„Einen Vierer-Buzzer hätte ich nie erwartet” – Tami Rahman erzählt von ihrer Zeit bei “The Voice”

Die Augsburgerin schaffte es bei der Castingshow „The Voice“ bis in die Sing-Offs vor dem Halbfinale. Welche Erfahrungen sie auf ihrer Reise gemacht hat und wie es hinter den Kulissen aussah, verrät sie im Interview.

„Einen Vierer-Buzzer hätte ich nie erwartet” – Tami Rahman erzählt von ihrer Zeit bei “The Voice”

Tami Rahman ist 27 Jahre alt und gebürtig aus Augsburg. Aktuell arbeitet sie als Serviceleitung im Fitnessstudio, um sich noch ein zweites Standbein aufzubauen. Neben „The Voice“ war sie bereits 2020 im Kinofilm „Into the Beat“ zu hören und wurde vor Kurzem zusammen mit ihren Voice-Battlepartnern von Samsung für zwei Werbespots engagiert.

Hallo Augsburg: Könntest du deinen musikalischen Werdegang beschreiben?

„Ich bin mit der Musik aufgewachsen.“

Tami: Meine Eltern kommen aus Bangladesch und in dieser Kultur spielt Musik eine riesige Rolle. Das habe ich auch in meiner Kindheit gemerkt: Schon im Grundschulalter besuchte ich den ersten Kinderchor, später dann den Jugendchor der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg. Gesangsunterreicht hatte ich damals noch nicht. Erst seit „The Voice“ habe ich angefangen Einzelstunden zu nehmen, da ich dort gemerkt habe, dass ich in diesem Bereich noch viel lernen kann.

Hallo Augsburg: Wie bist du dazu gekommen, dich bei „The Voice“ zu bewerben?

Tami: Ich hatte mich tatsächlich vor genau zehn Jahren schonmal bei „The Voice“ beworben. Doch um überhaupt an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, muss man sich zuvor in verschiedenen Vorrunden gegen tausende von anderen Bewerber:innen beweisen. Damals bin ich bis in die finale Runde gekommen, doch leider direkt vor den “Blind Auditions” rausgeflogen. Mich dann nochmal zu bewerben, hat auf jeden Fall einiges an Überwindung gekostet. Gleichzeitig war mir jedoch bewusst, dass eine Teilnahme für mich eine riesige Möglichkeit und ein unglaubliches Sprungbrett darstellen würde. Möchte man heutzutage etwas mit Musik machen und das auch schaffen, muss man eigentlich so etwas in die Richtung machen. Das es schließlich „The Voice“ geworden ist lag daran, dass ich schon immer Fan von der Show und deren Format war.

Hallo Augsburg: Was hältst du im Allgemeinen von Wettbewerben? Denkst du, dass durch die Bewertung und den Druck die Freude an der Musik verloren geht?

Tami: Ich bin ein Mensch, der sich im Allgemeinen nicht so gerne präsentiert und nur ungern im Rampenlicht steht. Deshalb ist mir der erste Schritt, mich überhaupt zu bewerben, auch super schwer gefallen. Trotzdem würde ich es jedem, der mit dem Gedanken spielt, empfehlen und es jederzeit wieder machen. Unabhängig davon, wie weit man in der Show kommt, bringt es einen persönlich einfach unglaublich weiter. Ich bin dort immer wieder aus meiner eigenen Comfort-Zone herausgekommen und habe viele tolle Leute kennengelernt, die mich auch jetzt noch inspirieren und dasselbe lieben wie ich. Das alles war einfach eine richtig geile Erfahrung. Natürlich ist bei Wettbewerben immer irgendwie Druck und auch Konkurrenzdenken da, aber ich muss sagen, dass es das bei „The Voice“ dieses Jahr tatsächlich gar nicht gab. Außerdem denke ich, dass das durch die ganzen schönen Erfahrungen in den Hintergrund rückt.

Hallo Augsburg: Wie waren deine Ankunft und dein erster Tag?

Tami: Ich bin schon einen Tag bevor es losging angereist. In der Lobby habe ich dann gleich schon die ersten Kandidat:innen kennengelernt, da gefühlt das ganze Hotel nur von „The Voice“-Teilnehmer:innen bewohnt wurde. (lacht) Wir sind untereinander direkt ins Gespräch gekommen, weil alle einfach super offen und herzlich waren. Leider gab es zu dieser Zeit noch einige Einschränkungen wegen Corona, deshalb hatten wir alle Einzel- statt Doppelzimmer. Am nächsten Tag ging es dann direkt ins Studio zu den Dreharbeiten. Wir hatten einige Einführungen, aber vor den Blind Auditions war tatsächlich gar nicht viel. Nach nur einer einzigen Probe auf der großen Bühne ging es schon direkt los.

Hallo Augsburg: Kannst du das Gefühl beschreiben, das erste Mal bei „The Voice“ auf der Bühne zu stehen?

Tami: Ich bin ein Mensch, der von Natur aus selbst bei kleinen Auftritten sehr starkes Lampenfieber hat. Bei mir ging es schon hinter der Bühne los und auch auf dem Weg zur Bühne habe ich mich gefühlt wie in einem Tunnel. Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an das, was ich gesagt habe oder was mir die Coaches geraten haben. Das Gefühl auf der Bühne war dann echt krass. Zu wissen, dass man gerade vor so vielen Leuten steht und vorne eine Jury sitzt, von der sich vielleicht einer umdreht oder eben auch nicht – das war schon heftig. Bei mir kam noch hinzu, dass sich die Jurymitglieder erst sehr spät umgedreht haben. Anfangs war ich noch sehr konzentriert auf die Musik, doch irgendwann zwischendurch dachte ich, keiner würde sich mehr umdrehen und war wirklich frustriert. Als Mark dann anfing auf seinem Stuhl zu tanzen und meine Freund:innen im Publikum total abgegangen sind, habe ich innerlich nur noch gebetet: „Komm, dreh dich doch um.“ Und das hat er. Das sich am Ende alle vier umdrehen, hätte ich niemals gedacht. Es war auf jeden Fall eine überwältigende, aber gleichzeitig auch wunderschöne Erfahrung.

Hallo Augsburg: Wie war dein Tagesablauf in der Castingshow?

Tami: Wir haben immer per E-Mail rechtzeitig Bescheid bekommen, wann wir wo sein mussten. Auf dem Plan standen Termine wie Interviews, Make-up, Styling, Dreharbeiten für Extra Videos, Briefings, Vocal-Coachings und noch vieles mehr. Die Drehtage waren immer ziemlich lang, da wir oft auch lange Wartezeiten, teilweise sogar mehrere Stunden, zwischen den einzelnen Terminen hatten. Das war aber nicht weiter schlimm, denn die Lücken konnten wir uns selbst gestalten. Meistens habe ich die Pausen dann mit den anderen Talenten verbracht. Dabei haben wir nahezu durchgehend gemeinsam Musik gemacht, sodass die Zeit nur so verflogen ist.

Hallo Augsburg: War die Stimmung unter den Teilnehmer:innen gut?

Tami: Es gab während der Zeit tatsächlich kein einziges Mal Streit, Stress, Drama oder sonst irgendwas. Die Leute von der Produktion meinten sogar, es sei die harmonischste Staffel überhaupt gewesen. Die Kandidat:innen waren wie eine große Familie. Ich werde nie vergessen, wie wir uns abends noch draußen irgendwo vor das Hotel gesetzt, gemeinsam gesungen und gegenseitig Tipps gegeben haben – das waren echt die schönsten Momente. Wir haben auch heute noch Kontakt untereinander und wollen versuchen in Zukunft gemeinsame Projekte zu planen.

Hallo Augsburg: Wie viel Kontakt hattest du zu den Jury-Stars und hält dieser jetzt noch an?

Tami: Eigentlich hat man immer nur mit seinem eigenen Coach zu tun. Lediglich bei den Aufnahmen für das Fernsehen habe ich die anderen gesehen. Jetzt habe ich leider keinen Kontakt mehr zu ihnen, auch nicht zu Rea oder Steffi. Das Halbfinale werde ich aber zusammen mit anderen ehemaligen Kandidat:innen besuchen, um die anderen anzufeuern. Da kann es gut sein, dass wir sie wiedersehen.

Hallo Augsburg: Dein erster Coach war Rea Garvey und danach warst du bei Stefanie Kloß im Team. Was waren die Themen im Unterricht und gab es Unterschiede bei den Tipps?

Tami: Hauptsächlich hatten wir Vocal-Coachings, aber für die Battles kam beispielsweise ein extra Coach, der mit uns noch eine kleine Choreo einstudiert und uns Tipps für die Bühne gegeben hat. Insgesamt würde ich sagen, dass Rea mir gegenüber deutlich kritischer war. Er war fast immer bei den Vocal-Coachings dabei, hat zugehört, Tipps gegeben und direkt gesagt, was Sache ist. Das hat mir auf jeden Fall extrem viel weitergeholfen. Bei Steffi hatte ich dann leider ein wenig Pech, denn sie war genau in der Zeit, in der ich bei ihr im Team war, gerade selbst auf Tour. Dadurch konnte sie leider nur zu wenigen Proben kommen. Aber auch sie hat mir gute Tipps gegeben und ist auf jeden Fall ein super lieber und bodenständiger Mensch.

Hallo Augsburg: Gab es Momente des Selbstzweifels?

Tami: Ja, voll. Wenn ich jetzt auf die Zeit zurückblicke, überwiegen zwar die positiven Erinnerungen, aber es gab auf jeden Fall viele Moment oder auch Tage, an denen ich dachte, dass ich all dem nicht gewachsen sei. Gerade am Anfang war ich sehr eingeschüchtert von allen anderen Talenten, weil ich mich selbst gar nicht so gut eingeschätzt habe. Hinzu kamen die ganzen neuen Eindrücke, Interviews und die Angst, sich gleich bei den Blind Auditions total zu blamieren. Später gab es dann auch immer wieder Höhen und Tiefen, die oft davon abhingen, wie die Proben liefen. Es war auf jeden Fall ein krasses Gefühlschaos, aber das ging den meisten so. Das Team hat sich da immer super um uns gekümmert – es gab sogar einen Psychologen, zu dem man gehen konnte, wenn es einem schlecht ging.

Hallo Augsburg: Hast du die Show im Nachhinein angeschaut und hattest du das Gefühl, im Fernsehen authentisch dargestellt zu werden?

Tami: Ja, an den Abenden habe ich immer meine Freund:innen zu mir nach Hause eingeladen und so eine Art „Public Viewing“ gemacht. Es war auf jeden Fall ein sehr komisches, aber gleichzeitig auch richtig krasses Gefühl, sich selbst im Fernsehen zu sehen. Ich hatte schon vor der Show immer das Gefühl, dass die Kandidat:innen bei „The Voice“ sehr authentisch dargestellt werden und es in erster Linie um die Musik geht. Das hat sich dann eigentlich nur bestätigt. Ich konnte in den Interviews immer ich selbst sein und musste nie in eine Rolle schlüpfen, was mir von Anfang an sehr wichtig war. Klar, es ist dann immer komisch sich selbst zu sehen und an manchen Stellen habe ich mir auch gedacht: „Bin ich wirklich so? Und warum sage ich sowas?“, aber bei den Auditions war ich halt auch total nervös und dadurch sehr schüchtern. In manchen Situationen bin ich zwar so, aber die, die mich wirklich kennen, wissen, dass ich auch eine ganz andere Seite haben kann. (lacht)

Hallo Augsburg: Siehst du dich in Zukunft als Sängerin?

Tami: Mein Traum ist es auf jeden Fall. Ich finde es allerdings auch ziemlich schwierig dieses Risiko einzugehen, deshalb habe ich mir noch eine zweite Basis im Fitnessstudio aufgebaut. Jetzt versuche ich einfach, mich mehr auf die Musik sowie die kommenden Projekte zu konzentrieren und dabei alles dranzusetzen, in Zukunft von der Musik leben zu können. Sollte das nicht klappen, werde ich das Singen als Hobby aber niemals aufgeben.

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