und Personenstandsänderung?

Die gerichtliche Personenstands- und Vornamensänderung ist von der Person, die sie beantragt, im vollen Umfang selbst zu tragen. Dazu kommen noch die Kosten von Gutachtern und Prozesskosten. Insgesamt bewegt man sich in einem Bereich von 1200€ bis 2100€.

Was ist komplizierter? Vom biologischen Mann zur Frau, oder umgekehrt?

Das ist schwer zu sagen. Durch die die vielen Narben und auch der höheren Anzahl an Operationen ist der Weg eines Transmannes sehr viel schwerer, da auch im Lauf der Jahre die Erektionsprothese immer wieder ausgetauscht werden muss, denn diese funktioniert nach einigen Jahren nicht mehr. Dafür haben sie es dahingehend leichter, dass sich ihr Äußeres mehr dem männlichem angleicht als das einer Transfrau.

Bei Transfrauen ist der Weg dahingehend schwer, da man meist sehr viel Zeit damit zubringen muss, auf gewisse Fristen zu warten. So muss man zum Beispiel, um die Entfernung des Bartes anzustreben, erst einmal 12 Monate mit diesem herumlaufen, um einen entsprechenden Antrag bei der Kasse stellen zu können.

Das Klischee einer Transfrau ist extrem geschminkt. Stimmt das?

Das ist eine heikle Frage.

Es ist so, in der Zeit in der eine Transfrau noch ihren Bartschatten hat, muss sie, um nicht aufzufallen leider ein sehr starkes Make-Up verwenden, das in der Unterfarbe den Bartschatten abdeckt. Und das Make-Up, das man dann über dieser Konterfarbe trägt, benötigt auch eine gewisse Deckkraft, um dieses dann überdecken zu können. Ist Frau dann den Bartschatten los, so nimmt die Stärke des Make-ups auch ab und sie kann sich normal schminken, wie es jede andere Frau auch macht.

Wie notwendig ist eine abschließende Geschlechtsangleichung?

Das muss die betreffende Person natürlich immer selbst entscheiden. Denn jede Angleichung birgt Risiken. Eines der schlimmsten ist hier wohl, dass man im Intimbereich das Gefühl verlieren kann oder bei Ausformung der Neovagina der operierende Arzt an den Darm kommen kann und so beim Entfernen des Platzhalters nach der Operation der Darm reissen kann und man daran dann jahrelang zu leiden hat. Jede Person, die diesen Weg geht, muss also selbst entscheiden, ob sie diese Risiken für sich eingehen möchte.

Ich zitiere hier immer gerne einen Transmann: „Ich habe die Beule in meiner Hose gebraucht um zu wissen wie unnötig diese ist. Aber dies ist meine Beule."

Allerdings gehört es für einen hohen Prozentsatz einfach dazu, um komplett zu sein. Auch, um unbesorgt in ein Schwimmbad gehen zu können oder in eine Umkleide beim Sport.

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