Street Photography aus Augsburg –Fabian Schreyer im Interview

In der Street Photography Szene ist der Augsburger Fotograf Fabian Schreyer längst bekannt und verwirklicht auch internationale Projekte. Wir haben uns mit ihm über seine Fotografie unterhalten.

Street Photography aus Augsburg –Fabian Schreyer im Interview

Sei mal für einen Moment ganz ehrlich zu Dir selbst: wie oft passiert es, dass Du im Alltag lieber auf Dein Handy starrst, anstatt Deine Umgebung zu beobachten? Dass Du lieber durch Instagram scrollst, anstatt in der Tram aus dem Fenster zu schauen? Überleg Dir mal, wie viele besondere Momente Du dadurch wohl verpasst. Der Augsburger Straßenfotograf Fabian Schreyer will mit seiner Kunst genau diese besonderen kleinen Momente vor dem Vergessen bewahren. Aktuell stellt er einige seiner Fotografien aus Marokko im ANNA Café aus. Bis zum 31. Januar kannst Du Dich dort also inspirieren lassen.

Zur Fotografie kam der Augsburger nach dem Abi, als er sich alleine zu einer Reise nach Kuba aufmacht, natürlich mit einer analogen Spiegelreflexkamera im Gepäck. Schnell bemerkt er dabei, dass ihn die Alltagsszenen dort viel mehr faszinieren als die klassischen Touri-Motive. Als er 4 Jahre später für ein Praktikum nach Berlin zieht, hat er sich über die Fotografie seine neue Heimat erschlossen. So entwickelt sich relativ schnell seine Liebe zur Street Photography. „Ich hatte nie den Wunsch, Dinge zu inszenieren, weil mir der Alltag schon immer spannend genug erschien. Lieber wollte ich meine Sinne schärfen für das was da ist“, erzählt er mir im Interview.

„Die besten Bilder entstehen oft erst, nachdem die erste Sensation eines Ortes weg ist“

Auch heute ist das Reisen noch elementar für seine Fotografie. Auch wenn Fabian sich in seiner Heimat Augsburg sehr wohl fühlt und dort auch seit Jahren mit seiner Familie lebt, zieht es ihn doch immer wieder in die Ferne. Auf seinen Fotoreisen legt er immer viel Wert darauf, sich Zeit zu nehmen, um wirklich in einen Ort einzutauchen. Die Fotos seiner aktuellen Ausstellung im ANNA Café beispielweise sind auf drei verschiedenen Reisen entstanden. „Die besten Bilder entstehen oft erst, nachdem die erste Sensation eines Ortes weg ist“, verrät er. „Erst wenn man versteht, worin die Exotik eines Ortes liegt und was die Klischees sind, kann man hinter die Fassade blicken und die wirklich außergewöhnlichen Dinge erkennen.“ Und dafür sind für Fabian Spaziergänge essentiell. „Ich bekomme meist erst über das Herumlaufen ein Gefühl für die Stadt und lerne sie zu verstehen.“

„Die Fotografie ist im Grunde etwas Egoistisches“

Beim Knipsen seiner Fotos achtet er nicht darauf, einen besonderen Stil einzuhalten. Schließlich hält Fabian nichts davon, sich bewusst einen bestimmten Stil anzutrainieren oder aufzuzwingen. „Auf der Straße ist man sehr instinktgetrieben“, erklärt er. Da jeder Fotograf seine Persönlichkeit in seine Arbeiten lege, bekäme er ganz natürlich ein Gefühl dafür, welches Bild etwas Besonderes ist und welches nicht. „Natürlich ist es ein schönes Kompliment, wenn Leute deine Fotos wiedererkennen. Aber wenn nicht, ist es mir auch egal. Schließlich ist die Fotografie im Grunde etwas Egoistisches“, lacht er.

Die Street Fotografie fasziniert Fabian so sehr, dass er 2013 das internationale Fotografen Kollektiv The Street Collektive gründet, dessen mittlerweile 9 Mitglieder in 9 verschiedenen Ländern leben. Die Idee entstand aus dem Bedürfnis für ein Format, in dem man konstant Feedback von wertgeschätzten Leuten bekommt, mit denen man auch an gemeinsamen internationalen Projekten arbeitet. Insbesondere auf Instagram kannst Du die Arbeiten der Fotografen verfolgen.

„Viel entsteht daraus, dass man hartnäckig sein eigenes Ding durchzieht“

Dabei sind die sozialen Medien nicht immer von Vorteil für Fotografen. Natürlich geben sie insbesondere Nachwuchskünstlern eine Plattform, um ihre Kunst auch international in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch Profis wie Fabian stellen einige ihrer Fotos in die sozialen Netzwerke. „Besonders durch Instagram wird es aber immer schwerer, wirklich gute Sachen in der Menge der Belanglosigkeit zu finden“, reflektiert er. Umso wichtiger findet er es deshalb als Künstler, sich nicht von unqualifizierter Kritik oder Likes beeinflussen zu lassen. „Viel entsteht eben daraus, dass man hartnäckig sein eigenes Ding durchzieht. Schließlich sind wir doch Künstler, um eben nicht im Mainstream mitzuschwimmen, oder?“

„Wirkliche Emotionalität kannst Du nur vermitteln, wenn Du Teil des Geschehens bist“

Um eine eigene Richtung für deine Fotografie zu finden, hilft es also immer, sich viel mit Kunst und Fotografie zu beschäftigen und alles aufzusaugen, was Dein eigenes ästhetisches Empfinden prägen könnte, verrät mir Fabian. Außerdem ist es wichtig, immer Deine Kamera dabei zu haben und nicht zu schnell aufzugeben. „Vor allem solltest Du als Fotograf nicht zu ängstlich sein und nahe rangehen. Denn wirkliche Emotionalität kannst Du nur vermitteln, wenn Du Teil des Geschehens bist.“

Die Infos zur Ausstellung nochmal im Überblick:

Ort: ANNA Café

Dauer: noch bis 31. Januar

www.shootingcandid.com

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