Spotlight on: Flüchtlingsarbeit in Zeiten von Corona

In einer Zeit, in der wir viel mehr mit unseren eigenen Sorgen beschäftigt sind, halten wir kurz inne und gucken mal kurz zur Seite: Spotlight on.

Spotlight on: Flüchtlingsarbeit in Zeiten von Corona

Vergangenen Sonntag, am 17. Januar, war Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Diakon Ralf Eger ist Flüchtlingsbeauftragter des Bistums Augsburg und hat uns erzählt, mit welchen besonderen Herausforderungen Geflüchtete durch Corona zu kämpfen haben. Schnell wird klar: Die Flüchtlingshilfe ist durch die Maßnahmen stark eingeschränkt.

Hausaufgaben auf dem Smartphone der Eltern

„Wie Geflüchtete die aktuelle Situation wahrnehmen, hängt stark mit der jeweiligen Wohn- und Lebenssituation zusammen“, erklärt Diakon Ralf Eger. Der Zugang zum Internet sei nicht in allen Unterkünften einfach. Das sei besonders für Kinder, die durch das Homeschooling auf Internet angewiesen sind und für Sprachlernende ein großes Hindernis. Zudem fehle es außerdem an Laptops, Druckern und anderen technischen Geräten, die das Lernen vor dem Bildschirm möglich machen. „Hausaufgaben auf dem Smartphone der Eltern können nicht zielführend gemacht werden“, meint Diakon Ralf Eger.

„Hier wird einer ganzen Generation der Zugang zu Bildung sehr erschwert.“ - Diakon Ralf Eger

Aufgrund dieser Umstände fallen Lernende, ob Kind oder Erwachsener, im Stoff weit zurück. „Dies hat natürlich Einfluss auf die Integration und auf die späteren Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, sofern dann ein entsprechender Aufenthaltstitel gewährt wird“, sagt Diakon Ralf Eger über die schwierige Lage der Geflüchteten.

Zudem leide die Flüchtlingsarbeit stark darunter, dass keine Präsenz-Gespräche mehr stattfinden. Beratung und Therapie sei über das Telefon ungleich schwieriger, so Diakon Ralf Eger. Eine Beratung über Videochat scheitere oft an dem schon genannten Mangel an technischen Möglichkeiten.

Die Flüchtlingshilfe stünde tagtäglich vor der Herausforderung Menschen zu erreichen und zu unterstützen, ohne in Unterkünfte gehen zu können. Gleichermaßen wird versucht weiter an der Integration der Kinder zu arbeiten, die nicht mehr zur Schule gehen und auch nicht am Online-Unterricht teilnehmen. Das Wegbrechen des sozialen Miteinanders und Unterstützungsangeboten bedeute für die Menschen eine immense Einschränkung und Belastung, so Diakon Ralf Eger. Für den Flüchtlingsbeauftragten ist klar: „Das bisher Erreichte wird in Gefahr gebracht.“

Wie kann ich helfen?

Natürlich ist die Flüchtlingshilfe nicht der einzige Bereich, der durch den Kampf gegen Corona überlagert, wenn nicht vergessen wird. Anderen Problemfeldern ergeht es ebenso. Sei es Obdachlosigkeit, Suchtproblematiken, psychische Erkrankungen oder Armut. Ein erster Schritt zu helfen, ist, offen gegenüber den Thematiken zu bleiben. In Bezug auf die Flüchtlingshilfe rät Diakon Ralf Eger dazu, bei lokalen Flüchtlingsinitiativen oder bei den großen Trägern der Asylarbeit nachzufragen, wie geholfen werden kann. Hilfe in Form von Spenden können ebenso viel bewirken. Zu guter Letzt möchte Diakon Ralf Eger uns die Situation der Menschen in den großen Lagern auf dem Balkan oder in Griechenland ins Gedächtnis rufen. Das Schicksal der Menschen, insbesondere der Kinder dort, ginge im Kampf gegen Corona völlig unter.

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