Einmal 9 an einen Foodstylisten

Was steckt hinter den perfekten Produktbildern von Lebensmitteln?

Einmal 9 an einen Foodstylisten

Die Auswahl der Zutaten, die perfekte Komposition, der richtige Untergrund, durchdachte Dekorationen und perfektionistische Anordnungen von frischen Lebensmitteln – all das vereint die Aufgaben eines Foodstylisten. Ganz gleich, ob in TV-Spots, Kochbüchern oder Produktbildern, die Lebensmittel oder Gerichte schauen stets frisch und lecker aus. Wir haben mit dem Augsburger Fotografen und Foodstylisten Philipp Hunger über seinen kreativen und spannenden Beruf gesprochen.

Was sind die Aufgabengebiete eines Foodstylisten?

Das ist im Prinzip sehr einfach zu beantworten. Essen und Getränke müssen auf Fotos oder in Videos gut und appetitlich aussehen. Das ist meistens nicht so einfach wie es aussieht. Dabei arbeitet ein Foodstylist oft als Teil eines Teams mit Fotografen, Assistenten und anderen kreativen Menschen am Set zusammen. Im Normalfall gehört auch die Beschaffung der Waren und, in Abstimmung mit dem Auftraggeber und dem Fotografen, die Planung der einzelnen Motive dazu.

Wie wird man Foodstylist? Gibt es eine spezielle Ausbildung?

Es gibt keine Ausbildung zum Foodstylisten. Man arbeitet als Freiberufler. Werden kann das im Prinzip jeder. Ich habe den Vorteil eine Ausbildung als Koch, Konditor und Chocolatier und ein Studium der Medienkommunikation mit Schwerpunkt Fotografie als Grundlage zu haben. Mein Weg zum Foodstylisten/Foodfotografen entwickelte sich durch Zufall, als ich als Praktikant in einem Fototudio arbeitete und bei Foodproduktionen auf Grund meiner Ausbildungen erste Erfahrungen sammeln konnte. Daraus wurde dann schnell immer mehr, sodass ich den Schritt zur Selbständigkeit wagen konnte.

Stimmt es, dass ihr auch Lebensmittel aus Plastik oder Knete herstellt? Und wenn ja, warum?

Mit Ausnahme von Eiswürfeln verwende ich keine Lebensmittel aus Plastik und Knete aber es gibt einige Tricks die man anwenden kann.

Falsches Eis auf Basis von Mehl und Fett

Zum Beispiel wird oft falsches Eis auf Basis von Mehl und Fett genutzt, da echtes Eis unter den heissen Studiolampen viel zu schnell schmelzen würde. Generell versuche ich so wenig wie möglich Abfall zu produzieren und das Essen nach dem Shooting noch zu verwerten. Das wissen auch meine Kunden und freuen sich dann immer auf ein leckeres Mittagessen.

Was ist Dein Lieblingstrick, wenn es darum geht die Lebensmittel besonders gut aussehen zulassen?

Ein Trick ist es eigentlich nicht, ich setze auf echte und natürliche Ware. Ich gehe dafür meist auf dem Stadtmarkt einkaufen und suche mir die schönsten Stücke selbst aus. Man kann zusätzlich mit Wachsspray oder einfach nur Wasser arbeiten um den Produkten noch mehr Frische zu geben.

Welches Lebensmittel oder Gericht ist besonders schwer zu präsentieren?

Essen auf Fotos gut aussehen zu lassen ist generell eine der schwierigeren Disziplinen im Fotografengeschäft. Ein Gericht für die Familie zu Hause zu kochen ist ganz anders als ein Gericht für ein Foto zu kochen. Geschmack ist beim Foodstyling völlig irrelevant.

Man muss ein gutes Timing haben und gut vorausplanen.

Man muss wissen wie Lebensmittel unter bestimmten Bedingungen reagieren. Sehr hilft es auch, wenn man eine gute Vorstellungskraft hat, um sich im Vorfeld Kompositionen überlegen zu können. Besonders schwer sind Dinge, die schnell ihre Form verlieren oder unter den Studiobedingungen schnell kaputt gehen. Eine meiner persönlich größten Herausforderungen war eine einfache Currywurst mit Pommes gut aussehen zu lassen. Das Gericht an sich gibt optisch nicht arg viel her. Da braucht man Fantasie.

Auf welches Utensil könntest Du beim Stylen niemals verzichten?

Ich brauche meistens Feuchttücher, eine kleine Schere und eine Pinzette am Set. Ebenfalls habe ich zwei Sprühflaschen mit destilliertem Wasser und eine mit einem Glyzeringemisch im Bauchbeutel.

Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Beruf?

Man ist als Freiberufler für alles selbst verantwortlich. Da verliert man schon gerne mal den Überblick oder wird nachlässig. Wie in vermutlich allen anderen freien Berufen ist eine gute Portion Eigeninitiative und gute Organisation eine absolut notwendige Basis. Das zu erhalten ist jede Woche eine Herausforderung.

Stylst Du Dein Essen auch, wenn Du zuhause kochst?

Das Auge isst ja bekanntlich immer mit. Allerdings beschränke ich mich auf ein Minimum. Ich bzw. meine Familie hat nach dem "echten" Kochen meist auch richtig Hunger und dann muss es manchmal schnell gehen.

Hast Du Tipps und Tricks für Hobbyköche beim Anrichten von Speisen?

Es sollte nichts auf den Teller was nicht essbar ist und nicht zum Gericht passt. Ebenfalls sollte der Tellerrand immer sauber bleiben. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, der kann sich mit den klassischen Kompositionsregeln aus der Kunst wie dem goldenen Schnitt, der Drittelregel oder der Farblehre beschäftigen.

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