Von Perlachturm bis Uniklinik: So steht es um Augsburgs Großprojekte | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Gerüste statt Postkartenmotiv: Viele Sehenswürdigkeiten werden derzeit saniert, modernisiert oder barrierefrei umgestaltet. Doch wie ist der Stand der Bauarbeiten – und wann sind die Projekte abgeschlossen?

Von Perlachturm bis Uniklinik: So steht es um Augsburgs Großprojekte

Es ist nicht nur Augsburg, das von zahlreichen Großbaustellen betroffen ist. Stuttgart 21, der Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie stehen beispielhaft für Großprojekte in Deutschland, die durch Verzögerungen und steigende Kosten immer wieder in die Kritik gerieten. Während sich manche Vorhaben zu regelrechten Dauerbaustellen entwickelten, deutet in Augsburg vieles auf ein baldiges Ende der Arbeiten hin – auch wenn nicht alle Projekte reibungslos verlaufen.

Perlachturm: Augsburgs Wahrzeichen kehrt zurück

Bereits seit 2017 ist der Perlachturm für die Öffentlichkeit geschlossen, eine Wiedereröffnung ist für das Jahr 2027 geplant. Den Ausschlag für die Schließung gaben statische Probleme an der Treppe sowie Schäden an der Fassade. Unter anderem war die Belastungsgrenze der noch aus der Nachkriegszeit stammenden Stahlbetontreppe überschritten; zudem lagen Konstruktionseisen frei, welche die Sicherheit der Besuchenden gefährdeten. Doch nicht nur die Treppe soll erneuert werden: Auch die Innenräume sowie die Fassade werden im Zuge der Sanierung umfassend instand gesetzt.

Spektakuläre Arbeiten am Turm

Während es nach der Schließung erst ruhig um den Perlachturm geworden war, sorgten zuletzt spektakuläre Szenen für Aufmerksamkeit. Vor knapp einem Jahr wurde die markante Turmzwiebel demontiert und mit einem Kran abgehoben. Anschließend diente die Kuppel mehrere Wochen lang als Informationspavillon vor dem Rathaus.

Im Frühjahr 2026 wurde die Stahlbetontreppe dann aus dem Turminneren entfernt. Weitere Rückbauarbeiten folgen nun schrittweise. Anschließend ist geplant, den Sockelbau zu sanieren und das neue Treppenhaus einzubauen.

Endspurt bis zur Wiedereröffnung

Ab Herbst soll das Projekt planmäßig in die Endphase gehen. Dabei werden noch die Schäden an der Fassade ausgebessert und große Teile neu verputzt. Über den Winter wird dann das Glockengeschoss wieder errichtet, außerdem soll das Natursteingeschoss oberhalb der Aussichtsplattform neu aufgebaut werden. Dafür kehren die Turmzwiebel, die Turmuhr und das Figurenspiel auf den Turm zurück. Zusätzlich zu den bestehenden Glocken sollen 19 kleinere Carillon-Glocken installiert werden. Danach folgen noch Innenausbauarbeiten wie die Möblierung und die Gestaltung der Innenräume.

Aussicht über Augsburg

Sobald die Umbauten abgeschlossen sind, soll der Perlachturm voraussichtlich ab Herbst 2027 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Über die neue Treppe gelangen Besucher dann durch das Turminnere bis hinauf zur Aussichtsplattform – einem hellen, hohen Raum mit umlaufender Balustrade. Von dort aus bietet sich ein beeindruckender Blick über Augsburg und die gesamte Region.

Staatstheater Augsburg: Die größte Kulturbaustelle der Stadt

Es war im Juni 2016, als das Staatstheater Augsburg schließen und die Vorführungen vom Stammhaus am Kennedyplatz ausgelagert werden mussten mussten. Der Grund: erhebliche Mängel beim Brandschutz. Rund drei Jahre später fiel der Startschuss für ein Bauprojekt, das die Augsburger noch viele Jahre beschäftigen sollte.

Neben der aufwendigen Generalsanierung des Großen Hauses wurde ein Konzept entwickelt, das zahlreiche weitere Neuerungen vorsieht. Im Mittelpunkt steht ein Neubau auf dem Areal, der eine Multifunktionsbühne, Probebühnen, Werkstätten und Verwaltungsräume beherbergen soll.

Herausforderungen und steigende Kosten

Wie bei vielen Großprojekten war auch die Sanierung des Staatstheaters in der Vergangenheit mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. So kam es unter anderem zu einem Rechtsstreit um Planung und Sanierung, in dessen Folge sich die Stadt vom ursprünglich beauftragten Architekturbüro trennte. Wie BR24 berichtet, haben sich die Kosten inzwischen mehr als verdoppelt. Ursprünglich war die Stadt von rund 186 Millionen Euro ausgegangen, mittlerweile liegen die prognostizierten Gesamtkosten bei etwa 420 Millionen Euro.

Fertigstellung rückt näher

Trotz aller Schwierigkeiten gehen die Bauarbeiten weiter. Nach dem Wechsel des Architekturbüros zeigte sich die Stadt optimistisch. Das Projekt sei stabilisiert, klar strukturiert und besser aufgestellt als zuvor, erklärte die damalige Oberbürgermeisterin Eva Weber im Herbst 2025.

Aktuell ist die bauliche Fertigstellung des Großen sowie Kleinen Hauses bis Ende 2029 vorgesehen. Das Betriebsgebäude folgt im Jahr 2030. Nach der Übergabe an das Staatstheater sollen die Gebäude dann für die Nutzung als Theater eingerichtet werden.

Theaterbetrieb auf Ersatzbühnen

Bis dahin muss das Staatstheater weiterhin auf Ausweichspielstätten setzen. Viele Aufführungen finden derzeit im Martini-Park sowie am Gaswerk in Oberhausen statt. Auch das ehemalige Kino Mephisto konnte als neue Spielstätte gewonnen werden. Dort sind Vorstellungen ab der Spielzeit 2026/27 geplant.

Dennoch bleibt die Situation für die Kulturszene in Augsburg herausfordernd. Im Februar 2026 musste auch die Freilichtbühne am Roten Tor wegen baulicher Mängel schließen. Eine Ersatzspielstätte wurde jedoch bereits gefunden: Die Konzerte und das Musical „Spamalot“ werden 2026 auf dem Gaswerk-Areal aufgeführt.

Hauptbahnhof: Herzstück der Mobilitätsdrehscheibe

Der Hauptbahnhof gehört zu den zentralen Projekten der „Mobilitätsdrehscheibe Augsburg“. Ziel war es insbesondere, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten. Außerdem sollten die Gleisanlagen erweitert und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr durch eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle verbessert werden.

Viele Meilensteine bereits erreicht

Trotz zahlreicher Herausforderungen, darunter Lieferengpässe während der Corona-Pandemie sowie technische und bauliche Schwierigkeiten, konnten bereits wichtige Etappen abgeschlossen werden. So wurden bei der Teileröffnung im Jahr 2023 unter anderem die Empfangshalle sowie die neue Verteilerebene im Untergeschoss für die Öffentlichkeit freigegeben.

Noch nicht am Ziel

Dennoch bleibt weiterhin einiges zu tun. Unterhalb der Bahnsteige laufen noch die Arbeiten der Stadtwerke am Straßenbahntunnel und an der unterirdischen Haltestelle. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 vorgesehen.

Oberhalb wird parallel von der Deutschen Bahn die Bahnsteigsanierung durchgeführt. Auch die Bahnhofsvorplätze sollen neugestaltet werden. Diese Arbeiten können jedoch erst beginnen, wenn die Bauarbeiten am Bahnhof selbst abgeschlossen sind.

Universitätsklinikum Augsburg: Neubau statt Sanierung

Das Universitätsklinikum Augsburg gehört zu den größten Krankenhäusern Deutschlands. Nach mehr als 40 Jahren Betrieb steht jedoch fest: Das bestehende Gebäude muss ersetzt werden.

Entscheidung für einen Neubau

Lange stand die Frage im Raum, ob eine Sanierung ausreichen würde oder ein kompletter Neubau notwendig sei. Im Frühjahr 2023 fiel schließlich die Entscheidung zugunsten eines Neubaus. Eine umfassende Sanierung wurde als nicht mehr wirtschaftlich und zukunftsfähig bewertet.

Wichtige Meilensteine bereits erreicht

Zeit spielt bei diesem Großprojekt eine entscheidende Rolle. Der Neubau soll möglichst schnell realisiert werden, um die medizinische Versorgung der Region langfristig zu sichern und gleichzeitig weitere hohe Instandhaltungskosten für das Bestandsgebäude zu vermeiden.

Bereits umgesetzt wurden wichtige Teilprojekte. Dazu zählen die Medizinische Fakultät in unmittelbarer Nähe zum Klinikum sowie das neue Intensivzentrum. Das bestehende Klinikgebäude soll nach Fertigstellung des Neubaus schrittweise zurückgebaut werden.

Rathaus Augsburg: Rückkehr des Goldenen Saals

Auch das Rathaus und damit der Goldene Saal sind seit 2024 geschlossen. Grund dafür sind notwendige Sanierungsmaßnahmen aufgrund von Asbestbelastungen sowie erforderliche Brandschutzmaßnahmen. Betroffen sind unter anderem mehrere Fürstenzimmer, Sitzungsräume und das Treppenhaus.

Wiedereröffnung in Sicht

Hier gibt es jedoch gute Nachrichten: Bereits im Sommer 2026 soll das Rathaus wieder für Besucher geöffnet werden. Bis dahin bietet die Stadt als Alternative einen digitalen 3D-Rundgang an, mit dem sich das Rathaus auch während der Bauarbeiten virtuell erkunden lässt.