Verkauf von Billigfleisch: Greenpeace protestiert vor Edeka in Augsburg

Greenpeace fordert die Abschaffung der Haltungsform eins. Edeka will nicht mitziehen, weswegen letzte Woche vor einer Augsburger Filiale protestiert wurde. Wir haben mit dem Aktivisten Robert Biller gesprochen.

Verkauf von Billigfleisch: Greenpeace protestiert vor Edeka in Augsburg

Vergangenen Samstag, den 29. Mai, protestierten Greenpeace-AktivistInnen vor der Augsburger Edeka-Filiale in der Stettenstraße. Grund dafür ist, dass der Supermarkt weiterhin Fleisch der Haltungsform eins verkaufen will. Drei Plakate mit Warnhinweisen wie auf Zigarettenpackungen sollen auf die Folgen der Billigfleisch-Produktion aufmerksam machen.

Andere Supermarktketten, wie Lidl und Rewe, haben bereits angekündigt, dass sie in Zukunft kein Fleisch der schlechtesten Haltungsform mehr anbieten werden. Robert Biller, ein Aktivist von Greenpeace in Augsburg, fordert: „Als größter Lebensmitteleinzelhändler muss Edeka aufhören, Billigfleisch auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt zu verramschen.“

Transparenz für KundInnen fehlt

Edeka werbe dreist mit seiner Liebe für Lebensmittel“, erklärt Biller. „Beim Schutz der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen ist es mit der Liebe aber schnell vorbei.“ Es entstehe ein falsches Bild. „Die Leute sehen freilaufende, glückliche Tiere“, sagt er. Die Realität: Bei den Haltungsformen eins und zwei haben die Tiere zu wenig Platz und keinen Freilauf. „Oftmals werden sie ohne Betäubung kastriert. Schweine fangen an, sich gegenseitig zu anzunagen, da sie leiden.“ Das könne nicht im Sinne der VerbraucherInnen sein.

Die Kennzeichnung der Haltungsform ist freiwillig und bleibt jedem Supermarkt selbst überlassen. Dennoch: Eine bundesweite Greenpeace-Recherche zeigt große Lücken. Das Verkaufspersonal kann unter anderem die Kundschaft zu Tierhaltung und Kennzeichnung oft nicht ausreichend informieren. „Die KundInnen können frei entscheiden, ihnen fehlt aber die Transparenz“, meint Biller. Dabei nehme die heutige Lebensmittel- und vor allem Fleischproduktion eine Schlüsselrolle beim Umwelt- und Klimaschutz ein.

Folgen der Billigfleisch-Produktion

„Derzeit bieten Supermärkte zu 90 Prozent die Haltungsformen eins und zwei an.“

Nutztierhaltung gilt als weltweit größter Naturzerstörer, vernichtet wichtige Ökosysteme wie Regenwälder und verursacht enorme Emissionen. In der Dritten Welt wird ein Teil des Futtermittels produziert. „Es werden Regenwälder für die Ackernutzung abgeforstet“, sagt Biller. Einer der Gründe, warum Greenpeace die Haltungsformen eins und zwei als Problem sieht. Robert Biller geht das nicht weit genug. Deswegen lebt er selbst seit einiger Zeit vegan. „Natürlich sollen nicht alle Menschen vegan leben oder auf Fleisch verzichten müssen“, erklärt Biller. „Dennoch sollte der Fleischkonsum erheblich reduziert werden.“

Ein weiterer Grund, der dafürspricht, den Fleischkonsum zu reduzieren: „Es entstehen sogenannte Wohlstandskrankheiten“, sagt Biller. Die Billigfleisch-Mentalität ziehe gesundheitliche Folgen nach sich. Viele werden darüber aber nicht aufgeklärt.

Was ist mit der Haltungsform vier?

Robert Biller: „Die Haltungsform vier kommt fast gar nicht vor. Dafür müsste die gesamte Landwirtschaft umstrukturiert werden. Außerdem müssten die Umweltschäden, die das jeweilige Produkt verursacht, im Preis miteinbegriffen sein.“

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