Wann haben wir verlernt uns anzusprechen?

Wir sprechen kaum mehr miteinander, unser Handy ist unser bester Freund. Wir lieben es so sehr, dass wir es sogar aus Tasche ziehen, wenn wir mit unseren eigentlich besten Freunden zusammen sind.

Wann haben wir verlernt uns anzusprechen?

In einer Welt von Social Media wird es immer schwieriger, sich anzusprechen. Stellt euch mal vor, ihr lauft an eurer großen Liebe vorbei und seht sie nicht, weil ihr gerade auf euer Handy gestarrt habt. Doch Mark Zuckerberg hat es geschafft, dass die Kontaktaufnahme zu fremden Personen ein Kinderspiel wird.

Wir sind die Generation Y. Oder wie mein ehemaliger Lehrer sagen würde: Head-Down-Generation. Wir schauen lieber auf unser Display, als auf die Straße. Dieser Text soll jetzt aber keine Moralpredigt werden. Wie könnte ich auch? Ich bin selber jemand, der schon mal fast von einem LKW überfahren wurde, weil ich lieber mit jemandem über WhatsApp schreiben wollte, als mich an die Verkehrsregeln zu halten.

Das eigentliche Problem, worauf ich hinaus will ist, dass wir nicht mehr miteinander sprechen. Wir schreiben lieber. Ist unkomplizierter, leichter, geht schneller und meine Gefühle muss der andere auch nicht mitbekommen. Jeder von euch kennt sicherlich das Szenario, dass ihr in den Zug oder Straßenbahn steigt und ihr kaum jemanden vorfindet, der nicht Kopfhörer in den Ohren hat oder sein Handy in den Fingern hält und wie wild drauf herumtippt. Alles scheint interessanter, als das wirkliche Leben. Überall um einen herum sind Menschen, doch unsere Generation schafft es doch immer wieder, sich von der Außenwelt abzukapseln, um bloß kein Gespräch anfangen zu müssen. Doch wie soll man überhaupt ein Gespräch beginnen? Worüber soll man reden? Einfach so aus dem Nichts Small Talk anfangen – worüber? Da fangen schon die Probleme an. Wir wissen es oft nicht.

Sagen wir es so: Wir sind sehr bequem, wir machen es uns einfach. Genauso einfach ist Facebook: Eine Anfrage, eine Nachricht und man schreibt. Genauso bei Tinder: ein Like, ein Match und man schreibt. Wobei man auch hierzu sagen muss, dass Tinder vielmehr auf genau solche Kennenlernen abzielt und dafür entwickelt wurde. Alkohol kann man soweit mit Tinder vergleichen, da dort, genau wie in den Sozialen Medien die Hemmungen einfach nicht mehr vorhanden sind. Ein „Hey, wie geht’s Dir?“ ist einfacher geschrieben, als über die Lippen gebracht. Wenn ich meinen Großeltern erklären würde, wie eine Freundin von mir ihren Freund kennengelernt hat, nämlich über Tinder, dann würde meiner Oma wahrscheinlich gar nichts mehr dazu einfallen. Was für uns immer normaler und selbstverständlicher wird, sind für andere wiederum unvorstellbar.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass der Unterschied zwischen „ansprechen“ und „schnell anschreiben und chatten“ ist, dass ansprechen echt ist. Wir befinden uns im echten Leben. Wir sind im Hier und Jetzt. Und ich finde, manchmal über seinen Schatten springen und jemanden ansprechen, ist viel besser. So beginnen meistens die schönsten Geschichten.

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