Einmal 9 Fragen an: eine Lehrerin

Für unsere Interview-Reihe „Einmal 9“ haben wir uns heute ins Klassenzimmer gesetzt und uns mit einer Lehrerin unterhalten.

Einmal 9 Fragen an: eine Lehrerin

Mit wohl keinem Beruf haben wir in unserer Kindheit und Jugend so viel zu tun, als mit unseren Lehrern - oder hatten die mehr mit uns zu tun? Da aber trotz so einiger Schuljahre oft wenig Platz für Fragen außerhalb des Unterrichts war, haben wir noch einmal den Schritt in die Schule gewagt und nachgefragt, ob es wirklich die Lehrerlieblinge gibt, denen die guten Noten zufliegen und die Schüler in der letzten Reihe, bei denen sowieso schon alles verloren ist.

1. Hast Du Lieblingsschüler?

Ja. Das hängt aber nicht davon ab, ob ein Schüler bessere Noten hat oder so. Aber natürlich habe ich gegenüber Schülern, die zu mir freundlich sind, ein besseres Verhältnis, als zu solchen, die zum Beispiel jede Stunde zu spät kommen. Das ist ganz einfach: Ist ein Schüler nett zu mir, bin ich nett zu ihm.

2. Haben Sport-, Kunst- und Musiklehrer den ganzen Schultag mehr oder weniger frei?

Es ist schon so, dass die Sportler und Künstler insofern weniger zu tun haben, da sie Stunden nicht in dem Maße vorbereiten müssen, wie zum Beispiel Englisch oder Physiklehrer. Musiklehrer hingegen müssen auch viel vorbereiten, zumal viele sich davon neben dem normalen Unterricht noch um den Schulchor oder die Theatergruppe kümmern. Von den Hauptfächern haben allerdings alle in etwa gleich viel zu machen.

3. Welche Fächer sollten mehr in den Schulalltag kommen und welche gekürzt werden?

Momentan sieht es ja danach aus, dass im Gymnasium Geographie gekürzt und dafür Geschichte aufgestockt wird. Das finde ich nicht gut. Meiner Meinung nach machen die Schüler Hitler rauf und runter, das ist an manchen Stellen etwas zu viel.

4. Kann man Prüfungen überhaupt neutral bewerten, obwohl einem manche Schüler lieber sind, als andere?

Absolut. Ich achte erstmal gar nicht darauf, wessen Name auf dem Prüfungsbogen steht. Außerdem gibt es zu jeder meiner Prüfungen eine Musterlösung. Da steht dann genau drauf, für was es die Punkte gibt. Und wenn der Schüler das geschrieben hat, was in der Lösung steht, bekommt er natürlich den Punkt, egal, ob ich ihm oder ihr mehr oder weniger Sympathien entgegen bringe. Da gibt es überhaupt keinen Spielraum.

5. An vielen Schulen ist Mobbing und Ausgrenzung ein großes Thema. Ignorieren Lehrer dieses Problem manchmal, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen?

Nein. Wenn ich mitbekomme, dass ein Kind ausgegrenzt oder sogar gemobbt wird, reagiere ich natürlich. Man sucht dann das Gespräch - natürlich mit den betreffenden Schülern, aber dann auch mit Lehrerkollegen und Eltern. Gerade bei den Kleinen bekommt man noch schnell mit, wenn es ein soziales Problem gibt, bei den Großen ist das manchmal schwieriger, da es da oft weniger offensichtlich passiert. Allerdings hatte ich auch schon den Fall, dass ein vermeintlich ausgegrenzter Schülr gar nicht Teil der Gemeinschaft sein wollte. Meistens ist das natürlich nicht so. Bei Ausgrenzung ist es immer hilfreich, die sozial Starken einer Klasse dahin zu bewegen, mit den sozial Schwächeren zu interagieren. Damit habe ich schon oft gute Erfahrungen gemacht.

6. Wird der Unterricht von einer politischen Ideologie beeinflusst?

Nein, das darf er gar nicht! Die meisten Fächer bieten da sowieso keinen Angriffspunkt - in Geschichte und Sozialkunda kann noch am ehesten was passieren, aber auch da schaut man ganz streng drauf. Politische EInflüsse müssen von der Schule fern gehalten werden. Es ist sogar ein absolutes No-go, wenn man als Lehrer einen Kugelschreiber von einer Partei im Unterricht benutzt.

7. Welche Schüler sind die Schlimmsten?

Das ist eine schwierige Frage. Was mich wirklich furchtbar ärgert ist, wenn Schüler absichtlich aufgeben beziehungsweise scheitern. Wenn Schüler nicht gut vorbereitet sind, sich dann aber in Abfragen auch noch generell verweigern Irgendetwas zu sagen, finde ich das sehr unschön, da man auch unvorbereitet immer noch etwas rausholen kann. Und wenn die Hausaufgaben nicht gemacht sind, und die Schüler nicht zu begreifen scheinen, dass die Aufgaben beim Verständnis des Stoffes helfen. Aber am Nervigsten sind für mich die Schüler, die dauernd blöde Kommentare in den Unterricht rufen - und dann das Echo nicht vertragen.

8. Welche Eltern sind die Schlimmsten?

Das ist wiederum einfach. Am schlimmsten sind die Eltern, die glauben, dass die Lehrer für alles am Schüler verantwortlich sind. Diese Eltern glauben, dass wir mit den Schülern Vokabeln lernen sollen, ihnen sagen, was in Prüfungen dran kommt, und so weiter. Zuhause möchten sie sich dann nicht mit der Schullaufbahn ihrer Kinder beschäftigen, dabei ist es auch an den Eltern, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen.

9. Bereitet die Universität überhaupt richtig auf die Schule vor?

Leider nicht. Meiner Meinung nach sollten Bachelor und Lehramtsstudenten an der Uni getrennt werden, sodass die Lehramtsstudenten gezielt auf die Schule vorbereitet werden können. Denn in der Universität fehlt der Schulbezug. Man lernt dort zwar sehr viel Theorie, aber kaum, wie diese dann konkret angewendet wird. Außerdem muss man auch Sachen lernen, die man in der Schule niemlas braucht, dafür fehlen oft auch wichtige Infos, über die man sich dann im Nachhinein in Kenntnis setzen muss. Man muss also den kompletten Aufbau eines Lehramtsstudiums ändern, um gut vorzubereiten.

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