Was macht eigentlich eine Insektenrangerin?

Seit Kurzem gibt es in Augsburg eine Insektenrangerin. Ihr Name ist Tine Klink und wir haben sie gefragt, was eigentlich ihr Job ist.

Was macht eigentlich eine Insektenrangerin?

Insektenrangerin – eine Berufsbezeichnung, unter der sich wahrscheinlich die wenigsten etwas vorstellen können. Seit Mai 2021 bekleidet Tine Klink von der Umweltstation Augsburg die neu geschaffene Stelle. Sie hat uns erzählt, wie es dazu kam und was ihre Aufgabe als Insektenrangerin ist. Außerdem hat sie ein paar Tipps für einen insektenfreundlichen Balkon oder Garten für uns.

Was macht eine Insektenrangerin?

Die Insektenvielfalt soll wachsen: Beratung kann dabei viel bewirken.

Als Insektenrangerin führe ich das Projekt „Insekten.Vielfalt.Augsburg“ fort, das demnächst nach zwei Jahren ausläuft. Durch eine Spende der Stadtsparkasse Augsburg ist es uns möglich, dass ich für ein Jahr Privatpersonen beraten kann, wie sie ihre Grünflächen insektenfreundlicher gestalten können. Nach dem Volksbegehren (bekannt unter dem Motto „Rettet die Bienen“) Anfang 2019, hatten wir sehr viele Anfragen von Leuten, die genau nach einer solchen Beratung gesucht haben. Daneben wollen wir aber auch Unternehmen ansprechen, Siedlergemeinschaften, Einrichtungen oder Schulen, die eventuell größere Flächen zur Verfügung haben. Je größer die Fläche, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, etwas für die Insekten zu tun.

Wie genau kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Ich habe zum Beispiel eine Anfrage aus einer kleinen Wohnanlage in Hochzoll-Süd. Dort gibt es ein Tiefgaragendach mit einer Wiese, die alle zwei Wochen gemäht wird. Ein Teil der BewohnerInnen möchte, dass weniger häufig gemäht wird. Meine Aufgabe ist es, mir die Wiese dort anzusehen und zu gucken: Was wächst dort? Was könnte wachsen, wenn man nicht mähen würde? Wächst da nur Gras oder wachsen auch Wildkräuter? Vielleicht sogar Margeriten? Wäre es sinnvoll, die Grasnarbe abzutragen und etwas anderes anzusäen? Zusammen mit den BewohnerInnen werde ich besprechen, wie das Garagendach neu gestaltet werden könnte.

Welche Insekten müssen besonders geschützt werden?

Wo ständig gemäht wird, können keine Heuschrecken leben.

Ich bin ja absoluter Wildbienen-Fan und beschäftige mich schon seit ein paar Jahren mit diesen sehr spannenden Tieren. Aber natürlich sind auch die unscheinbaren Nachtfalter und Käfer im Fokus. Oder Heuschrecken. Wenn Leute mir erzählen, dass sie als Kind immer Heuschrecken zirpen gehört haben, und jetzt gar nicht mehr, frage ich sie: Wie oft mähen Sie Ihren Rasen? Und damit ist der Grund oftmals eigentlich schon genannt. Letztendlich ist der Schutz aller Insekten wichtig. Immerhin sind sie ein wichtiger Teil fast aller Nahrungsketten. Je mehr Insekten, desto mehr Vögel, desto mehr andere Tiere haben etwas davon. Und natürlich auch der Mensch, da Insekten den Großteil der Bestäubung unserer Nahrungspflanzen übernehmen.

Spüren Sie ein wachsendes Umweltbewusstsein?

„Ich wünsche mir, dass die Leute aufmerksamer und achtsamer durch die Natur gehen.“

Corona hat natürlich auch dazu beigetragen, dass die Leute anfangen, vor ihrer eigenen Haustür aktiv zu werden und sich Gedanken darüber machen, wie sie Balkon und Garten insektenfreundlich gestalten können. Es ist schön zu merken, dass nicht jeder seinen Garten in eine Schotterwüste, umgeben von Gabionen verwandeln möchte. Aber trotzdem bleibt noch viel Aufklärungsbedarf. Es ist nämlich nicht damit getan, im Gartencenter den Wagen mit vermeintlich bienenfreundlichen Pflanzen vollzuladen. Sinnvoller ist es, sich ganzheitlich mit dem Thema zu befassen.

Ja, nicht alles, was bunt blüht, ist für Bienen geeignet. Was ist mit Insektenhotels?

Aus pädagogischer Sicht sinnvoll, aus ökologischer Sicht weniger.

Mit Insektenhotels tut man in der Regel ein bis zwei Wildbienen-Arten etwas Gutes, die aber nicht gefährdet sind. Meistens bewohnen Mauerbienen die Insektenhotels. Die Folge ist, dass sich nicht gefährdete Wildbienenarten überproportional vermehren können und dadurch zur Nahrungskonkurrenz für gefährdete Wildbienenarten werden. Nur etwa 25 Prozent der Wildbienen brüten in Röhren, wie sie Insektenhäuser haben. Der Rest, der viel dringender unterstützt werden müsste, sind Bodenbrüter. Ihnen würde eine sandige oder kiesige Stelle im Garten helfen. Man muss also einiges an Wissen haben, um den ganzen Kreislauf zu verstehen. Aber es ist genau mein Job, diese Dinge zu erklären.

Was können wir auf unserem Balkon oder im Garten als ersten Schritt tun?

„Auch auf dem Balkon kann man viel für Insekten tun.“

Im Garten sollte man weniger mähen und Mäh-Roboter verbannen. Ansonsten ist ein einfacher Tipp für Balkon-GärtnerInnen: Mehr Kräuter anpflanzen und blühen lassen. Darüber hinaus sollte man auf Pestizide und Insektizide verzichten, heimische Pflanzen kaufen, torffreie Erde einsetzen und bei Blumen solche mit ungefüllten Blüten nehmen. Das sind Blüten, bei denen die Staubgefäße sichtbar und somit für die Bienen und andere Insekten zugänglich sind

Wenn ihr euch ein paar Ideen von der Expertin einholen wollt, wie ihr euren Garten oder auch euren Balkon insektenfreundlicher gestalten könnt, freut sich Tine Klink über eure Nachricht. Weitere Informationen findet ihr auf der Webseite der Umweltstation Augsburg.

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