Interview: LOTTE über magische Momente, Mut und ihre Musik

Ein Leben als Musikerin: Sängerin LOTTE tourt aktuell mit ihrem neuen Album durch ganz Deutschland. Ihr 22. Stopp war in der Kantine in Augsburg. Dort haben wir sie für ein Interview getroffen.

Interview: LOTTE über magische Momente, Mut und ihre Musik

Die Sing- und Songwriterin LOTTE, 27 Jahre, wurde in Ravensburg geboren und lebt aktuell in Berlin. Direkt nach dem Abitur begann sie professionell Musik zu machen und legte eine wahre Bilderbuchkarriere hin. Heute schreibt sie Songs, gibt Konzerte und reist mit ihrer Musik durch die ganze Welt.

Hallo Augsburg: War dir schon immer klar, dass du Musikerin werden willst?

„Seit ich denken kann, ist Musik ein Teil meines Lebens.“

LOTTE: Ich habe schon früh angefangen selbst Songs zu schreiben. Das war für mich wie ein Tagebuch oder eine beste Freundin und gleichzeitig auch ein Ventil für all meine Gefühle. Aber um ehrlich zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass das beruflich wirklich klappen könnte. Stattdessen ging ich immer davon aus, ich würde später einmal Ärztin oder vielleicht Musiktherapeutin werden. Doch dann kam die Musik in mein Leben geknallt – und ich bin sehr froh, dass sie da ist.

Hallo Augsburg: Gibt es sowohl persönlich als auch musikalisch ein Idol, nach dem du dich richtest?

LOTTE: Ich habe schon meine Vorbilder. Gerade musikalisch werde ich inspiriert, wenn mal wieder ein krasses, neues Album rauskommt. Meistens ist das aber nichts Deutsches, sondern eher etwas aus dem englischsprachigen Bereich. Zuletzt fand ich beispielsweise die neuen Songs von Miley Cyrus echt toll. Zwar möchte ich persönlich so etwas in die Richtung gar nicht machen, aber irgendwie ist ihre Musik innovativ und klingt wie aus einer anderen Zeit.

Hallo Augsburg: Du bist aktuell auf Tour. Was genießt du daran am meisten?

LOTTE: Es ist schwer sich da festzulegen, denn jeder Tag ist auf eine andere Art und Weise schön. Ich glaube, am meisten freut es mich, wieder live zu spielen. Das war ja durch die Pandemie lange nicht möglich. Es ist magisch zu sehen, wie die Leute durch die Musik für einen Abend vom stressigen Alltag loslassen und einfach im Moment leben können.

Hallo Augsburg: Wo singst du besser? Allein zuhause oder mit Publikum auf der Bühne?

LOTTE: Ich denke, dass ich unter Druck und Aufregung am besten funktioniere. Um ehrlich zu sein freue ich mich jedes Mal, wenn mein Herz kurz stehen bleibt, denn das beweist, dass mir der Abend etwas bedeutet.

Hallo Augsburg: Schreibst du alle deine Songs selbst?

LOTTE: Ich schreibe überall mit und bin auch immer die Ideengeberin. Meine Songs sind ja autobiographisch, da muss und will ich natürlich ein Teil davon sein. Gleichzeitig komponiere ich aber auch unglaublich gerne mit anderen Künstler:innen zusammen, da wir uns so gegenseitig inspirieren können.

Hallo Augsburg: Wie lange brauchst du für einen Song und veröffentlichst du alle?

LOTTE: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal gibt es Schnellschüsse, die sind echt in vier Stunden draußen. Andere Songs lungern so rum und ich brauche vier oder fünf Wochen, bis ich fertig bin. Wieder andere werden nie fertig. (lacht) Veröffentlicht werden dann bei weitem nicht alle. Ich habe einen riesengroßen Speicher an Liedern, die entweder vom Vibe her nicht mehr so recht ins Album gepasst haben oder die ich mittlerweile einfach nicht mehr so richtig fühle.

Hallo Augsburg: Vor allem dein neues Album gibt tiefe Einblicke in dein Leben und lässt uns an deiner Reise zu dir selbst teilhaben. Gibt es eine Grenze, wie weit du deine Zuhörer:innen dabei mitnehmen würdest?

LOTTE: Gerade durch das letzte Album, in dem ich mich sehr geöffnet habe, lernte ich immer mehr, zu mir selbst zu stehen. Ich mag mich mittlerweile so wie nie zuvor, da ich jetzt weiß, wer ich bin und was mich ausmacht. Für mich persönlich gibt es deshalb eigentlich nur dann eine Grenze, wenn es um die Privatsphäre von anderen Menschen geht.

Hallo Augsburg: Wer ist der Protagonist in deinen Songs. Bist das immer nur du?

LOTTE: Nicht immer. Manche Songs, zum Beispiel “Neonlicht” oder “Mauern”, sind in der dritten Person geschrieben. Ob es sich dabei um mich handelt oder um jemand anderes, lasse ich dabei gerne offen. (lacht)

Hallo Augsburg: In deinen Songs thematisierst du auch sexuelle Gewalt. Wie geht es dir mittlerweile damit?

„Tiefer Blicken als in so eine verwundbare Seele kann man nicht.“

LOTTE: Gerade „So wie ich“ ist nach wie vor einer der wichtigsten Songs für mich und das liegt nicht nur daran, dass ich selbst sexualisierte Gewalt erleben musste. Es kostet viel Mut, so eine Tür aufzumachen, da das Thema in der Gesellschaft noch immer ein unangenehmes und schambehaftetes ist. Doch ich weiß, wie viele Menschen mit solchen Erlebnissen kämpfen und bis ins hohe Alter Probleme mit Intimität und Nähe haben, sich aber trotzdem nicht trauen, selbst Hilfe zu suchen. Umso stolzer bin ich, dass es diesen Song jetzt gibt und wir in dem Zusammenhang so viel Aufklärungsarbeit leisten konnten.

Hallo Augsburg: Ist schon etwas in Planung auf das wir uns in Zukunft freuen können?

LOTTE: Erstmals werden keine neuen Songs kommen, aber dafür ein sehr cooles Projekt mit einigen anderen Frauen, auch Künstlerinnen. Seid gespannt!

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