Umgekehrte Inklusion – Mit der Dunkelbrille durchs Museum

Das Fugger und Welser Museum setzt schon seit 2016 mit Führungen für Sehbehinderte und Blinde auf Barrierefreiheit. Jetzt soll mit einem neuen Konzept dafür gesorgt werden, dass alle die Geschichte der Welser auf gleiche Art erleben können.

Umgekehrte Inklusion – Mit der Dunkelbrille durchs Museum

Über weiches Samt mit den Fingern streichen, störrisches Leder fühlen und erzählte Geschichtsfacts ganz anders aufnehmen – diese Erfahrung können ab sofort alle Besucher des Fugger und Welser Museums genießen. Die Betonung liegt auf alle, da die Führung durch die Ausstellung „Unter der Haube – Kleiderordnungen im 16. Jahrhundert“ so konzipiert ist, dass auch Sehbehinderte und Blinde an ihr teilnehmen können. Das Besondere daran ist, dass die sehenden Teilnehmer das gleiche Erlebnis durchlaufen.

Inklusion anders gedacht

Der Clou: Alle Besucher können weder die Exponate noch einander ansehen. Denn wer nicht sehbehindert ist, trägt eine Dunkelbrille. Auf diese Art ist gewährleistet, dass jeder die Führung auf die gleiche Weise erfährt. Damit will das Museum den Inklusionsgedanken auch umgekehrt deuten. Sehende erhalten dadurch die Gelegenheit, Geschichte auch mit den anderen Sinnen zu erkunden.

Kleider machen Leute

Es geht beispielsweise die Kellertreppe hinab in ein Bergwerk der Fugger-Zeit, wo die Führerin erklärt, woraus die Ausstattung der Bergarbeiter vor 500 Jahren bestand und wie der Alltag im Tagebau aussah. In Jakob Fuggers Goldener Schreibstube gibt es viel über die Kleiderordnung von 1530 zu erfahren. Kaufleute durften nämlich weder Samt, Damast oder Seide tragen, noch karmesinrote Stoffe oder silberne und goldene Haarhauben. Denn: Wer Reichtum überbordend zeigte, musste göttlichen Jähzorn fürchten.

Wer sich von diesem wirklich spannendem Konzept überzeugen lassen möchte, hat an den nächsten Terminen am 6. Dezember 2019 und 19. April 2020 wieder die Gelegenheit.

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