Zu Besuch bei einer Augsburger Geigenbauerin

Der Beruf des Geigenbauers ist noch heute ein männerdominierter Beruf und es gibt nur zwei Geigenbauschulen in Deutschland. Wir haben mit Geigenbaumeisterin Ute Niedt-Wagenbrenner über ihren besonderen Beruf gesprochen.

Zu Besuch bei einer Augsburger Geigenbauerin

Nachdem wir schon einen Goldschmied besucht haben und Einblicke in die Arbeit eines Brauers bekommen haben, geht es heute um einen weiteren handwerklichen Beruf: Um den des Geigenbauers. Wie arbeitet ein Geigenbauer und wie lange dauert es eigentlich bis so eine Geige fertig ist? Das erzählt uns Geigenbaumeisterin Ute Niedt-Wagenbrenner, die eine Geigenwerkstatt in der Augsburger Innenstadt hat.

Wie kam es dazu, dass Sie Geigenbaumeisterin geworden sind?

Da gab es ein Schlüsselerlebnis: Ich war damals 14 und habe die Geige meines Opas – der war auch Geigenbauer – gespielt und danach mit der Zarge (die Seitenwand der Geige) auf das Klavier gestellt. Und es kam wie es kommen musste: Die Geige fiel herunter und war kaputt. Wir haben sie reparieren lassen, aber danach klang sie nicht mehr wie vorher. Da dachte ich mir „Das muss doch besser gehen“ und mein Interesse für den Beruf des Geigenbauers war geweckt. Ich selbst habe meinen Geigenbauer-Opa zwar nie kennengelernt, aber durch dieses Erlebnis trete ich trotzdem in seine Fußstapfen.

Welche Eigenschaften brauche ich, um GeigenbauerIn zu werden?

Ein wenig handwerkliches Geschick und Geduld, denn es ist ein Beruf, bei dem es viel um Feinarbeit geht. Dass man ein Instrument spielt, ist natürlich von Vorteil – ganz egal ob Geige Bratsche oder Cello. Dadurch ist das Gehör schon geschult und man hat es vielleicht etwas leichter. Aber es ist kein Muss. Ich habe auch Kollegen, die selbst nicht spielen.

Wie lange dauert es, bis eine Geige fertig ist?

Wenn man eine Geige komplett von Hand baut, hat man ungefähr sechs bis acht Wochen Vollzeit zu tun. Und dann kommt nochmal einige Zeit für das Lackieren dazu. Die ist zeitaufwändig, denn nach einer Lackierung muss der Lack trocknen, danach wird Zwischengeschliffen und wieder lackiert und nochmal nachgeschliffen und poliert.

Was ist der erste und letzte Schritt, wenn Sie eine Geige bauen?

Es beginnt beim Geigenboden, der aus zwei Ahorn-Holzblöcken besteht, die zusammengefügt werden. Die beiden Blöcke sind wie zwei riesige Kuchenstücke aus dem Stamm geschnitten und wenn man sie auseinanderklappt und dann zusammenfügt, passen sie perfekt mit spiegelverkehrter Maserung zusammen. Mit Wölbungshobeln in verschiedenen Größen wird das Holz nach und nach ausgehöhlt und sorgt so später für Stabilität und zusammen mit der Decke der Geige für den Klang.

Ist der Boden fertig, werden die Zargen angebracht. Das sind die Seitenwände, die aus sehr dünnem Ahornholz bestehen. Damit sich das Holz schön biegt, wird es mit heißem Wasser elastisch gemacht und über einem heißen Eisen gebogen.

Ganz zum Schluss kommt die Lackierung. Dabei achte ich darauf, dass die hellen und dunklen Linien im Holz bestehen bleiben und weiterhin schön schillern, wenn man die Geige bewegt. Nach der Lackierung ist die Geige aber noch immer nicht spielfertig. Danach kommt noch der Steg und ganz zum Schluss werden die Saiten aufgezogen. Und dann wird es spannend zu testen, wie die Geige klingt.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?

Das schönste finde ich, ist die Zusammenarbeit mit den Musikern. Ich liebe es alte Instrumente wieder zum Leben zu erwecken und die Geigen der Musiker so einzustellen, wie sie es haben möchten. Deshalb restauriere und repariere ich Geigen mittlerweile nur noch und stelle keine neuen mehr her. Oft kommen Musiker vor wichtigen Prüfungen zu mir und wollen, dass ich ihr Instrument noch einmal durchchecke. Da ist meine Aufgabe dann vor allem, den Musikern ein gutes Gefühl zu geben und die Nervosität zu nehmen.

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