Rubach – umstrittener Strafverteidiger mit klaren Prinzipien

Rubach ist bekannt dafür, äußerst umstrittene Fälle zu verteidigen. Darunter potentielle Terroristen, Entführer und Sexualstraftäter. Beim einmal 9 zeigt er: seine Prinzipien sind eindeutig und notwendig für einen funktionierenden Rechtsstaat.

Rubach – umstrittener Strafverteidiger mit klaren Prinzipien

Teile der RAF, der Sexualstraftäter Förster und Islamist Haidar. Was haben sie alle gemeinsam? Betreut wurden sie von Strafverteidiger Walter Rubach. Der Augsburger Rechtsanwalt genießt hohes Ansehen und sieht sich durch seine prisanten Fälle dennoch häufig mit Kritik konfrontiert. Nichtsdestotrotz: wie er in unserem Interview beweist, folgt er klaren Prinzipien, die einen Rechtsstaat erst ermöglichen.

Der Fall des Haidar A. sorgte in letzter Zeit für großes Aufsehen. Der Islamist wollte angeblich während eines Prozesses mehrere Richter und einen Staatsanwalt ermorden. Sie haben in Ihrer Karriere viel erlebt. Bewegt Sie dieser Fall als Verteidiger des Angeklagten trotzdem in besonderem Maße?

„Dennoch gibt es nur eine Antwort, nämlich die des Rechtsstaats“

Nein, der Fall Haidar bewegte mich nicht sonderlich. Dass ein Angeklagter in seinem Hass auf die Justiz so weit gehen würde, den Versuch zu unternehmen, Vertreter dieser Institution zu töten, ist glücklicherweise sehr selten, aber auch nicht auszuschließen. Vor Jahren war es ein Deutscher, der in Dachau einen Staatsanwalt erschoß und drauf und dran war, weitere Justizangehörige zu erschießen. Beängstigend war und ist aber die Vorstellung, dass wir uns in Zukunft wohl mehr mit fanatisierten Glaubenskriegern werden beschäftigen müssen. Dennoch gibt es nur eine Antwort, nämlich die des Rechtsstaats. Das haben einige in diesem Land nicht kapiert. Das ist sehr erstaunlich und ärgerlich.

Sie verteidigten bereits Sexualstraftäter, wie Linus Förster, der unter anderem wegen des Besitzes von Kinderpornografie angeklagt wurde oder den potentiellen Entführer der kleinen Ursula Herrmann. Ist es für sie besonders schwer Personen zu verteidigen, die möglicherweise Kindern geschadet haben?

„Ich verteidige nicht die Taten, … sondern die Person“

Es gibt, glaube ich, niemanden, der Verständnis für Menschen aufbringt, die Kindern schaden, bzw. geschadet haben. Das gilt auch für mich. Dennoch verteidige ich Menschen, denen Straftaten zu Lasten von Kindern vorgeworfen werden. Das fällt mir auch nicht schwer. Denn ich verteidige nicht die Taten, d.h. die den Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen, sondern die Person, d.h. den Menschen, der hinter der Person steckt. Das gilt für den Fall Förster. Der Fall Ursula Hermann verdeutlicht das im Besonderen. Die Tat war und ist grausam. Die Frage ist aber auch jetzt noch offen, nämlich ob Werner Mazurek der Täter war. Sollte dieser wegen der Grausamkeit der Tat nicht ordentlich verteidigt werden? Doch erst recht!

In der Vergangenheit betreuten Sie bereits RAF-Mitglieder. War Ihnen das dahinterliegende Ausmaß und die Absichten dieser Vereinigung bewusst und wie blicken Sie selbst zurück auf die Ära der RAF?

„Man mußte nicht mit den Zielen der RAF sympathisieren, um auch die Angeklagten aus deren Reihen für verteidigungswürdig zu halten“

Die Absichten der RAF waren mir natürlich bewußt. Was das Ausmaß betraf, hielt und halte ich es mit Heinrich Böll: Der (sinnlose) Krieg der 6 gegen 60.000.000 und mit Rudi Dutschke. Er sprach von „RAF – Sch…“. Eine gesellschaftspolitische Sinnhaftigkeit der RAF diskutieren zu wollen, war schon in den 70igern nicht möglich, weil ihre politischen Aussagen nur von Versatzstücken und von einer bedenklichen Revolutionsromantik lebte. Man musste nicht mit den Zielen der RAF sympathisieren, um auch die Angeklagten aus deren Reihen für verteidigungswürdig zu halten.

Was war bislang Ihr schwerster Fall und warum?

Einer der schwersten Fälle war, neben einigen anstrengenden Wirtschaftsstrafprozessen, der Fall Ursula Herrmann. Der Fall war u.a. wegen der Scheußlichkeit des Verbrechens eine Belastung, aber auch wegen des subjektiven Gefühls, als Verteidiger einsam auf weiter Flur gegen den gesamten Justiz – und Polizeiapparat mit all seiner manpower und seinem technischen know how kämpfen zu müssen.

Haben Sie die Verteidigung eines Falls später bereut?

Ich habe es niemals bereut, einen Mandanten verteidigt zu haben.

Wie gehen Sie mit Kritik von außen um?

Kritik der Art „Wie kann man nur diese oder jene Person verteidigen. Der, oder die, gehören doch gleich weg“ ärgert mich. Einer Diskussion gehe ich aus dem Weg, weil derartige Aussagen keinen vernünftigen Hintergrund haben. Allerdings habe ich schon Fälle erlebt, in denen eben solche „Kritiker“ kleinlaut vor meinem Schreibtisch saßen und um Übernahme der Verteidigung baten.

Ist es wichtig persönliches Verständnis für die Klienten aufzubringen, um sie mit vollem Einsatz verteidigen zu können?

Natürlich ist es notwendig zu versuchen, Verständnis für den Mandanten aufzubringen. Davon ist aber nie abhängig, ob ich mit vollem Einsatz verteidige, oder nicht.

Was möchten Sie Kritikern gerne mitteilen?

Kritiker sollen sich klar darüber sein, dass es häufig nur eine Frage der Umstände ist, ob ein Mensch sich in einer strafbaren Handlung wiederfindet.

Sie gehören zu den renommiertesten Anwälten Deutschlands. Aus welcher Überzeugung heraus bestreiten Sie Ihre Arbeit?

Ich zitiere einen Berliner Kollegen: „Strafverteidigung bedeutet Widerstand. Wer Widerstand scheut, möge im Grundbuchamt arbeiten“.

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