Skitour durch den Libanon – Interview mit Nicolas Brixle

Der Libanon ist ein Land, das mehr als nur Staub und Wüste zu bieten hat. Nico und Luggi zeigen in ihrem Film „Crossing Lebanon“, wie sie 10 Tage auf Skiern bis zum höchsten Berg des Landes wandern. Im Interview erzählt Nico von ihren Erfahrungen.

Skitour durch den Libanon – Interview mit Nicolas Brixle

Nicolas Brixle und Lukas Bröll sind echte Abenteurer. Beide haben dieses Funkeln in den Augen, das vermuten lässt, dass sie gedanklich schon in der Planung für ein neues Projekt stecken. Dabei liegt ihr letztes großes Abenteuer noch kein Jahr zurück.

Im Februar diesen Jahres starten die beiden eine Tour in die unbekannten Regionen des schneebedeckten Bergmassivs des Libanon. Gemeinsam machen sie sich auf den aufregenden Weg über die vielen Bergkuppen bis hin zum höchsten Gipfel des Landes, welcher übersetzt “das schwarze Horn” heißt und 3.088 Höhenmeter vorweist. Die beiden Skiprofis sind insgesamt zehn Tage unterwegs und werden zu Beginn von Nicos libanesischem Freund Halim begleitet, den er nach seinem Auslandssemester bei einem Freeride-Contest in der Nähe der Hauptstadt Beirut kennengelernt hat.

Sie kämpfen sich durch die eiskalte Schneewüste und tragen dabei jeweils etwa 25 Kilogramm Gepäck. Mit dabei ist natürlich das Filmequipment, mit welchem Nico die Reise dokumentiert. „Ich hatte zwei Kameras und vier Objektive, eine Drohne, eine GoPro, sowie einige Powerbanks und Solarpanels zum Aufladen dabei”, erzählt Nico. Das alles schleppt er mit, weil er begeisterter Hobbyfotograf und -filmemacher ist und die Reise so gut es geht aufzeichnen möchte.

Im Interview hat uns Nico von der Reise und dem Filmprozess bis hin zu seiner Veröffentlichung berichtet.

Wie lange hat es gedauert die Reise vorzubereiten?

„Mit dem Planen haben wir bereits im Oktober 2018 angefangen. Da galt es vor allem Sponsoren zu finden und die Idee der Reise in eine machbare Challenge zu verwandeln. Wir haben die Route festgelegt und uns überlegt, welche Ausrüstung wir benötigen. Als es dann immer mehr auf den Start-Zeitpunkt zuging, haben wir begonnen uns damit auseinander zu setzen, welche Art der Verpflegung wir benötigen würden, wie viel Gas wir zum Kochen brauchen würden und solche Sachen. Wenige Wochen vor dem Abflug mussten wir dann unglücklicherweise nochmal neue Flüge buchen, weil die Airline mit der wir fliegen wollten, pleite gegangen ist. Aber es ist ja nochmal alles gut gegangen.”

Was für einen Einfluss hatte die Reise auf eure Freundschaft? Gab es Streit?

„Also ich würde sagen, dass die Reise uns auf jeden Fall näher zusammen gebracht hat. Wir hatten zwar bereits vorher schon gemeinsam im VW-Bus geschlafen und kürzere Ski-Trips unternommen, wodurch wir auch gemerkt haben, dass wir bei solchen Aktivitäten gut zusammen passen. Allerdings war diese Reise nochmal ein bisschen was anderes, weil sie länger, härter und fordernder war, als unsere bisherigen Trips. Wir hatten keinen Streit, aber in den letzten Tagen der Tour haben wir einander die Anstrengung und Anspannung angemerkt. Es gab weniger Smalltalk, wir haben uns beim Reden eher auf das wesentliche beschränkt.”

Wie habt ihr euch während eurer Reise ernährt?

„Weil wir sehr auf das Gewicht unserer Gepäckstücke achten mussten, um diese nicht zu schwer werden zu lassen, konnten wir nicht wirklich abwechslungsreiche Kost mitnehmen. Morgens gab es Haferbrei mit Nüssen und getrockneten Früchten. Mittags haben wir einen Stopp eingelegt um Babybrei anzurühren. Dafür haben wir in unserem Campingkocher Schnee schmelzen lassen. Zwischendurch haben wir uns mit Müsliriegeln über Wasser gehalten. Abends gab es zunächst zum Aufwärmen eine Fertigsuppe und dann zum Sattwerden eine „Track’n Eat”-Mahlzeit, wie zum Beispiel dehydriertes Gulasch. Ich glaube am meisten hat mir in den 10 Tagen tatsächlich das Gefühl gefehlt, gemütlich im warmen Haus zu sitzen und eine warme Mahlzeit zu genießen. Den Babybrei fand ich eigentlich ganz lecker.”

Würdest du etwas im Nachhinein anders machen?

„Hmm…also eigentlich sind Luggi und ich beide sehr zufrieden mit unserer Leistung und den gesammelten Erfahrungen. Ich denke, wenn wir etwas anders machen würden, dann würden wir uns beim nächsten Mal etwas mehr am Skifahren orientieren und daher eine kürzere Strecke wählen. Wir waren wirklich viel damit beschäftigt Strecke zurück zu legen und mussten leider einige schöne Abfahrten auslassen. Sonst wären wir zeitlich nicht hingekommen. Für das erste Mal war es aber echt eine gute Tour. Es gab viel zu sehen und Skifahren konnten wir trotzdem.”

Wo habt ihr den Film bisher gezeigt? Kann man ihn sich irgendwo anschauen?

Es gibt zwei Versionen des Films. Die eine ist 30 Minuten und die andere 12 Minuten lang. Die 30 minütige haben wir bisher im Allgäu in Marktoberdorf, in Augsburg im Liliom und in München in einem kleineren Kinosaal gezeigt. Eventuell wird es noch einen weiteren Kinotermin in München geben, aber da sind wir noch nicht ganz sicher. Nächstes Jahr wird der Film beim Bavarian Outdoor Film Festival (BOFF) gezeigt und im Herbst gibt es ihn dann auch endlich auf Youtube zu sehen. Updates zu den Filmpräsentationen gibt es übrigens auf unserem Instagramkanal nocomfort.films”

Wie geht es jetzt weiter?

„Diesen Winter planen wir ein, zwei kleine Projekte, damit wir im nächsten Winter dann wieder voll durchstarten können. Vermutlich verschlägt es uns dann wieder in Richtung Osten, aber es ist noch nichts sicher.”

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