Im Moment leben - Warum der Hype?

Habt ihr euch auch schon gefragt, warum das Thema Achtsamkeit zur Zeit in aller Munde ist? Das und warum kleine Freuden eigentlich die schöneren Erinnerungen sind erfahrt ihr im Artikel.

Im Moment leben - Warum der Hype?

Ist es nicht so, dass wir alle verschiedene gefestigte Vorstellungen von Dingen haben, die “schön” sind? Es gibt einige Dinge, Erlebnisse und Begriffe, die die meisten von uns mit dem Wort “schön” verknüpfen, wie zum Beispiel Urlaub, Entspannung, Freunde, Wochenende, gutes Essen, und vieles mehr. Dabei kommt es ganz auf die persönlichen Erfahrungen und Werte an, die uns darüber entscheiden lassen, ob wir einen Moment als angenehm betrachten oder nicht.

Gerade in der heutigen Zeit begegnen uns immer mehr Bücher, Filme und Artikel, die uns krampfhaft beibringen wollen, wie wichtig es ist “im Moment zu leben” und sich “mit dem Jetzt zu verbinden”. Dabei geht es natürlich darum, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren und diese bewusst wahrzunehmen. Doch warum ist das denn plötzlich zu so einem großen Thema geworden? War ich nicht auch schon glücklich, bevor ich vier Bücher und gefühlte hundert Artikel zum Thema Achtsamkeit und Glücklichsein gelesen habe?

Vermutlich schon, doch ganz so einfach ist das mit dem Erleben von schönen Momenten nicht, wenn wir diese in ihrer vollen Schönheit genießen möchten.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb die britische Schriftstellerin Virginia Woolf, dass die Schönheit eines Moments nur emotional begreifbar wird, wenn dieser bereits der Vergangenheit angehört.

“I can only note that the past is beautiful because one never realizes an emotion at the time. It expands later, and thus we don't have complete emotions about the present, only about the past.”

Das erklärt auch, warum es eventuell sinnvoll sein könnte, sich mit dem Thema Achtsamkeit auseinander zu setzen.

Kennt ihr dieses Gefühl? Man lebt in den Tag hinein und erst wenn man sich am Abend ins Bett begibt, realisiert man, wie schön oder gar perfekt er doch war. Das liegt daran, dass das Gehirn die neu gesammelten Informationen über die Geschehnisse zunächst ordnen und synaptisch konstruieren bzw. “ablegen” muss. Gerade in der Nacht finden diese Verarbeitungsprozesse vermehrt statt, da wir im Schlaf (im Idealfall) keinen Störfaktoren und Sinneseindrücken ausgesetzt sind, die den Körper von der Regeneration abhalten könnten.

Zurück zum eigentlichen Thema: Schöne Erlebnisse.

Wie schon erklärt gibt es einige Momente, auf die wir das ganze Jahr über warten, weil wir uns auf sie freuen. Natürlich macht allein die Vorfreude auf einen angenehmen Augenblick schon ziemlich glücklich. Plötzlich ist es dann so weit und wenn alles gut läuft genießen wir für geraume Zeit den Glücksmoment, bis er wieder verflogen ist. Danach folgt wieder das Warten auf den nächsten im Kalender vermerkten Augenblick. Eine schiere Reise von einem monumentalen Moment zum nächsten. Doch was liegt dazwischen? Der schnöde, eintönige Alltag? Wohl kaum!

Viel zu oft vergessen wir die kleinen Dinge, die uns den Alltag versüßen, die sich vielleicht hin und wieder vernachlässigt fühlen, weil wir ihnen keinen Platz im Kalender oder in der Fotogalerie widmen. Schade, denn es gibt so viele von diesen kleinen Glücklichmachern.

Hier sind einige meiner persönlichen Lieblingsmomente. Vielleicht findet ihr euch in ihnen wieder, vielleicht fehlen euch aber auch noch ein paar.

  • zum ersten Mal im Sommer im See/Meer baden

  • der Geruch nach Sonnencreme oder Grill, den ich mit dem Sommer-Gefühl verbinde

  • ein leckeres Essen

  • schaukeln

  • den Sternenhimmel betrachten

  • Grillen zirpen hören

  • eine schöne Duftkerze anzünden

  • gerade so einem Regenschauer entkommen oder einen Zug ganz knapp erwischen

  • Luftpolsterfolie zerdrücken

  • nach einem harten Tag eine Dusche oder ein Bad nehmen

  • wenn ein Hund oder eine Katze sich an dich kuschelt

  • auf der Straße ein Lächeln geschenkt bekommen

  • und viele mehr

Die Frage, ob es uns nun glücklicher macht einige wenige „große“ Glücksmomente zu haben, an denen man sich entlanghangelt oder ob es eventuell doch schöner ist, sich etwas mehr auf die alltäglichen kleinen Momente zu konzentrieren und diese gänzlich zu spüren, könnt ihr euch am besten selbst beantworten.

Den interessierten Lesern unter euch empfehle ich das Buch Das Happiness Projekt von Gretchen Rubin (2009).

Was sind eure persönlichen Lieblingsmomente des Alltags? Verratet es uns in den Kommentaren.

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