Rettende Codewords und Gesten: Die solltet ihr kennen

Kürzlich ging ein Fall durch die Medien, bei dem eine Frau mithilfe eines Handzeichens auf ihre Entführung hinweisen und so gerettet werden konnte. Damit ihr die Zeichen erkennen und sie im Ernstfall auch selbst anwenden könnt, hier eine Übersicht.

Rettende Codewords und Gesten: Die solltet ihr kennen

Nicht erst seit der Pandemie sind viele Frauen und auch einige Männer von häuslicher Gewalt betroffen. Doch auch in der Öffentlichkeit, kann es zu Situationen kommen, in denen wir Hilfe brauchen. Manchmal ist es den Betroffenen nicht möglich offen, um Hilfe zu bitten. Entweder weil es der oder die Peiniger/in nicht mitbekommen darf oder weil es keine Möglichkeit dazu gibt. In solchen Fällen können geheime Gesten oder Codeworte helfen. Allerdings müssen sie erkannt werden.

Der Fall in Kentucky, USA

Am 8. November berichtete der Spiegel von einem Fall in Kentucky, bei dem eine 16-jährige durch ihre Notgeste gerettet werden konnte. Die junge Frau befand sich in einem Auto, an dessen Steuer ein 61-jähriger Mann saß. Dem Fahrer des dahinterfahrenden PKWs fielen die Handzeichen der Jugendlichen auf, die er durch die Heckscheibe sehen konnte. Er erkannte sie als Notgeste und alarmierte die Polizei, die das Fahrzeug schließlich anhielt. Tatsächlich wurde die Jugendliche bereits von ihren Eltern als vermisst gemeldet.

Das Zeichen

Die Notgeste, welche die 16-jährige verwendet hatte, war ihr durch Social-Media, insbesondere durch Tik-Tok bekannt. Die kanadische Stiftung für Frauen (Canandian Women's Foundation) hat das Zeichen vor etwa einem Jahr ins Leben gerufen und verbreitet. Dafür zeigt man zunächst die flache Handfläche, knickt den Daumen ein und umschließt ihn langsam mit den vier Fingern.

Schritt 1:

Schritt 2:

Schritt 3:

Das Hilfesignal soll es von Gewalt Betroffenen möglich machen, deutlich und risikoarm, um Hilfe zu bitten. Eingeführt wurde es in Zeiten des Lockdowns, in der es für viele Betroffene schwierig war, Hilfe zu erreichen. Auch über den Video-Chat kann das Zeichen gut angewendet werden.

Was tun, wenn ich die Geste sehe?

Wenn ihr die Geste erkennt und sich die Person mutmaßlich in einer ernsten Lage befindet, solltet ihr handeln. Wenn ihr beispielsweise über einen Videochat kommuniziert, ist es wichtig Fragen zu stellen, die euer Gegenüber mit Ja oder Nein beantworten kann. Offenbar kann die/der Betroffene nicht offen reden. Fragt, ob ihr den Notruf rufen oder ob ihr jemanden verständigen sollt, der zurückruft. Fragt außerdem, ob ihr regelmäßig anrufen sollt. Bemüht euch in jedem Fall Kontakt zu halten, um bestmöglich helfen zu können.

Wenn ihr die Geste etwa in einem öffentlichen Raum oder auf der Straße beobachtet, holt euch Hilfe und setzt den Notruf ab.

Der Luisa-Code

Ein weiterer Code, über den ihr sofort Hilfe bekommt, ist der Luisa-Code. Er wurde 2016 vom Münsteraner-Frauen-Notruf gestartet und soll Mädchen und Frauen vor sexueller Belästigung schützen. Dazu fragen Betroffene andere anwesende Personen „Ist Luisa hier?“ Übrigens: Im englissprachigen Raum ist „Ask for Angela“ geläufig. Besonders in Bars oder Diskotheken sollte das Personal über diesen Code Bescheid wissen und dementsprechend Hilfe leisten.

Code „Maske 19“

Ebenfalls während der Pandemie entstanden ist der Code „Maske 19“. Dabei handelt es sich um eine Notrufhilfe. Wenn Betroffene in entsprechend gekennzeichneten Apotheken, Arztpraxen oder Krankenhäuser den Code nennen, werden sie zur Seite genommen und der Notruf gewählt. Initiiert hat den Code das Frauennetzwerk Zonta. Es soll Frauen helfen, die in ihrem eigenen Haus keinen Notruf wählen können.

Logo