Jürgen Pötschan ist gebürtiger Augsburger und schon seit 24 Jahren beim ADAC tätig. Auch davor war er bereits in der Branche aktiv: So begann er mit einer klassischen Automechaniker-Ausbildung und arbeitete in verschiedenen Autohäusern, unter anderem bei Audi, VW und Opel - bevor er schließlich beim ADAC seine berufliche Heimat fand. Dort ist er nun in der Region Augsburg unterwegs und hilft Menschen mit einer humorvollen und zugleich ruhigen Art bei Pannen.
Hallo Augsburg: Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag beim ADAC aus?
Jürgen: Einen wirklich typischen Tag gibt es eigentlich nicht. Heute war es zum Beispiel ziemlich ruhig, an anderen Tagen kommt man dagegen kaum hinterher. Genau das hat mich auch an der Tätigkeit beim ADAC gereizt: Sie ist sehr nah an den Menschen und man wird jeden Tag mit anderen Situationen konfrontiert. Kein Einsatz ist wie der andere - und genau das macht den Beruf so interessant.
Hallo Augsburg: Mit welchen Problemen oder Pannenursachen hast du denn am häufigsten zu tun?
Jürgen: Ein großes Thema sind Batterien. Bei älteren, aber auch modernen Batterien kann es zu Kristallbildungen kommen, wobei sich Blei in der Batterie zersetzt. Gerade bei den heutigen Fahrzeugen mit Start-Stopp-Systemen sind die Anforderungen an die Batterie höher.
Hallo Augsburg: Du hast erwähnt, dass du auch schon viele kuriose Geschichten erlebt hast. Was war dein ungewöhnlichster Einsatz?
Jürgen: Da gibt es einige Geschichten. Eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Es ging um eine Katze, die sich unten am Fahrzeug zwischen Lenkgetriebe und Auspuffanlage verfangen hatte. Sie war so unglücklich verkeilt, dass selbst die Feuerwehr ihr nicht heraushelfen konnte.
Hallo Augsburg: Was hast du dann gemacht?
Jürgen: Ich musste die Innenverkleidung ausbauen und die Katze vorsichtig befreien. Das Problem war vor allem der Katalysator, der bis zu 1.000 Grad heiß werden kann. Hätten die Besitzer den Motor gestartet, wäre die Katze schlichtweg verbrannt. Am Ende ging aber alles gut - das Tier hat alles unbeschadet überstanden.
Hallo Augsburg: Das klingt wirklich nach einem ungewöhnlichen Einsatz. Trotzdem kann dein Beruf im Straßenverkehr auch gefährlich sein, oder?
Jürgen: Auf jeden Fall. Man muss auf unglaublich viele Dinge gleichzeitig achten: auf den fließenden Verkehr, auf die Fahrzeuge hinter einem und auf plötzlich auftauchende Verkehrsteilnehmer. Gerade auch mit den vielen Fahrrädern, E-Bikes und Motorrädern ist die Situation manchmal schwer einzuschätzen. Wenn man am Straßenrand arbeitet, muss man deshalb immer besonders aufmerksam sein.
Hallo Augsburg: Hat sich dein Beruf dann in den letzten Jahren stark verändert?
Jürgen: Ja! Es sind nicht nur die E-Autos, die hinzugekommen sind, auch die Technik in den Fahrzeugen wird immer komplexer. Wir haben mittlerweile auch Pannenhilfe für Fahrräder. Das ist gar nicht so leicht, da die Bandbreite immer größer wird.
Hallo Augsburg: Wie gehst du dann mit Autofahrern um, die nach einer Panne gestresst, verängstigt oder sogar wütend sind?
Jürgen: Wenn jemand aggressiv ist, darf man auf keinen Fall selbst aggressiv reagieren. Ich versuche immer, erst einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich erinnere den Fahrer freundlich daran, dass er schließlich um Hilfe gebeten hat und ich jetzt da bin, um ihm zu helfen. Ich sage manchmal auch scherzhaft: „Ich habe schließlich schon 61 Jahre darauf gewartet, dass ich Ihnen helfen darf.“ Damit lockert sich die Situation oft schon etwas auf.
Hallo Augsburg: Das klingt nach einer guten Methode.
Jürgen: Natürlich muss man dabei Fingerspitzengefühl haben. Wenn jemand lange gewartet hat, kann ich verstehen, dass er verärgert ist. Aber für die Wartezeit können wir Pannenhelfer meistens nichts. Wir werden von der Disposition gesteuert.
Hallo Augsburg: Wodurch entstehen denn solche langen Wartezeiten?
Jürgen: Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Verkehr, die Disposition, die Anzahl der verfügbaren Einsatzkräfte und natürlich auch die Tageszeit. Bei Eis und Schnee oder während großer Urlaubswellen haben wir beispielsweise ein sehr hohes Pannenaufkommen.
Außerdem muss zunächst das richtige Einsatzmittel geschickt werden. Wenn beispielsweise ein Fahrzeug einen schweren Motorschaden oder ein beschädigtes Achsenteil hat und deshalb abgeschleppt werden muss, kann es passieren, dass zunächst ein Pannenhelfer geschickt wird, obwohl letztlich ein Abschleppfahrzeug notwendig ist. Dann entsteht natürlich zusätzliche Wartezeit.
Hallo Augsburg: Gibt es einen Fehler, den Autofahrer bei einer Panne besonders häufig machen?
„Im Fahrzeug sitzen zu bleiben, ist im Falle einer Panne auf der Autobahn wirklich das Schlimmste.“
Jürgen: Auf der Autobahn ist die Absicherung das ganz große Thema. Viele Menschen machen den Fehler, im Fahrzeug sitzen zu bleiben und auf die Pannenhilfe zu warten. Eigentlich sollte man unbedingt aussteigen und sich hinter die Leitplanke oder an einen sicheren Ort begeben.
Hallo Augsburg: Wenn du Autofahrern nur einen einzigen Tipp zur Wartung ihres Fahrzeugs geben dürftest – welcher wäre das?
Jürgen: Ganz einfach: „So wie ich warte, fahre ich Auto.“ Wartung ist wie Körperpflege. Man kann vielen Problemen vorbeugen, egal ob bei der Batterie, beim Motor oder bei anderen Bauteilen. Ich sage immer: Zähneputzen sollte man auch nicht vergessen – und beim Öl sollte man ebenfalls nicht sparen. Gute Wartung kann viele Pannen verhindern.