Von Cafés zum Hotel: Familie Ugurlu eröffnet das Hotel Dede in Augsburg | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Durch ihre beiden Cafés hat sich die Familie Ugurlu in Augsburg bereits einen Namen gemacht. Nun starten die fünf Geschwister mit dem Hotel Dede ein neues Herzensprojekt.

Von Cafés zum Hotel: Familie Ugurlu eröffnet das Hotel Dede in Augsburg

Die Cafés Dede und Nene haben sich in Augsburg längst zu festen Anlaufstellen für Kaffeeliebhaber etabliert. Mitte Mai sorgte dann ein Video auf Instagram für Aufsehen: Darin fährt ein schwarzer Mercedes durch den Torbogen der Stadtmauer. Dann steigt ein Mann in schwarzem Mantel mit Koffer in der Hand aus und klopft im Dämmerlicht an eine hölzerne Tür. Es ist der große Startschuss für das neue Projekt der Familie Ugurlu: ein Hotel mitten in der Augsburger Altstadt.

Eine Erfolgsgeschichte mit familiären Wurzeln

Wenn wir von der Familie Ugurlu sprechen, meinen wir die fünf Geschwister, die vor vier Jahren mit dem Café Dede ihr erstes Gastronomiekonzept in Augsburg eröffnet haben, gefolgt vom Café Nene nur zwei Jahre später. Dabei begeistern sie die Augsburger nicht nur mit ihrer köstlichen türkisch geprägten Küche und der einzigartigen Wohlfühlatmosphäre, die sie in ihren beiden Cafés geschaffen haben. Auch ihre persönliche Geschichte bewegt – und spiegelt sich in all ihren Projekten wider.

Die beiden Cafés sind ihren Großeltern gewidmet, die in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kamen und damit den Grundstein für das heutige Leben der Familie legten. Diese familiäre Verbundenheit zeigt sich auch in den Namen der Cafés: „Dede“ bedeutet auf Deutsch Großvater, „Nene“ Großmutter. Auch im neuen Hotel Dede setzt sich diese Familiengeschichte fort – und zwar weit über den Namen hinaus.

Was fünf Geschwister verbindet

Die fünf Geschwister wuchsen oft auf engstem Raum auf. Ihre Mutter arbeitete in einer kleinen Schneiderei, in der die Kinder einen großen Teil ihrer Nachmittage verbrachten. Nach der Schule waren sie dort – umgeben von Stoffen, Fäden und dem leisen Summen der Nähmaschine. Sie sahen, wie aus einzelnen Stoffbahnen neue Kleidungsstücke entstanden – und nahmen diese Erfahrung des gemeinsamen Schaffens mit in ihre Zukunft. Heute sagen sie selbst: „Hier haben wir gelernt, was es heißt, zusammenzuhalten.“

Inzwischen geht jeder der Geschwister seinen eigenen Weg. Dennoch bleiben sie durch ihre gemeinsame Vision und ihre Projekte eng miteinander verbunden. „Dieses Hotel ist das, was entsteht, wenn fünf unterschiedliche Menschen an etwas glauben“, heißt es auf der Website. Und weiter: „Nicht perfekt, nicht glatt – aber ehrlich.“

Von der Idee zur Umsetzung

Doch wie kam die Familie auf die Idee eines Hotels? Furkan Ugurlu erzählt, dass sie in der Vergangenheit zahlreiche Gäste in ihren Cafés kennengelernt hätten, die eigens für einen Besuch nach Augsburg angereist seien. „Viele davon hatten selbst eine ähnliche Einwanderungsgeschichte und haben sich darin wiedererkannt“, erzählt er. Schon damals sprachen die Geschwister immer wieder über ein Hotel. „Aber zu einer Umsetzung kam es nie, da wir schon mit den Cafés immer viel zu tun hatten“, sagt Furkan.

Dann trat jedoch die Kirche St. Stephan an die Familie heran und fragte, ob sie das Gästehaus übernehmen wolle. „Am Anfang dachten wir erst: Auf gar keinen Fall“, erinnert sich Furkan. Doch durch zahlreiche Gespräche mit der Kirche verloren sie die Angst vor einem solchen Großprojekt und begannen stattdessen, eine Vision für das Hotel zu entwickeln.

Ein geschichtsträchtiger Ort

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass nicht nur die Familie ihre eigene Geschichte an diesen Ort bringt. Auch das Gebäude selbst hat eine lange Vergangenheit zu erzählen. Das Hotel befindet sich im Haus St. Benedikt am Rand der Augsburger Altstadt. Es gehört zur Benediktinerabtei St. Stephan und ist Teil eines historischen Ensembles, dessen Ursprünge bis ins Jahr 969 zurückreichen.

Auf der Website wird die Geschichte des Hauses skizziert: Gegründet wurde die Anlage einst von Bischof Ulrich als adeliges Damenstift. Über die Jahrhunderte hinweg erlebte sie zahlreiche Veränderungen – vom Ausbau über die Säkularisation bis hin zu ihrer heutigen Nutzung. Seit mehr als 30 Jahren wird das Haus als Gästehaus geführt; nun besteht die Tradition mit der Familie Ugurlu fort. „Für uns ist es mehr als ein Gebäude“, heißt es dort. „Es ist ein Stück gelebte Vergangenheit – und zugleich ein Ort, der Raum für Begegnungen schafft.“

Nostalgie trifft Moderne

Das Hotel verfügt über insgesamt 22 Zimmer, die „ganz im Sinne der Großeltern“ eingerichtet sind. Die Einrichtung ist bewusst nostalgisch und im Vintage-Stil gehalten, was sich im gesamten Konzept widerspiegelt. So habe man bewusst auf moderne Schlüsselkarten verzichtet und stattdessen schwere Schlüsselanhänger aus Messing gewählt, erzählt Furkan. Auch einen Selbst-Check-in wird es nicht geben. Stattdessen sollen die Gäste an einer Rezeption persönlich empfangen werden. „Übernachten wie bei den Großeltern, nur mit besserem WLAN“, fasst Furkan die Idee zusammen.

Kulinarisch möchte die Familie an den Erfolg ihrer Cafés anknüpfen. Zum Start ist zunächst ein Frühstücksangebot geplant, das perspektivisch erweitert werden soll. Für das kommende Kalenderjahr sei zudem ein Abendangebot vorgesehen.

Mit dem Hotel Dede schlägt die Familie Ugurlu damit ein neues Kapitel auf – eines, das ihre persönliche Geschichte mit der Geschichte eines traditionsreichen Ortes verbindet und zugleich einen neuen Treffpunkt für Gäste aus Augsburg und darüber hinaus schaffen möchte.