Wird Oberhausen zum neuen Szeneviertel in Augsburg?

Befindet sich das Augsburger Oberhausen im Strudel der Gentrifizierung? Was sagen Augsburger Experten dazu?

Wird Oberhausen zum neuen Szeneviertel in Augsburg?

Oberhausen – noch vor zwei Jahren eher mit einem fragwürdigen Ruf behaftet und jetzt ein Szeneviertel? Ein Blick in den Augsburger Norden verrät: unzählige Barbershops, orientalische Musik tönt aus einigen Geschäften und schicke Modeläden für das nächste Abendkleid schlängeln sich an der Hauptstraße. Vor allem eines fällt auf: Ungewöhnlich viele Menschen sind auf der Straße unterwegs oder sitzen mit Plastikstühlen auf dem Gehweg. Viele unterhalten sich angeregt. Szeneläden – auf den ersten Blick keine.

„Oberhausen wird es berühmten Stadtteilen wie Woodstock in London gleichtun und einen Statuswechsel durchleben“ – Dr. Markus Hilpert.

„Oberhausen wird sich vom Stadtviertel mit fragwürdigem Ruf zum Szeneviertel entwickeln“, so die These, die viele in Augsburg derzeit aufstellen. Vor allem das neue Gaswerk-Areal und die Künstlerateliers, die dort ihren Einzug feiern, seien Gründe dafür. „Der deutliche kreative und bauliche Aufwertungsprozess wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass Oberhausen es berühmten Stadtteilen wie Woodstock in London gleichtun wird und einen Statuswechsel durchlebt“, ist sich Experte Dr. Markus Hilpert der Uni Augsburg sicher. Ob diese Veränderung aber auch schon für Anwohner bemerkbar ist?

„Ich bin hierher gezogen, weil ich eine große und billige Wohnung gesucht habe“, meint Julia (21), Lehramtsstudentin. „Und das obwohl viele mir wärmstens davon abgeraten haben.“ Zu viele „Assis“ seien hier unterwegs, abends sei es schwierig alleine nach Hause zu gehen – und der Ruf des Oberhausener Bahnhofs sei auch stadtbekannt.

„Aber irgendwie fallen die Studenten in Oberhausen trotzdem eher wenig auf“ – Julia, Studentin.

Doch Julia zieht trotzdem nach Oberhausen und ist zufrieden. Sie fühlt sich immer sicher, schätzt die Stadtnähe und die vielen Einkaufsmöglichkeiten. Die Nähe zum Wertachufer ist ein weiteres Plus für Oberhausen. Doch ist Julia eine Ausnahme oder ziehen mehr Studenten in den Stadtteil? „In meinem Haus sind 8 Wohnungen, 6 davon sind Studenten-WGs. Aber irgendwie fallen die Studenten in Oberhausen trotzdem eher wenig auf“, meint die 21-Jährige.

„Ist aber auch gut so, ich mag Oberhausen so wie es ist“ – Paulina, Studentin.

Auch Paulina (21), Medienstudentin, wohnt schon seit 2 Jahren in Oberhausen und sieht ihren Wohnort in nächster Zeit noch nicht als „hippes Szene-Viertel“. Sie sagt dazu: „Ist aber auch gut so, ich mag Oberhausen so wie es ist.“ Was ihr aber doch mittlerweile als Veränderung auffällt: „Früher wurde ich oft schief angeschaut, nach dem Motto: Was? Da wohnst du?“ Mittlerweile werde das eher akzeptiert. Doch reicht das aus, um von Gentrifizierung und einem künftigen Szene-Viertel zu sprechen? Und was ist Gentrifizierung überhaupt?

Befindet sich Oberhausen in einem Gentrifizierungsprozess?

Gentrifizierung meint die Aufwertung innenstadtnaher Stadtteile nach einem bestimmten Muster. Wegen der günstigen Mieten in einem Stadtteil werden Studenten, Künstler und Gastronomen angezogen. Sie werten das Quartier oft auf. Die Studenten steigen irgendwann mit hohen Gehältern ins Berufsleben ein und steigern ihren Wohnflächenbedarf, indem sie Familien gründen, und sie entwickeln einen höheren Anspruch an ihre Wohnstätten. Gleichzeitig ziehen diese Viertel mit Künstlern und Gastronomen Szene-Lokale wie Clubs, Cafés und Restaurants an. Ein Stadtteil wird zum Szeneviertel.

Bei solchen Vierteln mit Studenten und einer ansässigen Szene werden Investoren aufmerksam. Sie sehen eine Chance zur Wertsteigerung, kaufen und restaurieren Immobilien. Dadurch steigen die Mietpreise und sozial Schwache wandern ab. Oft entstehen im Zuge dessen Luxusbauten, die wiederum finanzstarke Anwohner und Luxus-Läden anziehen. Die Aufwertung von Innenstadtquartieren geht somit auch immer mit einem sozialen Wandel einher von finanzschwachen zu finanzstarken Anwohnern.

Soweit die Theorie, doch wie sieht es in Oberhausen aus? Es gibt durchaus einige Entwicklungen, die für eine Gentrifizierung sprechen, allen voran das Gaskessel-Areal. Markus Hilpert von der Uni Augsburg ist überzeugt, dass die zahlreichen Events und Dimensionen, die das Gaswerk-Areal mittlerweile angenommen hat, sich früher oder später auf das Viertel auswirken werden.

Auch die vielen Studenten, Gastronomen und Künstler, die mehr und mehr nach Oberhausen ziehen, sind ein Indiz dafür, dass sich Oberhausen in der ersten Phase der Gentrifizierung befindet. Doch nicht jedes Quartier mit Studenten und Künstlern muss sich automatisch zu einem Szeneviertel entwickeln und Investoren anziehen. Denn noch befindet sich Oberhausen in einem Prozess mit einem offenen Ende. Wir sind gespannt, wo es hinführt.

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