Fahrradfahrer sollen runter von der Straße, denn sie zahlen keine Steuern

Autofahrer und Fahrradfahrer, die größten Streithähne im Straßenverkehr und ein Konflikt, der schon seit Ewigkeiten besteht. Autofahrer fordern nun: Fahrradfahrer sollen runter von der Straße, denn sie zahlen keine Steuern!

Fahrradfahrer sollen runter von der Straße, denn sie zahlen keine Steuern

Es ist morgens um acht, die Straßen sind voll. Bernd* (40) ist wie jeden Morgen mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich lautes Hupen hinter ihm. „Geh doch aus dem Weg! Immer diese dummen Radfahrer!“ Das Problem: Autofahrer sehen ein großes Hindernis in Fahrradfahrern. Denn diese fahren langsamer, blockieren die Fahrwege und verursachen Stau, so zumindest Schneider.

Auch Alice* ist jeden Tag mit dem Rad unterwegs, doch sieht sie die Probleme vor allem bei den Autofahrern. Sie erlebt täglich Vorfälle, bei der ihr rücksichtslose Fahrer begegnen. „Da fahre ich einfach die Straße entlang und plötzlich kommt da so ein fetter Range Rover. Denkst du der macht auch nur einen Zentimeter Platz, sodass man da vorbei könnte?“

Kaum ein Konflikt im Straßenverkehr ist so aggressionsgeladen, wie der zwischen Fahrradfahrern und Autofahrern. Fahrradfahrer fühlen sich unsicher im Straßenverkehr und geben rücksichtslosen Autofahrern dafür die Schuld, doch andersherum sehen viele Autofahrer die Radler als Gefährdung des Straßenverkehrs. „Wir zahlen steuern für die Straße und für uns ist die Straße gebaut. Da ist es unfair, dass die Radfahrer nichts zahlen müssen und dann auch noch den Verkehr behindern“, so der Taxifahrer Klaus*.

„Wir zahlen Steuern für die Straße und für uns ist die Straße gebaut. Da ist es unfair, dass Radfahrer nichts zahlen und dann auch noch den Verkehr behindern.“

Er ist schon seit einigen Jahren Taxifahrer und kommt täglich in Kontakt mit Radlern. „Du fährst ganz entspannt in einer 50er Zone und plötzlich kommt da ein Fahrradfahrer mit seinen 20km/h und bremst den ganzen Verkehr.“ Beim Abbiegen machen sie nicht einmal Zeichen und fahren kreuz und quer auf der Straße, sagt Klaus ziemlich genervt. Es sei eine Behinderung seiner Arbeit.

„Das ist völliger Humbug! Mineralölsteuern zahlt man für durch Autos entstandene Schäden auf der Straße. Fahrräder verursachen so gut wie keine Schäden, da sie viel leichter sind.“

„Das ist völliger Humbug!“ meint Peter* zum Vorwurf Fahrradfahrer sollen runter von der Straße, da sie keine Steuern zahlen. Mineralölsteuern zahle man, um die entstandenen Schäden auf der Straße zu decken. Fahrradfahrer verursachen so gut wie keine Schäden auf den Straßen, da sie viel weniger Gewicht auf die Straße bringen und müssen dementsprechend auch keine Steuern für Schäden zahlen. Wenn also überhaupt jemand mehr Steuern zahlen müsste, dann LKW-Fahrer, denn die verursachen die meisten Schäden. „Nur weil ein Autofahrer verdiente Steuern zahlt und ich nicht, heißt es nicht, dass ich nicht auf der Straße fahren darf.“

„Man kann nie alle gleichzeitig zufrieden stellen“

Michael* hingegen sieht nicht direkt ein Problem bei den Autofahrern, sondern an den Straßen an sich. „Ich würde ja auf den Radwegen fahren, aber die sind meistens unzumutbar. Da muss man als Radfahrer einfach auf die Straßen ausweichen.“ Er denkt, dass das größte Problem gelöst wäre, wenn in Deutschland die Fahrradwege ausgebaut und mehr Platz für Fahrradfahrer geschafft werden würde, dann gäbe es auch keinen Stress mehr mit Autofahrern. Doch andersherum würde so den Autofahrern auch wieder Platz genommen werden, was wieder Konflikte hervorruft. „Man kann nie alle gleichzeitig zufrieden stellen“.

Wo der Konflikt zwischen Fahrradfahrern und Autofahrern in Zukunft hinführt ist ungewiss. Eins ist allerdings klar: Ein wenig Rücksicht auf Andere im Straßenverkehr und einfach mal an die eigene Nase fassen, entschärft die meisten Konflikte und sorgt für mehr Harmonie auf den Straßen.

*Namen wurden von der Redaktion geändert

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