Warum wir auch in Augsburg einen feministischen Sex-Shop brauchen

Vor ein paar Wochen wurde in Hamburg der feministische Sex-Shop „Fuck Yeah“ eröffnet und die Rezension sowohl in den Medien als auch der Besucher war grandios. Warum auch wir in Augsburg einen solchen Laden brauchen.

Warum wir auch in Augsburg einen feministischen Sex-Shop brauchen

Pornographie, Lust, Befriedigung – Themen, die heutzutage stets allgegenwärtig sind, jedoch trotzdem oftmals tabuisiert werden. Zwar gibt es fast in jeder Stadt, also auch in Augsburg, zahlreiche Erotik-Läden, in denen man nach Lust und Laune einkaufen kann, doch besonders dort fühlen sich viele Menschen oftmals unwohl. Kein Wunder, denn von der Sortierung der Läden bis hin zu Pornos wird uns häufig vorgeschrieben, was wir als Frau oder Mann attraktiv, erotisch und sexy finden sollten – große Brüste, knackige Hintern, Sixpack, etc. Und besonders Frauen werden vor allem in Sex-Filmchen nicht selten objektiviert. Dabei ist Sexualität eindeutig mehr als das und es wird Zeit, dass wir diese Vielfalt auch ausleben!

In Hamburg hat aus diesem Grund vor einigen Wochen der feministische Sex-Shop „Fuck Yeah“ eröffnet, der eine Alternative zu den klassischen Erotik-Läden bieten und mit sexistischen Stereotypen brechen will. Natürlich gibt es bereits viele Kritiker und vermutlich werden sich auch einige von euch nun denken: Feminismus und Sex-Shops? Passt das zusammen? Die Antwort ist JA! Denn der so genannte sexpositive Feminismus will Pornos und Sexiness nicht etwa abschaffen, sondern schlichtweg eine andere Herangehensweise finden. Demnach werden auch in feministischen Sex-Shops Pornos, Sex-Toys, Kondome etc. verkauft. Doch anstelle von Mainstream wird dort die sexuelle Vielfalt gefeiert. Besonders dort angebotene Pornos zeigen verschiedene Körperformen, Hautfarben und sexuelle Aktivitäten – und stets wird dabei darauf geachtet, dass klar ist, dass alle Beteiligten mit dem Geschehen einverstanden sind. Auch die Aufteilung der Produkte in Männer- und Frauenartikel wird dort aufgehoben – schließlich kann und sollte jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, was ihn erregt. Außerdem finden dort auch queere Leute und Menschen mit Transidentität Produkte, die extra für bestimmte Körperformen gebaut wurden und auf verschiedenste Bedürfnisse abgestimmt sind. Durch seine Abgrenzung von Stereotypen ist ein feministischer Sex-Shop also mehr als nur ein normaler Sex-Shop.

Aktuell gibt es in Deutschland jedoch nur eine Hand voll feministischer Sex-Shops. Das muss sich meiner Meinung nach schnell ändern, denn schließlich sollte jeder Mensch das Recht haben, seine Sexualität nach seinen Wünschen auszuleben, zu zelebrieren und dabei nicht diskriminiert oder objektiviert zu werden. Besonders für Jugendliche sind Pornos oftmals ein Weg, sich auch außerhalb des Sexualkundeunterrichts mit Sexualität und Sex auseinanderzusetzen. Nicht selten kommt es dabei vor, dass die Konfrontation mit sexistischen Stereotypen zu Minderwertigkeitskomplexen und dem Gefühl, nicht „normal“ zu sein, führt.

Generell ist es wichtig und endlich an der Zeit, keine Unterschiede aufgrund der sexuellen Orientierung eines Menschen zu machen. Denn genauso wie unser Körper ist auch unsere Sexualität unglaublich vielfältig und sie sollte nirgends auf der Welt tabuisiert oder verheimlicht werden. Ich hoffe also, dass auch Augsburg bald diesen Schritt geht und sich noch mehr einsetzt für Gleichberechtigung und Toleranz. Queere Einrichtungen und Gruppierungen beispielsweise an der Universität zeigen uns, dass wir bereits auf dem richtigen Weg sind, auch wenn es noch viel Spielraum nach vorne gibt.

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