Gaswerk Areal – was bedeutet es für die Augsburger Kunst- & Kulturszene?

Der Kulturpark West war für lange Zeit einer der wichtigsten Standorte für lokale Künstler, vor allem im Musikbereich. Das Gaswerk, welches als neue Alternative ausgebaut wird, hat einige Kritiker. Doch es gibt auch positive Stimmen.

Gaswerk Areal – was bedeutet es für die Augsburger Kunst- & Kulturszene?

Jeder fängt mal klein an. Für den Großteil der Augsburger Bands haben sich diese kleinen Anfänge in den Proberäumen des Kulturpark Wests abgespielt, die für einige zum zweiten Zuhause geworden sind. Dementsprechend groß ist der Aufschrei, als der Abriss für das komplette Reese-Areal verkündet wird. Die neue Alternative: eine Umsiedlung auf das neu entstehende Gaswerk Areal. Doch was bedeutet die neue Entwicklung für die Augsburger Kunst- und Kulturszene?

Gaswerk Areal – ein Ort mit unterschätztem Potential

„Einen Ort von dieser Größenordnung findet man kein zweites Mal in Deutschland“ – Stefan Krause.

Stefan Krause, den die Augsburger vor allem als Sänger der Folkband John Garner kennen, ist anfangs ein Gegner das Gaswerks. Er blickt auf zehn Jahre voller Erinnerungen im Kulturpark West zurück. „Als es hieß, der Kulturpark muss platt gemacht werden, da wehrt man sich natürlich erstmal dagegen. Wenn man dann aber sieht, was dafür wieder an anderer Stelle entsteht, dann muss man schon ganz deutlich sagen, dass das Gaswerk ein wirklich großartiges Projekt ist“, sagt Stefan. Dort, wo früher reine Industrie herrschte, soll nun auf einer Fläche von 70.000m² ein exklusiver Standort für die Kreativ-Branche, Start-ups und Kultur entstehen, mit Bühnen, Theater, Gastronomie, Proberäumen und Ateliers. „Einen Ort von dieser Größenordnung findet man kein zweites Mal in Deutschland, wenn überhaupt dann vielleicht erst wieder in Berlin“, so Stefan.

Hier wächst die Szene zusammen

Mittlerweile ist Stefan ein deutlicher Fürsprecher des ambitionierten Projekts und fühlt sich als einer der ersten dort ansässigen Künstler schon als Teil von etwas ganz Besonderem. Er sagt: „Es ist zwar noch eine ziemliche Baustelle, aber man kann Tag für Tag erkennen, wie mehr entsteht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Areal in ein bis zwei Jahren der Lieblingsort von vielen sein wird“. Stefans neues Aufnahmestudio ist ebenfalls im neuen Gaswerk Areal angesiedelt, in dem er unter anderem mit der Nachwuchskünstlerin Lienne an ihrer Musik feilt. Das Potential für eine ganz neue Vernetzung der Musikszene zeige sich schon jetzt. „Man merkt bei den Ersten die schon dort sind, dass sie sich ganz anders benehmen wie noch im Kulturpark. Ich würde nicht sagen privilegierter, sondern es herrscht eher ein größerer Zusammenhalt, weil man nicht mehr so zerstreut ist.“

Viel Nostalgie & hohe Erwartungen

„Es ist alles einfach ein Level höher“ – Stefan Krause.

Nicht alles beim Kulturpark sei auch so schön gewesen, wie es von einigen gerne romantisiert wird. So habe man den Proberäumen, die vielen Jahre deutlich ansehen können. „Am Anfang hatte ich schon ein weinendes Auge, was den Kulturpark betrifft, aber man muss auch ehrlich sagen, dass er gegen Ende schon sehr heruntergekommen war“, so Stefan. Beim Gaswerk sei das nicht so. Da schaue schon jeder drauf. „Es ist alles einfach ein Level höher“, konkludiert Stefan.

Die Zukunft wird zeigen, ob das Gaswerk den hohen Erwartungen gerecht werden oder sie vielleicht sogar noch übertreffen kann. Fakt ist: Den Kulturpark West wird es nicht mehr geben und die Künstlerszene muss nun einen neuen Ort finden, um sich entfalten zu können. Oder wie es Stefan Krause treffend formuliert: „Das Kulturherz der Stadt bekommt einen neuen Fleck“. Warum also nicht beim Gaswerk in Oberhausen?

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