Warum Emanzipation immer noch ein großes Thema ist

Auch wenn in der Theorie oft Toleranz gepredigt wird, sieht die Realität auch heute leider noch immer anders aus. Sind wir wirklich so fortschrittlich, wie wir glauben?

Warum Emanzipation immer noch ein großes Thema ist

Spricht man über Emanzipation, passiert es nicht selten, dass das Gegenüber etwas genervt mit den Augen rollt. Dabei ist es so wichtig, über Themen wie Unterdrückung, Gewalt und Sexismus zu sprechen, vor denen viele immer noch gerne die Augen verschließen. Wie soll sich denn sonst etwas verändern? Auch wenn das Bewusstsein für Feminismus und Gleichstellung mittlerweile schon langsam in unserer Gesellschaft ankommt, sind wir meiner Meinung nach noch lange nicht an dem Punkt, zu dem wir kommen wollen.

Denn der Unterschied zeigt sich nicht nur in der Bezahlung oder der Unterrepräsentation in Führungspersonen, sondern beginnt schon bei „Kleinigkeiten“ wie zum Beispiel im Supermarkt. Die Wahrheit ist, dass viele Marken – darunter Klamotten, Gebrauchsgegenstände und natürlich auch Kosmetik und Körperpflege – die so genannte „Pink Tax“, also „rosa Steuer“, auf Produkte erheben, die speziell für Frauen bestimmt sind (und das obwohl sich meist nur die Verpackung unterscheidet). Vor allem bei Hygieneprodukten wie Tampons, die wirklich jede Frau benötigt, ist diese Masche einfach nur eine Frechheit.

Auch beim Friseur ist von Gleichberechtigung bei weitem nicht die Rede. Dort zahlen Männer immer noch signifikant weniger als Frauen – egal ob sie kurze oder lange Haare haben. In vielen Friseursalons muss man als kurzhaarige Frau explizit den Männer-Preis für den Haarschnitt verlangen, um nicht abgezockt zu werden. Und das alles einfach nur wegen des Geschlechts.

Dabei geht das Thema Feminismus und Emanzipation sehr weit über die klassischen Frauen- und Männerrollen hinaus. Auch wenn in der Theorie in Deutschland oft Toleranz gepredigt wird, sieht die Realität anders aus. Denn noch immer werden beispielsweise in den Schulen Stereotypen, Geschlechterrollen und heterosexuelle Liebe als einzig-wahres Beziehungsmodell konstruiert und somit LGBTIQ ausgegrenzt und diskriminiert.

Es wird Zeit, ein Zeichen zu setzen

Dabei ist es doch gar nicht so schwer, ein Zeichen der Veränderung zu setzen. In Hamburg beispielsweise hat vor einigen Monaten ein feministischer Sex-Shop eröffnet – und die Rezension war super! Denn Pornos und Sexiness müssen nicht gleich abgeschafft werden, sondern es muss eine andere Herangehensweise gefunden werden. Wieso nicht anstelle von Mainstream und sexistischen Stereotypen die sexuelle Vielfalt feiern?

Schon diese Beispiele zeigen, wie weit wir in Deutschland noch von wirklicher Gleichberechtigung entfernt sind. Die Organisation „Feminismus in Augsburg“ ruft aus diesem Grund zu einem bundesweiten Frauen*streik am 8. März 2019 auf, um auch in Deutschland das dringend nötige Verständnis in der Bevölkerung aufzubauen und mehr Unterstützung zu erhalten. Dabei soll nicht nur die Lohnarbeit bestreikt werden, sondern alle Tätigkeiten, die Frauen häufig unsichtbar ausführen und auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, die sie oft verunsichern und einengen.

Im Zuge der linken Augsburger Einführungswochen 2018 veranstaltet die Organisation am Samstag 03.11.2018 von 15 – 16:30 Uhr ein offenes Plenum im Grandhotel Cosmopolis, in dem gemeinsam diskutiert und geplant wird, wie der Frauen*streik 2019 aussehen soll. Alle, die sich über den Streik oder generell über Feminismus informieren wollen, sind herzlich eingeladen!

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