Einmal 9 Fragen an: einen Politiker

Politiker blenden, manipulieren, korrupieren - was ist wahr daran?

Einmal 9 Fragen an: einen Politiker

Für unser heutiges Einmal Neun Interview haben wir uns in die Politik begeben und einen Politiker befragt, ob tatsächlich in unserem Parlament nur Lehrer und Jusristen sitzen, und wie paranoid man wird, wenn Negativ-Schlagzeilen über einem kreisen.

Ab welchem Amt kann man von der Politik leben?

Ab dem Bürgermeisteramt, denke ich, kann man von der Politik leben - obgleich das natürlich davon abhängt, wie groß die Stadt ist, in der man Bürgermeister ist. In Augsburg kann man bestimmt gut als Bürgermeister leben, in vielen kleineren Gemeinden ist das Bürgermeisteramt ein Ehrenamt. Theoretisch kann man in größeren Städten auch als Stadtrat von der Aufwandsentschädigung leben, allerdings ist dieser Beruf als Ernährungsberuf eher unattraktiv.

Wie oft lügst Du?

Zuerst würde ich nicht „lügen“, sondern „beschönigen“ sagen. Es ist wie bei einem Autohändler: Der würde ja auch nicht sagen: „Der Wagen fährt super, sieht aber echt scheiße aus.“. Es geht also darum, das, was man in der Politik darlegen möchte geschickt zu zeigen. Ich persönlich glaube nicht, dass ich gut lügen kann, schon als Kind, wenn ich „krank“ von der Schule daheim bleiben wollte, glaubte ich, dass mir das niemand abkauft.

Warum erstarkt momentan das rechte Lager?

Es gab Zeiten, da ging es unserer Gesellschaft schon deutlich schlechter, als heute, aber jetzt sind wir in einer Zeit, in der es einem großen Teil der Bevölkerung, ich schätze etwa 20%, nicht besonders gut geht. Man hört zwar immer, dass Hartz IV-Bezieher alle Wohnungen und einen Fernseher hätten, was auch stimmt, in anderen Spielräumen sind sie dafür sehr limitiert.

Die Uneinigkeit und wachsende Unglaubwürdigkeit der SPD bei der Bevölkerung hat sicherlich dazu beigetragen, dass sich viele dieser Menschen eher rechts orientieren. Einige ehemalige SPD-Wähler konnten zwar andere linke Parteien auffangen, aber eben nicht alle.

Was stört Dich am Politikerdasein?

Man hat keine Freiheit mehr. Ich kann zwar natürlich machen, wonach mir ist, aber mein Leben als Politiker ist ein Leben in der Öffentlichkeit. Alles was ich mache wird also beobachtet und viele Menschen erkennen mich auf der Straße. Manche meiner Freunde gingen mit mir früher deswegen nur ungern aus, da ich an einem gemeinsamen Abend mit ihnen den Großteil im Gespräch mit anderen verbracht habe. Inzwischen habe ich das allerdings versucht zu korrigieren.

Wird man paranoid nach Negativschlagzeilen?

Tatsächlich bin ich enorm pranoid. Man steht eben in der Öffentlichkeit und ist gefühlt immer unter Beobachtung. Das führt nicht nur dazu, dass man das Gras wachsen hört, sondern auch, dass man sich selbst schnell viel zu wichtig nimmt. Schlussendlich interessiert sich ja doch nicht jeder für das Privatleben eines jeden kleinen Politikers. Dennoch glaube ich, dass sich viele Bürgermeister zu kleinen Sonnenkönigen entwickeln.

Erlebst Du Korruption?

Dass der Koffer mit Geld zufällig vergessen wird, ist nicht so. Was allerdings schon vorkommt ist, dass einem Ortsverband eine gewisse Summe gespendet wird - und da erwartet man dann auch eine Gegenleistung. So etwas geht aber dann eben nicht an Einzelpersonen, sondern eben an ganze Parteien. Einzelpersonen können dagegen gewisse Gefälligkeiten erhalten, wie eine Übernachtung im Hotel oder eine Essenseinladung.

Stimmt das Klischee, dass Politiker nur reden, aber nichts machen?

Diese Frage ist ein bisschen gemein, da der Job des Politikers ja in erster Linie Reden ist. Direkt machen kann man ja nichts, man ist dafür da, sich für ein gewisses Thema einzusetzen, dass einem wichtig ist - und ja, da muss man viel reden.

Was ist die größte Herausforderung unserer Zeit?

Ganz einfach: Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen, nicht umgedreht. Da muss man dran bleiben.

Warum sind so viele Politiker Juristen oder Lehrer?

Wenn man Politiker nach ihren wichtigsten Werten fragt, ist „Gerechtigkeit“ immer unter den Top 3. Und Gerechtigkeit wird in aller Regel mit Gesetzen hergestellt. Die Aufgabe von Politikern ist ja unter anderem Gesetze zu beschließen - und ein bisschen Know-how ist da nie verkehrt.

Bei den Lehrern, denke ich, ist das so: Viele Lehrer wollen ja Weltverbesserer sein. Bei den Lehrern in der Politik geht das Weltverbessern dann noch über das Klassenzimmer hinaus.

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