„Wir verdienen erst in drei Jahren wieder“: Leo, Inhaber vom Peaches

Zwei Jahre Pandemie haben in der Augsburger Gastronomie tiefe Spuren hinterlassen. Oliver Ganteför vom Ratskeller Augsburg, Christian Ress von Bobs Gastro, Alexander Vogt vom Aposto und Leo Dietz vom Peaches haben klare Forderungen.

„Wir verdienen erst in drei Jahren wieder“: Leo, Inhaber vom Peaches

Am Dienstag, den 15. Februar, kamen nicht nur in Berlin namhafte VertreterInnen der Gastronomie zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zusammen. Auch in vielen weiteren Städten fanden parallel Veranstaltungen statt - auch in Augsburg.

Gastro ist unverschuldet in große Not geraten

Öffnen um jeden Preis?

Zwei Jahre herrschte in der Bar „Peaches“ von Inhaber Leo Dietz nahezu durchgehend Stillstand. „Wir haben uns, zusammen mit anderen BetreiberInnen im Stadtbereich damals dazu entschlossen schon das Wochenende vor dem Lockdown komplett zu schließen“, erinnert sich Dietz an das Frühjahr 2020. „Wir haben entschieden, dass wir das nicht verantworten können“. Seitdem ist viel passiert, über das Dietz nur den Kopf schütteln kann. Er nennt zum Beispiel die spontan verkündete Öffnungserlaubnis am 1. Oktober 2021 für Bars und Clubs. „Da fährt man nach so langer Zeit alles hoch, versucht kurzfristig Personal zu beschaffen, stellt fest, dass Dinge nicht mehr funktionieren und investiert viel Zeit und Energie“, sagt er. Fünf Öffnungstage habe er gehabt und dann wieder schließen müssen. „Das hat sich natürlich nicht gerechnet“, sagt er.

Er und auch seine Kollegen blicken noch skeptisch in die Zukunft. Auch wenn jetzt Lockerungen beschlossen werden, wer weiß, was im Herbst kommt? Zu oft wurden die Gastronomen von plötzlichen Regeländerungen überrascht.

Alexander Vogt, der Inhaber des Aposto Restaurants am Rathausplatz, betont, wie wichtig es für Gastronomiebetriebe sei, sich auf Veränderungen im Ablauf einstellen zu können – Stichwort Planbarkeit. Er sei ins Jahr 2020 schuldenfrei gestartet und musste nur nach wenigen Monaten den ersten Kredit aufnehmen. „Das war aus Unternehmersicht ein harter Dämpfer“, sagt er.

Trinkgeld ist in der Gastronomie enorm wichtig – viele sind darauf angewiesen.

Christian Ress, der Teil des Teams von Bob Meitinger und damit den Bobs-Restaurants und -Bars ist, berichtet von dem Schicksal vieler Studierenden und anderen MitarbeiterInnen, die sich mit Kurzarbeit und deutlich weniger Geld zufriedengeben mussten. „Es kann nicht sein, dass man hier branchenübergreifende Regelungen beschließt und es die Leute, die am wenigsten verdienen am härtesten trifft“, sagt Ress. Das Trinkgeld sei eine wichtige Grundlage für die Mitarbeitenden im Service, das durch die Pandemie weggefallen ist und auch durch Kurzarbeitergeld nicht wieder wettgemacht werden könne.

Die Augsburger Gastronomen berichten außerdem von Personalmangel. Besonders im Bereich der Fachkräfte, sei es momentan sehr schwer, an geeignete MitarbeiterInnen zu kommen. KöchInnen in der Ausbildung haben zum Teil viel zu wenig Praxiserfahrungen sammeln können, da ein großer Teil der Gastronomie dicht war. Der Beruf des Kochs, beziehungsweise der Köchin oder des Restaurantfachmanns, beziehungsweise der -fachfrau muss den jungen Leuten erst wieder schmackhaft gemacht werden, sagen die Gastronomen. Das funktioniere natürlich nicht, wenn eine derartige Unsicherheit bestehe, wie in den vergangenen zwei Jahren.

Das fordern die Augsburger Gastronomen

Was sich die anwesenden Gastronomen wünschen, ist es vor allem, wieder Kontrolle über ihr eigenes Geschäft zu bekommen. Sie wollen sich auf Änderungen einstellen können, heißt entsprechende Vorlaufzeit und wieder eine Planbarkeit in ihren Berufsalltag bekommen. Derzeit ist dieser noch von großer Unsicherheit und Misstrauen geprägt, wie sich aus den Bedenken der Gastronomen im Hinblick auf den Herbst ableiten lässt.

Außerdem wollen die Gastronomen eine Senkung der Mehrwertsteuer auch auf Getränke. Dies war auch eine der Forderungen, die auf der Pressekonferenz in Berlin vorgetragen wurde. Leo Dietz erwartet große Preisanstiege bei Lebensmitteln, wenn alle GastronomInnen ihre Betriebe wieder gleichzeitig hochfahren. Eine höhere Bepreisung von Speisen und Getränken in den Augsburger Lokalen wäre die Folge.

Die Gastronomie sucht händeringend nach (Fach)Personal.

Aufgrund von Personalmangel ist es – und kann es in Zukunft auvh weiterhin so sein – dass das Angebot von Restaurants oder Bars eingeschränkt ist. Hier wünschen sich die Gastronomen vonseiten ihrer Gäste mehr Akzeptanz und Verständnis. Das gilt auch in Hinblick auf die coronabedingten Auflagen, zu deren Kontrolle, die Betriebe verpflichtet sind.

Ress betont, wie wichtig es ist, bundeseinheitliche Regeln aufzustellen. Selbst in den Bobs-Restaurants, die alle in Bayern sind, habe es teils unterschiedliche Regelungen gegeben. Das verkompliziere den Arbeitsablauf enorm. Für die Zukunft der Gastronomie sei es von großer Wichtigkeit, Mitarbeitenden wieder Sicherheit anbieten zu können. Deswegen fordern sie schon jetzt einen Plan für den Herbst.

Schließlich hoffen die Gastronomen, dass die Gastronomie nicht erneut als Infektionstreiber dargestellt werde, um strenge Maßnahmen durchzusetzen.

Bis die Wunden geheilt sind, wird es dauern

Die Auswirkungen der Pandemie werden die Gastronomie noch lange begleiten. Davon sind die auf der Pressekonferenz anwesenden Gastronomen überzeugt. „Bis wir wieder Geld verdienen brauchen wir zwei bis drei Jahre“, sagt der Peaches-Inhaber, Dietz. In der nächsten Zeit gehe es erst einmal darum, Schulden abzubezahlen und sich wieder zu berappeln. Man müsse daran arbeiten Personal zurückzugewinnen, was mit einer sicheren Zukunftsperspektive wieder möglich sei.

Über die Pressekonferenz in Berlin

Wie eingangs erwähnt, fand zeitgleich zur Pressekonferenz in Augsburg, an dem die lokalen Gastronomen teilnahmen, eine Pressekonferenz in Berlin statt.

Eingeladen hatte der „Leaders-Club“, eine Vereinigung von mehr als 270 GastronomInnen deutschlandweit. Auf der Konferenz in Berlin sprachen Kerstin Rapp-Schwan als VertreterIn der Schwan Restaurants, Mirko Silz, CEO der L’Osteria-Kette, Erich Nagl, Vorstand des Leaders Club sowie TV-Koch Tim Mälzer.

Auch sie gaben Einblicke in die Probleme der Gastrobranche und formulierten konkrete Forderungen. Ein zentraler Punkt war die Entfristung der Mehrwertsteuer, bundeseinheitliche Regelungen und klare Öffnungsschritte.

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