Aufklärung statt Beschneidung - Genitalverstümmelung von Frauen

Es gibt kaum ein sensibleres Thema als die Genitalverstümmelung von Frauen. Das „Darübersprechen“ gehört zu einem der wichtigsten Faktoren im Kampf gegen die Verstümmelung von Frauen, deshalb wollen auch wir auf dieses Thema aufmerksam machen.

Aufklärung statt Beschneidung - Genitalverstümmelung von Frauen

Was viele nicht wissen

Oder was viele einfach auch verdrängen wollen. Die Beschneidung von Frauen ist nichts, was nur in den dörflichsten Gegenden Afrikas praktiziert wird, etwas, was man nur aus Schauergeschichten kennt und über das man nach dem deutschen Verbot nicht mehr viele Worte zu verlieren braucht. Nein, die Verstümmelung von Frauen ist auch nichts rein Religiöses, zu dem eine heilige Schrift aufruft. Beschneidung rührt von der allgemeinen Ungleichheit der Geschlechter. In rund 30 Ländern Afrikas, des mittleren Ostens oder Asiens gehört das Ritual der Genitalverstümmelung von jungen Frauen trotz regionaler Verbote nämlich einfach dazu. So gilt eine unbeschnittene Frau als „unrein“, ohne Kontrolle über ihre Triebe und höchstgefährdet fremdzugehen. Viele Männer möchten auch keine nicht „zugenähte“ Frau heiraten. Gesetze oder Strafen bringen da wenig, wenn junge Mädchen dem Tag ihrer Beschneidung, dem Tag an dem sie eine „echte Frau“ werden dürfen entgegenfiebern, wie wenn sie Geburtstag hätten. Unzählige Mädchen verbluten oder sterben an den oftmals sehr unprofessionell durchgeführten Verstümmelungen mit stumpfen Klingen oder Glasscherben.

Aufklärung bewirkt viel

Doch die Lösung, auf die angeblich sogar manche deutsche Frauenärzte verbotener Weise zurückgreifen, fachmännische Beschneidungen durchzuführen, kann auf keinen Fall ein Ausweg sein. Einer beschnittenen Frau, die zu einem deutschen Frauenarzt kommt, aber davon zu überzeugen, dass all ihre Werte und ihre Unterwürfigkeit gegenüber ihrem Mann so nicht haltbar sein dürfen, ist mindestens genauso schwer. Man steht zwischen zwei Stühlen, wobei man eindeutig dafür ist, dass diese grausamen Beschneidungen aufhören müssen. Doch was, wenn die Familie zur Beschneidung extra ins heimatliche Dorf fliegt und illegal dort ihr Kind verstümmeln lässt? Aufklärungsarbeit in ganz Deutschland, wo geschätzte 20-40.000 beschnittene und gefährdete Frauen leben, ist deshalb genauso wichtig, wie in den Ursprungsländern dieser Tradition. Dass tausende Mädchen aufgrund dieser grausamen Tradition sterben, tausende Frauen ihr Leben lang mit den Konsequenzen kämpfen müssen und die weibliche Sexualität derart unterdrückt wird, muss einfach aufhören. Diskussionen zum Thema gibt es unzählige und wir müssen auch sensibel mit den Traditionen ferner Kulturen umgehen, wenn es aber um gesundheitliche Gefährdung und Unterdrückung der Frau geht, sollten wir alle aufhorchen und uns einsetzen für diejenigen, die das selbst noch nicht tun können: Die teilweise erst 8 -Jährigen Mädchen, für die eine Lebensentscheidung getroffen wird, die sie nie wieder rückgängig machen können, sowohl körperlich als auch psychisch.

Mehr zum Thema Genitalverstümmelung von Frauen

Das Umwelt- und Gesundheitsreferat der Uni Augsburg und die Amnesty International Hochschulgruppe Augsburg veranstalten aus Aufklärungs- und Diskussionsgründen ein informierendes und auch erschreckendes Paket aus Infoständen, Film-Präsentation, Vorträgen von Betroffenen und Diskussionsrunden von und mit Experten. Denn, wer denkt, dass Genitalverstümmelung hier in Deutschland kein Problem darstellt und darüber stillschweigt, der gehört eines Besseren belehrt.

Daten:

25.10. ab 14 Uhr bis 26.10.18 23 Uhr : Ausstellung "Schutz durch Wissen - Stoppt weibliche Genitalverstümmelung"

25.10.18 19 Uhr Film „Wüstenblume“( HS 1)

26.10.18 14 Uhr Lesung von Texten Betroffener (Raum 2110 Gebäude D)

Facebook-Veranstaltung

26.10.18 19 Uhr Vorträge und Diskussion von und mit: Fadumo Korn (Dolmetscherin, Aktivistin und Autorin) und Dr. med. Eiman Tahir (Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe)

Facebook-Veranstaltung

Adresse: Universität Augsburg, Hörsaalzentrum

Logo