Chart Manipulation mit gekauften Klicks auf Spotify – geht das?

In der Online-Welt herrscht oft mehr Schein als Sein. Was steckt hinter dem Diskurs um gefälschte Streams?

Chart Manipulation mit gekauften Klicks auf Spotify – geht das?

Deutschrap ist in den vergangenen Jahren stark in den Deutschen Charts vertreten. Woran liegt das? Hat sich der Geschmack verändert oder steckt doch etwas anderes dahinter? Das Y-Kollektiv regt mit einer Dokumentation zumindest zum Nachdenken an. Hier verrät ein vermeintlicher „Insider“ die geheimen Hacks. Er schafft es immerhin, dem Redakteur, der spontan in die Rolle des Rappers Error281 schlüpft, innerhalb kurzer Zeit eine beachtliche Anzahl an Plays zu beschaffen. Doch wie hängen Klicks auf Spotify mit den Deutschen Charts zusammen?

Was Fake Streams auf Spotify mit den Charts zu tun haben

Inzwischen sind Streams für die Musikvermarktung weitaus wichtiger, als früher. Noch bis 2001 werden für die Ermittlung der Charts lediglich die Verkaufszahlen von CDs und anderen Musikträgern berücksichtigt. Seit 2001 spielen auch digitale Downloads und seit 2014 Streams eine Rolle bei der Berechnung der deutschen Charts. So werden Premium Streams, also die Streams von Nutzern mit kostenpflichtigem Account, ab 31 Sekunden Spielzeit, in den Single- und Album-Charts gezählt. Zusätzlich gibt es inzwischen außerdem eigene Streaming-Charts. Diese berücksichtigen sowohl Premium als auch werbefinanzierte Streams ab 31 Sekunden. Ein gutes Chart Ranking bedeutet eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Eine Manipulation ist also schnell lukrativ und die Kosten für gefälschte Streams amortisieren sich innerhalb kürzester Zeit.

Denn hinzu kommt ein direktes Einkommen, das durch die gefälschten Streams erzielt wird. Bei Spotify sind das derzeit zwischen 0,006 und 0,0084 Dollar pro Stream. Der Rapper Mero, so heißt es in der Doku des Y-Kollektivs habe mit seinem Song „Baller los“ ganze 256.000 US-Dollar allein über Spotify verdient.

Gleichzeitig profitieren häufig gestreamte Inhalte vom Algorithmus des Plattformen. So werden sie weiter oben gelistet, kommen leichter in Playlists und haben eine größere Chance in den Empfehlungen der Hörer zu landen.

Wie kann man Spotify-Streams fälschen?

Streams zu fälschen ist gar nicht schwer. Es ist noch nicht einmal ein Hacker wie in der Dokumentation notwendig. Kurz das Keyword „Streams kaufen“ in Google eingegeben und schon offenbaren sich hunderte Webshops, die virtuellen Ruhm versprechen. So gibt es schon für 77€ 10.000 Streams zu kaufen. Wer mehr Geld in die Hand nimmt, kann sogar das Herkunftsland der Streams bestimmen und sicherstellen, dass alle Streams von Premium-Accounts stammen. Übrigens lassen sich auch Follower von Künstlerseiten und Playlists erwerben. Diese Funktionen sind nützlich um die intelligenten Algorithmen auszutricksen.

In der Y-Kollektiv-Doku hat der Hacker Zugriff auf tausende Spotify-Accounts, erstellt Spotify-Playlists und lässt diese in Dauerschleife laufen. Damit die Algorithmen von Spotify das auffällige Streamingverhalten nicht erkennen, werden in den Playlists auch Songs anderer Artists aufgenommen. Über die IP-Adresse könnte Spotify schnell erkennen, dass alle Streams von einem Ort stammen. Über Proxy Server lässt sich dies jedoch relativ leicht verschleiern.

Die eingangs erwähnte Dokumentation deutet an, dass die Manipulation auf Streaming-Seiten inzwischen fast schon Gang und Gebe in der Musikbranche ist. Labels und Manager demnach oftmals ohne das Wissen der Musiker große Summen in deren Streams und damit auch in den zukünftigen Erfolg investieren.

Wir haben inzwischen übrigens auch eine eigene Hallo Augsburg Playlist mit Tipps der Redaktion und vielen lokalen Bands. Wenn ihr sie also unterstützen wollt, dann lasst die Playlist in Dauerschleife laufen. Vielleicht bringen wir unsere Local Heroes ja so ganz legal und ohne Hacker in die Charts.

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