Im Gespräch mit einem Geldtransport-Fahrer

Heute stellen wir euch einen Mann vor, der in seinem Leben schon so manchen spannenden Job hatte. Einer davon ist seine Anstellung als Geldbearbeiter und Werttransporteur bei der Landeszentralbank zur Zeit der Wende.

Im Gespräch mit einem Geldtransport-Fahrer

Es ist schon immer spannend zu hören, was Menschen alles auf ihrer beruflichen Laufbahn erlebt haben, besonders, wenn es eine so vielseitige ist, wie die von Gerhard Kulzer. Der Donauwörther hat uns von seiner Zeit als Werttransporteur in der Landeszentralbank (LZB) München erzählt.

Wie kamen Sie zu Ihrem Job als Geldbearbeiter und Werttransporteur?

Nach der Schule habe ich zunächst eine Lehre im Arbeitsamt in der Verwaltung gemacht. Weil ich dann gerne etwas Technisches machen wollte, habe ich im Anschluss eine Lehre als Drucker gemacht. Nach wenigen Jahren zog es mich jedoch zurück in die Verwaltung des Arbeitsamts und so landete ich beim Landesarbeitsamt in München und danach bei der Landeszentralbank München. Zwischen 1988 und 1992, also zur Zeit der Wende habe ich dort gearbeitet.

Wie sah Ihre Arbeit damals aus?

Viel Zeit verbrachte ich mit der Geldbearbeitung. Es ging darum falsches, abgegriffenes oder beschädigtes Münz- und Papiergeld auszusortieren. Im Münzgeld findet man häufig ausländisches Geld oder andere Münzen, die Menschen zum Beispiel in Automaten geworfen oder in die Bank eingezahlt haben. Das hat man gesammelt und gestanzt, also unbrauchbar gemacht und dann nach Frankfurt geschickt. Dort hatten sie einen Verbrennungsofen, in den das Geld kam. Zusätzlich war ich im Werttransport tätig.

Übrigens ist damals eine Geschichte durch die Presse gegangen, von Leuten, die am Verbrennungsofen gearbeitet und es tatsächlich geschafft haben, das Geld wieder brauchbar zu machen. Aufgeflogen ist das Ganze dann, als diejenigen irgendwann mit dicken Autos vorfuhren und ihren Reichtum zur Schau stellten.

Wie lief der Werttransport ab?

Manchmal war sogar ein Hubschrauber mit im Einsatz.

Die Werttransporte der Landeszentralbank darf man sich nicht so vorstellen, wie die der kleinen Unternehmen, die mit ihren Transportern herumfahren. Wenn die LZB München Geld beispielsweise zur LZB Chemnitz bringen wollte, war das ein riesiger organisatorischer Aufwand. Unterwegs waren dann mehrere Fahrzeuge: Der Laster mit dem Geld, der um die 40 Tonnen wog, Polizeifahrzeuge, die vorneweg und dahinter fuhren, sowie Zivilfahrzeuge, die den Konvoi begleiteten. Wenn ein Fahrzeug den Laster beispielsweise häufig überholte oder irgendwie verdächtig erschien, wurde er von den Beamten herausgewunken und befragt. Sicherheit war immer oberste Priorität. Der Truck durfte zum Beispiel nie halten, er musste immer in Bewegung sein. Damit das funktionierte fuhren immer Begleiter voraus und sorgten dafür, dass es weiterging. Manchmal war sogar zusätzlich ein Hubschrauber im Einsatz, der das Ganze von oben überwachte.

Wie war das für ein Gefühl mit so viel Geld herumzufahren? Hatten Sie Angst vor einem Überfall?

Aufgrund der immensen Sicherheitsmaßnahmen war der Werttransport immer wie eine Spazierfahrt.

Nein, nie. Ein Überfall wäre auch völlig aussichtslos. Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem jemand einen Versuch gestartet hätte. Selbst wenn der Laster aufgrund einer Panne stehenbleiben müsste, würde sofort die ganze Straße gesperrt. Auch die Mitarbeiter hätten nie irgendeine Chance gehabt, das Geld zu stehlen. Vor einem Einsatz im Geldtransport wussten wir zum Beispiel nicht, in welchem Fahrzeug wir sitzen würden und mit wem. So wurde verhindert, dass man sich irgendwie absprechen konnte. Erst am Morgen, kurz vor Einsatzbeginn, wurde eingeteilt, wer welches Fahrzeug fahren sollte.

Welche Situation ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Gefährlich war es nie. Aber besonders war die Situation als wir nach dem Fall der Mauer in die neuen Bundesländer gefahren sind und dort die D-Mark geliefert haben. Alle haben sich damals total gefreut auf die Mark. Als wir damals mit unserem Konvoi über die Kreuzungen fahren wollten, war das oft gar nicht so einfach. Die Volkspolizisten (VoPos) der DDR hatten schwarz-weiß umwickelte Stöcke mit denen sich, falls nötig, den Trabbis auf die Motorhaube geklopft haben, damit die stehen blieben. Viel Aufregung, aber schließlich hat alles wunderbar funktioniert.

Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

Es war eine schöne Zeit und anfangs auch sehr abwechslungsreich. Nur war ich damals einfach ein Mensch, der alles ausprobieren wollte, was ihn interessiert hat. Aus dem gleichen Grund habe ich damals auch meinen sicheren Arbeitsplatz im Arbeitsamt aufgegeben. Während der Zeit bei der LZB, habe ich mich gefragt, wie es so ist Straßenbahnfahrer zu sein, also hieß es für mich Weiterziehen. Ich bin sehr froh, dass ich in all diesen Berufen tätig war und all die Einblicke in die Berufsfelder bekommen habe. Irgendwann habe aber auch ich mich nach ein wenig Beständigkeit gesehnt und schließlich lange Zeit bei der Berufsgenossenschaft gearbeitet.

Was raten Sie jemandem, der noch auf der Suche nach seinem Traumjob ist?

Meine Botschaft an alle jungen Leute ist: Macht, was euch interessiert und scheut euch nicht, euch noch einmal umzuorientieren. Wichtig ist aber, dass ihr den Biss habt, angefangene Dinge fertig zu bringen. Hört nicht auf, nur weil ihr feststellt der Beruf ist doch nicht exakt so, wie ihr ihn euch vorgestellt habt.

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