Grandhotel: Das außergewöhnlichste Hotelzimmer Augsburgs

Das Grandhotel Cosmopolis ist für seine besonders gestalteten Zimmer bekannt. Kürzlich bekam einer der Räume ein neues Gesicht.

Grandhotel: Das außergewöhnlichste Hotelzimmer Augsburgs

Einst ein Altenheim, heute eine Geflüchtetenunterkunft, ein Hotel, eine Veranstaltungsstätte und ein Ort der kulturellen Begegnung. Eines der vielen spannenden Details des einzigartigen Projekts des Grandhotels Cosmopolis ist, dass jedes einzelne Hotelzimmer individuell von KünstlerInnen gestaltet wurden. Kürzlich wurde das ehemalige Spiegelzimmer in ein neues Kunstwerk verwandelt.

Was wohl jedem als allererstes am neu gestalteten Hotelzimmer auffallen wird: der Schachbrett-Boden. Was erst auf den zweiten Blick auffällt ist, dass alles hier Fake ist. Die Badewanne hat keinen Wasseranschluss, stattdessen ist sie mit Tischtennisbällen gefüllt. Das vermeintliche Eisengestell des Betts ist aus Plastik, der Zitronenbaum auch. Sogar der Goldfisch im Fischglas – aus Plastik. Was soll das?

Das können uns nur die Künstlerinnen vom „herrmann Kollektiv“ erklären, die den Raum gestaltet haben. Das sind Laura Sattelmair, Ida Lutzenberger und Dalia Parisi Stix.

Der Raum stecke voller Aktivitäten und Möglichkeiten, die jedoch nicht nutzbar seien, erzählt Laura Sattelmair. „Alles ist Fake“, erklärt sie. In der Badewanne könne man nicht baden, der Fernseher sei nur eine Attrappe. Alles sei eine Metapher für die Isolation, die viele Menschen in der Pandemie erlebt haben und viele in eine Depression befördert hat. Der Raum stelle also ein Gefühl nach, das Menschen mit Depression erleben (können). Wobei die Krankheit individuell sehr unterschiedlich gefühlt werde. Teil des Konzepts sei auch der bekannte Song von Fools Garden „Lemon Tree“, der ebenso das Gefühl der Einsamkeit und Langeweile beschreibe.

„I'm sitting here in a boring room (...) Isolation is not good for me | Isolation, I don't want to | Sit on a lemon tree | I'm steppin' around in a desert of joy…” - Lemon Tree von Fool’s Garden

„Ich glaube mit dem Thema Isolation, Depression und Passivität können wir alle nach einem Jahr Pandemie relaten“, sagt Sattelmair. Mit dem Raum wollen die drei Künstlerinnen zeigen, dass der so oft verwendete Ratschlag „Mach doch das Beste draus“ oder der Spruch „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus“, nicht bei einer Depression helfen. „Da helfen keine Konsumgüter und auch kein Ablenken“, sagt sie.

Dass sich das Künstlerkollektiv mit dem Thema Depression beschäftigt hat, kommt nicht von ungefähr. Teilweise haben sie selbst Erfahrungen mit der Krankheit gemacht, teilweise gab es im FreundInnen- und Bekanntenkreis Kontakt damit. „Durch Corona haben viele Menschen mit Einsamkeit und Isolation zu kämpfen. Auch unter Leuten in unserer Generation.“

Gleichzeitig übt das Künstlerinnen-Kollektiv Kritik an unserem Konsum aus. „Wir sind alle mit einer Fülle an Dingen umgeben, die uns gar nicht erfüllen“, erklärt Sattelmair, „weil sie nicht echt sind, sondern nur ein Schein: Das Heilsversprechen des Kapitalismus ist Fake.“

Die Künstlerinnen glauben übrigens, dass man trotz des ernsten Themas, das der Raum behandelt, in ihrem „Boring Room“ viel Spaß haben kann. Man müsse das künstlerische Konzept dahinter nur ausblenden.

Wer einmal im „Boring Room“ übernachten will oder in einem der anderen Zimmer des Grandhotels Cosmopolis, kann über die Webseite des Hotels buchen.

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