Ein Baum mit zwei Gesichtern: Die Tanne auf dem Rathausplatz bleibt

Der Christbaum bleibt! Die Zeit der Tanne auf dem Rathausplatz ist noch nicht vorbei: Die Stadt Augsburg will daraus einen Narrenbaum machen. Doch was bedeutet das?

Ein Baum mit zwei Gesichtern: Die Tanne auf dem Rathausplatz bleibt

Jedes Jahr kommt der bekannte Spruch: „Dieses Jahr ist der Baum wieder besonders schön“. Doch sind wir mal ehrlich – der „Christbaum für alle“ war heuer auch mal wieder ein Highlight. Umso mehr können wir uns darüber freuen, dass seine Zeit noch nicht abgelaufen ist – denn die Stadt hat besondere Pläne damit.

Ein Herrschaftssymbol des närrischen Volkes

Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung des Narrenbaums. Eine Theorie besagt, dass er sich aus einer Tradition der Metzger entwickelt hat, die früher beim Fastnachtstanz stets kleine Bäumchen bei sich trugen. Er könnte jedoch ebenfalls ein Nachfolger des im 15. Jahrhundert verorteten „Blockziehens“ sein. Dabei handelt es sich um einen Spottumzug, bei dem damals unverheiratete Frauen jeden Alters einen Baumstamm durch die Straßen ziehen mussten, aus dem sich vielleicht ein Mann für sie schnitzen ließe. Doch eines ist klar: der Baum gilt als das Herrschaftssymbol der Narren und versinnbildlicht den Widerstand gegen (Staats-)Gewalt sowie (Rechts-)Ordnung. Denn während der Faschingszeit gilt Narrenfreiheit, sodass gesellschaftliche Regeln und Normen vom närrischen Volk außer Kraft gesetzt werden.

Das zweite Gesicht

Doch wie wird aus einer Tanne ein Narrenbaum? Zuallererst heißt es: Äste ab. Nur eine kleine Krone, den sogenannten Dolden, belässt man bei dem Umstyling am Stamm. Anschließend muss auch noch die Rinde vollständig abgeschält werden, bevor es ans Schmücken gehen kann. In der Regel wird ein Narrenbaum mit bunten Bändern sowie kleinen Kränzen verziert, an denen oftmals auch Geschenke für die Kinder befestigt sind. Außerdem hängen stets die Wappen der beteiligten Faschingsgesellschaften daran.

Eine Premiere in Augsburg

Normalerweise wird der Christbaum Anfang des Jahres gefällt – doch nicht dieses Jahr. Die Tanne auf dem Rathausplatz soll zum Narrenbaum umfunktioniert werden und uns auch noch während dem bunten Faschingstreiben im Februar erhalten bleiben. Für die Umgestaltung werden die Augsburger Narren selbst Hand anlegen. Dieser Weitergebrauch sei auch ganz im Sinne des Umweltschutzes sowie der Nachhaltigkeit, betont Augsburgs Marktamtsleiter Wolfgang Färber gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Erst am Aschermittwoch, den 22. Februar, werden wir uns dann von dem diesjährigen Allrounder-Baum verabschieden müssen.

Faschingsumzug in Augsburg

Zum Faschingstreiben gehört auch ein Umzug – und der soll nach Jahrzehnten des Aussetzens dieses Jahr in Augsburg wieder stattfinden dürfen. Am Rosenmontag veranstalten Stadt und Stadtjugendring einen solchen für Kinder und Jugendliche. Starten wird der sogenannte “Gaudiwurm” am Rathausplatz und sich anschließend über den Martin-Luther-Platz, durch die Annastraße und Steingasse schlängeln, um schließlich zurück am Startpunkt in einem großen närrischen Fest zu enden. Anmelden könnt ihr euch bis Freitag, den 27. Januar, auf der Website der Stadt Augsburg.

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