„Mich ruft Rebecca Mir an?“ – Im Gespräch mit Fotograf Chris Haimerl

Mit gerade einmal 25 Jahren hat er bereits ein eigenes Fotostudio gegründet, zahlreiche Models abgelichtet und führt nun ein eigenes Klamotten-Geschäft in Augsburg. Im Interview gewährt Chris Haimerl Einblicke in sein Leben.

„Mich ruft Rebecca Mir an?“ – Im Gespräch mit Fotograf Chris Haimerl

Ein Shooting mit Stefanie Giesinger? Kein Problem für Chris Haimerl. Es standen schon mehrere Supermodels vor seiner Linse und mittlerweile darf er Größen wie Vogue und die Marke Guhl zu seinen Klienten zählen. Wie es dazu kam.

Hallo Augsburg: Mit dem Reopening von Onimos in Augsburg gehört dir nicht mehr nur der Onlineshop, sondern auch der Laden vor Ort. Was ist passiert?

Chris: Die vorherige Inhaberin, Tina Niederhauser, hat sich aus beruflichen Gründen dazu entschieden, den Store in Augsburg an meinen Partner, Sebastian Barnsteiner, und mich abzugeben. Für uns war relativ schnell klar: das machen wir. Den Onlineshop von Onimos führen wir auch schon seit zwei Jahren und nun möchten wir ein „vor-Ort-Shopping-Erlebnis“ bieten.

Hallo Augsburg: Bist du selbst ein Fan von Vintage-Klamotten, Second-Hand und Upcycling?

Chris: Total! Ich trage selbst super viel Vintage und schnappe mir auch das ein oder andere Teil aus dem Onlineshop oder dem Store. Es gibt nichts Schöneres als ein Kleidungsstück zu tragen, welches original aus den 70er, 90er oder den 2000er Jahren stammt. Ich liebe einfach den Vibe! Mit Upcycling beschäftige ich mich erst seit kurzem. Bald wird es bei uns ein breitgefächertes Sortiment davon geben. Ich bin gespannt.

Hallo Augsburg: Du hast dir über die Jahre zudem ein Standbein als Fotograf aufgebaut. War der Weg dahin schwer?

„Der Weg dahin war sehr steinig.“

Chris: Meine Erfahrung ist, immer weiterzumachen. Der Weg dahin war sehr steinig, denn es gibt viel Konkurrenz und viele falsche Menschen, die dir Steine in den Weg legen möchten. Meines Erachtens, muss man für sich einen Weg finden, wie man sich von anderen abhebt. Für mich war es das Zeigen meiner eigenen Persönlichkeit. Durch Social Media ist mir dies gut gelungen, da ich mich gerne vor der Kamera zeige und viel aus meinem Leben filme. Man sollte viel Biss mitbringen und jede freie Minute arbeiten. So etwas wie freie Tage gibt es in der Anfangsphase nicht. Solange man weiß, für wen man es macht, ist es aber kein Arbeiten – du machst das nämlich ganz allein für dich! Das hat mir immer geholfen.

Hallo Augsburg: Was entfachte bei dir die Leidenschaft für die Fotografie?

Chris: Als Teenager hat es mir Spaß gemacht, mit der Kamera etwas aus Menschen zu „kreieren“. Beispielsweise Menschen von einer anderen Seite zu zeigen, sie selbstbewusst darzustellen. Das war immer mein Goal und ich wusste: irgendwann wird das mein Beruf. Das Muster hat sich bis jetzt durchgezogen. Ich liebe es einfach, das Beste aus einem Menschen herauszuholen und ihm das Selbstbewusstsein zu geben, welches er verdient.

Hallo Augsburg: Gab es einen Moment, in dem du realisiert hast, dass du hauptberuflich als Fotograf tätig sein willst? Wenn ja, wie sah der aus?

Chris: Tatsächlich gab es keinen bestimmten Moment. Ich habe einfach gespürt, dass das mein Weg ist. Ich habe mich in keinem Großraumbüro gesehen. Somit war für mich klar: Okay, dann werde ich eben mit meiner Leidenschaft Geld verdienen.

Hallo Augsburg: Zu deinen Klienten gehören unter anderem Vogue und die Marke Guhl. Wie kam es zu den Kooperationen?

„Es meldete sich jemand mit Rebecca Mir.“

Chris: Zu Guhl kam es in einem völlig unerwarteten Moment. Mich hat ein Make-Up-Artist auf Instagram angeschrieben, ob ich denn am nächsten Tag Zeit hätte, für den neuen Guhl-Shampoo-Werbespot zu shooten. Damals war ich noch in Festanstellung und hatte zufällig am nächsten Tag frei. Ich habe nicht gezögert und sofort zugesagt. Er meinte noch zu mir, dass mich gleich die Kontaktperson anrufen wird. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Als das Handy klingelte, saßen mein Freund, meine Cousine und ich am Esstisch. Es meldete sich jemand mit Rebecca Mir. Sie sagte: „Du begleitest mich morgen mit deiner Kamera!“ Ich war völlig baff und konnte es nicht fassen. Mich ruft Rebecca Mir an? Damit hätte ich niemals gerechnet.

Zu Vogue kam ich über ein Online-Portal namens „Photo Vogue Italia“. Dort können Fotograf:innen ihre Arbeiten einreichen, welche dann von den „Creative Directors“ der Vogue Italia geprüft und mit viel Glück veröffentlicht werden. Das ist mir jetzt schon öfter gelungen, wofür ich sehr dankbar bin.

Hallo Augsburg: Du hast bereits bekannte Models wie Stefanie Giesinger fotografiert. Bist du bei solchen Shootings aufgeregt?

Chris: Oh, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt ich vor dem Shooting mit Stefanie Giesinger war. Generell war ich früher vor großen Shootings mit bekannten Persönlichkeiten enorm aufgeregt. Mittlerweile hat sich das gelegt. Wenn man einmal in dem Kreis ist, weiß man schon, was auf einen zukommt und, dass es eigentlich relativ entspannt abläuft.

Hallo Augsburg: Wenn du die freie Wahl hättest: Wen hättest du gerne einmal vor der Linse?

Chris: Ich würde unfassbar gerne Bella Hadid fotografieren. Für mich ist sie ein Multitalent und ein Topmodel unserer Zeit.

Hallo Augsburg: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Chris: Gerne würde ich mehr in Richtung Workshops gehen. So würde ich beispielsweise Models beraten, wie sie am besten für Fotos posen. Quasi eine Mischung aus Persönlichkeits- und Modelcoaching. Ich denke, dieses Projekt werde ich nächstes Jahr angehen. Generell lasse ich alles auf mich zukommen. Denn es kommt meistens sowieso anders als geplant.

Hallo Augsburg: Was würdest du Leuten empfehlen, die sich ebenfalls ein Standbein als Fotograf aufbauen wollen?

„Gerade als Fotograf sollte man sich zeigen.“

Chris: Durchhaltevermögen und viele freie Projekte. Das ist das A und O. Gerade am Anfang ist es ziemlich schwer, seinen eigenen Stil zu finden. Ich habe dafür knapp sieben Jahre gebraucht. Was gefällt mir? Was gefällt mir nicht? Eine weitere Empfehlung von mir ist, sich selbst zu zeigen. Nicht verstecken! Gerade als Fotograf:in sollte man sich zeigen. Wenn man Menschen fotografiert und sie ein Gesicht zum Fotografen/zur Fotografin haben, fällt es ihnen leichter, zu vertrauen.

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