Die Berliner Regisseurin Anna Weber schlägt gekonnt die Brücke zwischen freier Szene und großen Opernhäusern. Als Mitgründerin des Kollektivs tutti d*amore hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, das Musiktheater – und insbesondere die Operette – mit modernen Textfassungen in den urbanen Raum und zu einem jüngeren, diverseren Publikum zu bringen. Nach Stationen in Berlin, Wiesbaden, Bremen und Münster sowie Auszeichnungen wie dem Reinhold-Otto-Mayer-Preis gibt sie nun ihr Debüt beim Staatstheater Augsburg. Für die Freilichtbühne inszeniert sie mit „Monty Python’s Spamalot“ ihr erstes Musical.
Hallo Augsburg: Wie kam es dazu, dass du die Regie für die Freilichtbühne in Augsburg übernommen hast?
Anna Weber: Die Operndirektorin Sophie Walz hat eine meiner ersten Inszenierungen 2022 am Deutschen Nationaltheater in Weimar gesehen. Es scheint ihr gefallen zu haben, denn seitdem sind wir im Kontakt. Sie hat mich dann gefragt, ob ich das Sommermusical in Augsburg übernehmen möchte und mir Spamalot vorgeschlagen. Ich muss zugeben: Zuvor wusste ich gar nicht, dass es von Monty Python auch ein Musical gibt. Ich kannte nur die Filme.
Hallo Augsburg: Wie ist dann die Regiearbeit abgelaufen?
Anna Weber: Da das Stück noch nicht rechtefrei ist, mussten wir alle Änderungen immer direkt mit dem Verlag abstimmen. Ohne dessen Zustimmung wäre überhaupt nichts gegangen. Kürzen mussten wir aufgrund der zeitlichen Begrenzung bei einer Open-air Veranstaltung sowieso. Obwohl Spamalot für seine Zeit eigentlich schon sehr progressiv war, gab es trotzdem einige Aspekte, die ich gerne aktualisieren wollte.
Hallo Augsburg: Hast du da Beispiele?
Anna Weber: Klar. In der ursprünglichen Besetzung sind die Hauptfiguren nahezu ausschließlich Männer. Auf der Freilichtbühne ist das Ganze nun diverser gestaltet: Einige Ritterrollen werden von Frauen übernommen, auch eine lesbische Hochzeit ist Teil des Stücks.
Hallo Augsburg: Gibt es denn eine Botschaft, die du in deinen Inszenierungen vermitteln möchtest?
Anna Weber: Ich arbeite viel mit humorvollen Stücken. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Humor oft auf Kosten marginalisierter Gruppen geht. Das finde ich falsch. Für den eigentlichen Sinn von Humor oder Parodie greife ich gerne auf den Ursprungsvater der Operette zurück, nämlich Jacques Offenbach. Er wollte sich gegen die Eliten richten und eine allgemeine Herrschaftskritik üben.
Hallo Augsburg: Steckt das dann auch in deiner Monty-Python-Inszenierung mit drin?
Anna Weber: Neben der Neubesetzung durch Frauen und diverse Darsteller:innen, die ich ergänzt habe, steckt in dem Stück selbst schon viel davon drin. So werden zahlreiche gesellschaftlich und politisch relevante Themen aufgegriffen, die auch heute wieder aktuell sind. Beispielsweise werden die Kirche ebenso wie politische Herrschaftsformen parodiert.
Hallo Augsburg: Das Musical Spamalot sollte ursprünglich an der Freilichtbühne am Roten Tor stattfinden. Im Januar hieß es, dass diese aufgrund baulicher Mängel nicht bespielt werden könne. Was war deine erste Reaktion?
Anna Weber: Es war natürlich erstmal ein großer Schock. Wir hatten die Planung des Bühnenbilds bereits abgeschlossen, alles war bewilligt und die ersten Elemente befanden sich bereits im Bau. Erst dachten wir, dass das diesjährige Sommermusical komplett ins Wasser fällt.
Hallo Augsburg: Dann kam die gute Nachricht eines alternativen Spielorts am Gaswerk. Musste dafür viel an dem Stück verändert werden?
Anna Weber: In erster Linie mussten am Gaswerk selbst viele Umbauten vorgenommen werden. Die gesamte Bühne und Containerwelt wurden nur für das Musical aufgebaut, hinzu kam die komplette technische Infrastruktur mit Lautsprechern, Strom, Licht und vielem mehr. Das Stück selbst war zwar ursprünglich für die Kulisse an der Freilichtbühne konzipiert, trotzdem konnte vieles beibehalten werden. Nur beim Spiel mit Höhe und Tiefe mussten wir auf einige Elemente verzichten.
Hallo Augsburg: Würdest du sagen, dass das Stück dennoch durch den Umzug vielleicht sogar etwas gewonnen hat?
Anna Weber: Ich muss zugeben: Als ich das Gelände am Gaswerk zum ersten Mal gesehen habe, war ich echt skeptisch. Damals war alles flach und mit Kies bedeckt. Doch was dort aufgebaut wurde, ist wirklich beeindruckend! Natürlich ist es anders als die mittelalterlichen Burgmauern am Roten Tor – aber ich finde, es wirkt jetzt fast ein bisschen cooler und punkiger.
Hallo Augsburg: Wie war dein Gefühl bei der Premiere?
Anna Weber: Wir waren alle total aufgeregt, denn es ist immer eine Überraschung: Wie wirkt das Ganze jetzt, was man wochenlang geprobt und jahrelang konzipiert hat? Wie reagiert das Publikum? Spamalot ist natürlich auch ein Stück mit einem etwas speziellen Humor. Aber die Leute haben es wirklich super angenommen – am Ende gab es sogar Standing Ovations.
Hallo Augsburg: Was würdest du den Leuten sagen, was sie bei Spamalot erwartet?
Anna Weber: Wer Lust auf einen Sommerabend mit wirklich guter Unterhaltung hat, bei dem man viel lachen und mitreißende Musik erleben kann, der aber auch an der ein oder anderen Stelle zum Nachdenken anregt – immer mit einem Augenzwinkern natürlich –, für den ist Spamalot definitiv eine gute Wahl.