Bodybuilderin auf Olympia-Niveau: Jennifer Zienert im Interview

Mit 18 Jahren begann ihre Reise. Disziplin, hartes Training und ein eiserner Wille brachten sie dorthin, wo sie heute ist: eine Bodybuilderin auf Olympia-Niveau. Jennifer Zienert verrät, wie viel sie trainiert und warum das nicht alles ist.

Bodybuilderin auf Olympia-Niveau: Jennifer Zienert im Interview

Jenny war 18 Jahre alt, als sie mit dem Trainieren begann. Damals besuchte sie gemeinsam mit einem Freund einen Bodybuilding-Wettkampf und beim Anblick der Frauen dort, war ihr sofort klar: Das möchte sie auch machen. Also suchte sie sich einen Coach und keine zwei Jahre später, 2015, stand sie bereits das erste Mal auf der Bühne. Regelmäßig nahm sie an Wettbewerben teil und arbeitete sich langsam immer weiter nach oben. Während der ersten Shows machte Jenny nebenbei noch das Abitur und absolvierte danach eine Ausbildung zur Krankenschwester. In Wettbewerbszeiten stand sie dafür teilweise um 3 Uhr morgens vor dem Frühdienst auf, um erst ihr Essen vorzubereiten und dann noch Cardio-Training zu machen. Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt: Sie gewann unter anderem die Deutschen Meisterschaften und ist kommenden Winter Kandidatin für Ms. Olympia in Amerika.

Gebürtig kommt die junge Sportlerin aus Schweinfurt in Franken, doch seit 2020 lebt sie zusammen mit ihrem Mann in Augsburg. Anfangs arbeitete sie noch im Josefinum als Krankenschwester, machte sich in der Coronazeit jedoch selbstständig. Neben dem Coaching und Präsentationstraining für Leistungssport, führt Jenny zusammen mit ihrem Mann ein Geschäft für Sportnahrung inklusive eines Online-Shops. Mittlerweile haben die beiden sogar ihre eigene Supplement Marke auf dem Markt.

„Ist das Ziel groß genug, findet man Wege diszipliniert zu sein.“

Hallo Augsburg: Was liebst du am Bodybuilding?

Jenny: Dass man all die Leistung, Liebe, Zeit und natürlich ganz, ganz viel Geduld, die man investiert auch irgendwo ein Stück weit zurückbekommt. Man beeinflusst durch das, was man täglich macht, wie gut man letztendlich wird. Das Ganze findet dabei nicht nur auf einer körperlichen Ebene statt, sondern 80 Prozent von dem, was in dem Sport wirklich zählt, passiert mental.

Hallo Augsburg: Hat sich dein Selbstbild durch das Bodybuilding geändert?

Jenny: Ich denke durch das auf der Bühne stehen und mich dabei vor einem Publikum zu präsentieren, bin ich auf jeden Fall selbstbewusster geworden. Der Sport an sich und das Training haben eher dazu geführt, dass ich mich wohler in meinem Körper fühle. Schließlich weiß ich, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, wie ich aussehe. In vielen Fällen birgt das allerdings sogar eher negative Aspekte, denn wir alle betrachten uns selbst immer subjektiv. Eigentlich müssten wir viel objektiver an unseren eigenen Körper herangehen, um Fortschritte sowie etwaige Baustellen besser erkennen zu können. Ist man nicht selbstbewusst genug, kann diese selbstkritische Auseinandersetzung schnell frustrieren.

Hallo Augsburg: Wie sieht dein Training aus?

Jenny: Generell wird der ganze Körper in der Woche mindestens einmal trainiert. Dafür gehe ich fünf bis maximal sechs Mal die Woche ins Fitnessstudio, wobei das Training jedoch nicht länger als 60 Minuten dauert. Natürlich kommt es auch ein bisschen darauf an, wie viel Körperfett wegmuss. Je nachdem kann dann noch ein bisschen Ausdauertraining hinzukommen.

Hallo Augsburg: Sind bestimmte körperliche Voraussetzungen nötig, um Bodybuilderin zu werden?

Jenny: Primär nein. Möchte man jedoch eine der 5 Prozent aller Athletinnen sein, die ganz vorne mitspielen, dann ist Genetik ein riesiger Punkt. Doch jeder hat das Potenzial Bodybuilding zum Spaß zu machen, um dabei den eigenen Körper zu formen.

Hallo Augsburg: Wie sieht deine Ernährung aus?

Jenny: Da ich als Athletin immer einen Coach habe, weiß ich nicht, wie viele Kalorien ich an einem Tag esse. Stattdessen folge ich einem Ernährungsplan mit genauen Lebensmitteln und Mengenangaben. Generell esse ich dabei eigentlich alles: Fleisch, Fisch, Reis, Haferflocken, etc. Dabei achte ich darauf, dass die Lebensmittel hochwertig und möglichst unverarbeitet sind.

Hallo Augsburg: Wie reagierte dein persönliches Umfeld auf deinen Traum Bodybuilderin zu werden? Und wie ist die Reaktion anderer auf der Straße oder im Internet?

Jenny: Meine Familie und Freunde haben diesen Traum von mir immer unterstützt. Was andere Leute denken, weiß ich natürlich nicht. Dass sie schauen, vor allem, wenn ich beispielsweise etwas ein bisschen Freizügigeres trage, merke ich auf jeden Fall. Doch eigentlich habe ich auf mein Aussehen immer nur positives Feedback bekommen. Natürlich gibt es auf Social Media manchmal auch unschöne Kommentare. Aber dort ist es heutzutage egal, was man macht – diese Nachrichten kommen immer. Dem einen passt die Frisur nicht, der andere mag den Style nicht. Damit muss man einfach lernen umzugehen, wenn man sich selbst in den Sozialen Medien präsentiert.

Hallo Augsburg: Bodybuilding und Beziehung – wie funktioniert das?

Jenny: Im Grunde ist eigentlich nur wichtig, dass der Partner Verständnis dafür hat. Ist der nötige Respekt da, muss er selbst auch gar keinen Sport machen, damit eine Beziehung funktioniert. Natürlich sind manche Dinge ein wenig anders, gerade vor Wettbewerbsvorbereitungen. Da bin ich einfach gerne in meinen Routinen und habe meine Mahlzeiten so, wie ich sie mir zubereite. Insgesamt ist mein Sport aber kein Hindernis dafür, beispielsweise auch mal wegzufahren.

Hallo Augsburg: Wie bereitet man sich auf Wettbewerbe vor?

Jenny: Zuallererst muss man sich einen Coach suchen. Dieser erstellt einen Trainings- und Ernährungsplan, der dann immer wieder angepasst und optimiert wird, sodass man in Wettkampfform kommt. Dafür sollte der Körper so fettfrei wie möglich sein. Ist man insgesamt in guter Form, wird vor dem Wettbewerb eigentlich fast nichts mehr geändert.

Hallo Augsburg: Warum sind die Bodybuilder:innen bei Wettbewerben immer so stark gebräunt?

Jenny: Das liegt an dem Scheinwerferlicht auf der Bühne. Das ist so hell, dass die Muskeln auf der Haut ansonsten gar nicht zu sehen wären. Im Endeffekt wäre dann alles nur hell.

Hallo Augsburg: Könnte man nur vom Bodybuilding leben?

Jenny: Leider nicht. In Deutschland geht das mittlerweile nicht einmal mehr, wenn man einen Sponsor hat. Stattdessen muss man immer darauf achten, sich auch außenrum Standbeine aufbauzubauen. Es gibt viele, die nebenher Coachen oder ihre eigenen Klamotten verkaufen.

Hallo Augsburg: Hat man als Frau körperlich einen Nachteil in dem Sport?

Jenny: Ich würde nicht sagen, dass es für Frauen schwerer ist Muskeln aufzubauen – es dauert höchstens länger. Es ist aber deutlich anstrengender, den Körper so fettfrei zu bekommen und das auch zu halten. Das liegt daran, dass ein Frauenkörper das weniger möchte, da er eigentlich dafür gebaut ist, Kinder zu versorgen.

Hallo Augsburg: Hast du Angst vor Spätfolgen durch das Bodybuilding?

Jenny: Leistungssport im Allgemeinen bringt mit sich, dass das Herz sich vergrößert. Doch ich denke die Spätfolgen von Übergewicht, Alkoholexzessen am Wochenende und Zigarettenkonsum sind weitaus größer. Macht man den Sport mit Köpfchen, hat Bodybuilding eigentlich keine gravierenden Spätfolgen.

Hallo Augsburg: Was sind deine Zukunftspläne?

Jenny: Ich selbst würde gerne noch ein paar Jahre lang bei Ms. Olympia mitmachen und dann in vier oder fünf Jahren den Fokus auf meine Familie, Kinderplanung, etc. richten. Gleichzeitig möchte ich mit meinem Mann unsere eigene Marke so ausbauen, dass wir etwas beeinflussen können. Wir wollen den Kunden etwas bieten, wodurch sie sich besser fühlen, im Alltag leistungsfähiger werden und ihrer Gesundheit gleichzeitig etwas Gutes tun.

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