Gaswerk Augsburg – vom Energielieferanten zur Szene-Location?

Wohl kein Areal steht in Augsburg aktuell so stark im Rampenlicht wie das Gaswerk in Oberhausen. Kein Wunder, denn dort tut sich gerade so einiges!

Gaswerk Augsburg – vom Energielieferanten zur Szene-Location?

Augsburg ist in Bewegung! Das Klinikum ist seit Januar 2019 Uniklinik, in Haunstetten soll ein neues Stadtquartier entstehen und wir entwickeln uns immer mehr zum Geheimtipp für Startups. Doch besonders die Augsburger Kunst- und Kulturszene verändert sich. Denn ein weiteres Areal, das in den letzten Jahren schon fast in Vergessenheit geraten ist, rückt wieder ins Rampenlicht und ist so angesagt wie nie: Das Gaswerk-Areal in Oberhausen. Spätestens seit dem Modular Festival, das 2019 zum ersten Mal auf der neuen Location veranstaltet worden ist, ist das Gaswerk wieder in aller Munde. Wir haben uns das Areal mal genauer angeschaut und bei der swa nachgefragt, was für die Zukunft geplant wird.

Das Gaswerk vor 100 Jahren

„Das denkmalgeschützte Bauensemble ist in seiner Art in Europa einzigartig“ – Thomas Hosemann.

Seit 1915 steht der Gaskessel bereits in Augsburg und ist mit seiner Höhe von rund 84 Metern ein Wahrzeichen der Stadt. Wie der Name schon vermuten lässt, wurde dort Steinkohle verbrannt, um Gas als Energielieferant herzustellen. Noch bis zur Jahrtausendwende war das Areal aktiv und der gesamte Gasbedarf Augsburgs wurde dort gelagert. So viel übrigens, dass damit die gesamte Stadt bis zu 48 Stunden mit Gas versorgt werden konnte. „Das denkmalgeschützte Bauensemble ist in seiner Art in Europa einzigartig“, so Thomas Hosemann, Stadtwerke Augsburg.

„Die während des Zweiten Weltkriegs unversehrt gebliebenen Gebäude, machen das Gaswerk zu einem Areal mit einer ganz besonderen Architektur und Aura“ – Stadtwerke Augsburg.

Heute hat das Gaswerk seine ursprüngliche Funktion verloren und der Gasbedarf der Stadt wird über Pipelines und Rohrleitungen abgedeckt. Viele Gebäude des 70.000 m² großen Areals stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Es dauerte auch nicht lange, da wurden die Stadtwerke auf das Potential des Geländes aufmerksam. „Die während des Zweiten Weltkriegs unversehrt gebliebenen Gebäude, machen das Gaswerk zu einem Areal mit einer ganz besonderen Architektur und Aura“, heißt es. Seit 2016 setzen sie dort in Eigenregie ihre Pläne für ein neues Kultur- und Kreativzentrum im Augsburger Norden um und machen das Gaswerk zu einem Leuchtturmprojekt für die Stadt Augsburg. Besonders in der Nähe zum Uni-Klinikum sehen sie eine tolle Chance, den Augsburger Nord-Westen gemeinsam als überregional attraktiven Zukunftsstandort zu positionieren.

Entwickelt sich das Gaswerk zur Szene-Location?

„Wir sind uns bewusst, dass gerade im Bereich der Kulturszenerie und Kreativwirtschaft in Augsburg und Umgebung großes Potenzial vorhanden ist“ – Thomas Hosemann.

Dem Areal wird langsam aber sicher wieder neues Leben eingehaucht. Den Start macht das Staatstheater. Im historischen Ofenhaus zieht die Brechtbühne ein und wird dort auch mindestens für die nächsten 7 Jahre bleiben. Nun sind die restlichen Gebäude dran. Geplant ist ein Quartier, in dem sich regionale Kreative, Künstler, Startups und Musiker ansiedeln können, die vorher teilweise im Kulturpark West waren. „Wir sind uns bewusst, dass gerade im Bereich der Kulturszenerie und Kreativwirtschaft in Augsburg und Umgebung großes Potenzial vorhanden ist“, so Hosemann. „Möglichst viele dieser Akteurinnen und Akteure an einem Ort zu bündeln und zu vernetzen ist eines unserer Leitziele bei der Entwicklung des Gaswerkareals.“ Mehr als 30 Millionen Euro haben die Stadtwerke bereits in die Sanierung und Renovierung der Gebäude investiert. Einige frühere Werkstätten wurden abgerissen und neu aufgebaut, beispielsweise der fünfgeschossige Neubau neben dem Ofenhaus.

Auch in der Zukunft des Gaswerk-Areals ist noch Großes in Planung! Bisher werden die meisten Immobilien vom Kulturreferat der Stadt gemietet, mit dessen Unterstützung beispielsweise noch bis zum Sommer Proberäume für ca. 60 Bands aus Augsburg im Reinigergebäude entstehen sollen. Die swa sehen die Entwicklung des Gaswerkareals als Baustein einer Gesamtstrategie, junge Talente nach Augsburg zu locken beziehungsweise diese dort zu halten. Auch für drei weitere Gebäude gibt es bereits konkrete Ideen: Neben dem Parkhaus im Westen des Areals soll auf 4.000 m² ein Neubau entstehen. Auch in den beiden denkmalgeschützten Teleskopgasbehältern im Osten sind zwei Gebäude geplant. Da diese in die runden Stahlgerüste eingepasst werden müssen, sind sie eine echte Herausforderung für Architekten. Was genau aus dem Turm werden soll, ist bisher noch offen. „Wir wollen uns bei der Detailplanung der entsprechenden Gebäudeeinheiten an den Bedürfnissen der potenziellen Mieterinnen und Mietern orientieren“, so Hosemann.

Startup-Flächen für wachsende und etablierte Firmen

Die Kulturnutzung ist aber nur eine der beiden Säulen bei der Geländeentwicklung. In den kommenden Jahren sollen in weiteren Ausbaustufen auch Gewerbeeinheiten für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen werden. „Es ist uns ein Anliegen, dass Unternehmen auf dem Gelände wachsen können, sodass es neben Startup-Flächen auch Räumlichkeiten für wachsende und etablierte Firmen geben wird“, so Hosemann. Entstehen soll also eine Community, in der Gründer von erfahrenen Geschäftsleuten lernen und profitieren können und umgekehrt.

Doch auch wenn die Stadtwerke ein Budget von rund 130 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt haben, reicht es nicht aus, um alle Projekte auf dem Gelände auch wirklich umzusetzen und zu verwirklichen. Aus diesem Grund werden aktuell noch Sponsoren gesucht, die bei der Umsetzung der geplanten Gebäude für die Startup-Szene helfen. Im Endausbau sollen auf dem Areal zwischen 55.000 m² und 60.000 m² vermietbare Fläche zur Verfügung stehen. Thomas Hosemann konkludiert: „Wir wünschen uns, dass sich der lange Atem auszahlen wird und die Kombination von Wirtschaft und Kultur, von Freizeitangeboten und beruflichen Entfaltungsräumen sowie von zukunftsgerichtetem Handeln und historischer Kulisse das Gaswerk zu einem ganz besonderen und inspirierenden Erlebnis machen wird“.

Wir sind gespannt, was noch so alles kommen wird und freuen uns ganz besonders auf weitere Festivals und Konzerte in den nächsten Jahren!

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