Steuern auf die Monatsblutung?

Ein Mensch mit Monatsblutung zu sein ist ganz schön teuer. Das soll sich in Zukunft ändern.

Steuern auf die Monatsblutung?

Als ich heute morgen aufstehe, koche ich mir erstmal einen leckeren Kaffee. Um meinen morgendlichen Genuss zu steigern, entscheide ich mich anschließend dafür, dass heute ein guter Tag ist, um meine Periode zu bekommen. Also schnell den Schalter umlegen, der das Blut fließen lässt und dann voller Freude den Tampon-Stöpsel einlegen.

Hach, was ist das für ein Lebensgefühl!

Die Periode ist kein Luxus. Der Einsatz von Tampons, Binden oder Menstruationshygieneartikeln ist eine Notwendigkeit, um während der Periode den gewünschten Hygienestandard zu wahren. Wer es nicht drauf hat und frevelhafterweise einen erkennbaren Blutfleck auf der Hose hat, der offensichtlich nicht von einem Unfall beim Zwiebel-Schneiden kommt, wird komisch angestarrt. In solchen Momenten tut die Menschheit gerne mal so, als wüsste sie nichts von der weiblichen Fruchtbarkeit und ihrer Funktionsweise.

Das hat sich in den vergangenen Jahren auch am Steuersatz der Hygieneartikel bemerkbar gemacht. In Deutschland gibt es einen verringerten Steuersatz von 7% (anstelle der 19% Mehrwertsteuer) auf Artikel des alltäglichen Bedarfs. Dazu zählen unter Anderem viele Arten von Lebensmitteln, Medikamente, Schnittblumen und auch Kaviar – bisher nur nicht jene Artikel, welche Frauen die weitgehend unvermeidbare Monatsblutung erleichtern. Dass der erhöhte Steuersatz bisher nicht angefochten wurde, kann als Symptom der hauptsächlich von Männern geführten Politik aufgefasst werden.

Vor einigen Jahren wurde die Diskussion um eine steuerliche Senkung entfacht und seitdem haben mehr als 180.000 Menschen die Petition unterzeichnet. Der Prozess wurde in Gang gebracht und mittlerweile steht der Entschluss fest, Hygieneartikel für Frauen und Menschen mit Monatsblutung in die Liste der Bedarfsgegenstände mit verringertem Steuersatz aufzunehmen. Der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz hat sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, diese neue Regelung bereits ab dem 1. Januar in Kraft zu setzen.

Es gibt weltweit viele Länder, die einen noch niedrigeren Steuersatz vorweisen können. Manche fordern sogar gar keine Steuern, wie es zum Beispiel in Irland oder Kanada der Fall ist. Hier in Deutschland kann die Steuer auf Hygieneartikel nicht ganz abgeschafft werden, da die EU einen Mindestverbrauchssteuersatz von 5% vorschreibt.

Nichts desto trotz können wir die Steuersenkung als Erfolg im Sinne der Gleichberechtigung betrachten. Für die Monatsblutung geben wir Frauen im Laufe unseres Lebens mehrere Tausend Euro aus – ob wir wollen oder nicht. Von Luxus kann da nicht zu sprechen sein.

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