Wieso bist du schon geimpft? – Packt uns jetzt alle der Impfneid?

Wieso du und ich noch nicht? Die kürzlich beschlossenen Änderungen was den Status von Geimpften angeht löst eine spürbare Veränderung der zwischenmenschlichen Stimmung aus. Dabei ist Neid absolut unnötig.

Wieso bist du schon geimpft? – Packt uns jetzt alle der Impfneid?

Nach der Kabinettssitzung am Dienstag, den 27. April, hat Ministerpräsident Söder für Bayern nicht nur Lockerungen, sondern auch Erleichterungen für Geimpfte verkündet. Vollständig Geimpfte sind seit heute, Mittwoch, den 28. April, mit negativ getesteten Personen gleichgestellt. Das und die näher rückende Aufhebung der Impfpriorisierung führt derzeit zu einer eigenartigen Stimmung unter KollegInnen, FreundInnen und im Bekanntenkreis. Gemeint ist der subtile und dennoch deutlich spürbare Impfneid.

Geimpft heißt mehr Freiheit

„Wer zweimal geimpft ist, sollte auch mehr Freiheiten zurückbekommen“, heißt es im Bericht aus der Kabinettssitzung am Dienstag. Bedeutet, wer vollständig gegen Corona geimpft ist, kann ohne tagesaktuellem Testergebnis zum Friseur oder etwa in den Zoo gehen. Währenddessen gilt für alle anderen: Testtermin vereinbaren, testen lassen und dann zum Friseur. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung: „Das anfangs notwendige Korsett der verschiedenen Impfregelungen des Bundes, insbesondere die Impfpriorisierung, ist nicht mehr angebracht. Es muss gelockert werden, damit Impfungen in ganzen Betrieben und Behörden, in Familien und Abschlussklassen erfolgen können. Wer freier impft, impft effizienter.“

Heißt, wir sind bald nicht mehr alle nach der Reihe dran, sondern jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wer sich kümmert, hat womöglich bessere Chancen auf einen schnellen Impftermin. Und das hat Folgen.

Impfscham auf der einen Seite, Impfneid auf der anderen

Die plötzlichen Freiheiten und Erleichterungen, die nun für Geimpfte gelten, haben einen unverkennbaren Effekt auf unser soziales Miteinander. Während die einen mit Gewittermine fragen, wieso die Arbeitskollegin oder der gleichaltrige Freund schon einen Impftermin hat, trauen sich andere gar nicht zu erzählen, dass sie beim Impfen waren. Fragen wie „Bin ich unsolidarisch?“, „Habe ich womöglich jemand anderem den Impfstoff weggenommen, der ihn dringender braucht?“ oder „Werden die anderen mir vorwerfen, mich vorgedrängelt zu haben?“ gehen manchen Geimpften durch den Kopf. Währenddessen stellt sich auf der Seite der noch nicht Geimpften aber Impfwilligen das Gefühl ein, zu kurz zu kommen und benachteiligt zu sein. Das kann dazu führen, dass dem Geimpften seine Freiheiten nicht gegönnt werden – ein Gefühl, dass zwar grob nachvollziehbar, aber absolut fehl am Platz ist.

Jeder Geimpfte ist ein Gewinn für alle

Immerhin trägt jeder Geimpfte dazu bei, dass sich das Virus langsamer verbreitet. Laut Robert-Koch-Institut ist die Viruslast bei infizierten geimpften Personen gering und somit ist auch die Wahrscheinlichkeit andere anzustecken stark eingeschränkt. Wir profitieren also alle davon, dass sich Menschen impfen lassen. Und ganz besonders jeder einzelne von uns, wenn es Personen aus dem eigenen Umfeld sind. Sie können uns erstens nicht mehr so leicht anstecken und zweitens sorgen alle Geimpften dafür, dass Inzidenzwerte sinken und für alle mehr Freiheiten möglich sind. Neid ist auch deswegen völlig unnötig, weil die Chance selbst an einen Impftermin zu kommen, immer größer wird. Durch die Hausärzte konnten erheblich mehr Impfungen durchgeführt werden, sagte Markus Söder auf der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung am 27. April. Außerdem sind längerfristig Impfungen in Schulen, Betrieben und Behörden angedacht.

Also, freuen wir uns über jede Impfdosis, die verteilt wurde, denn sie schützt nicht nur den Menschen, der sie bekommen hat, sondern auch uns.

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