German Bionic – Augsburger Startup bringt Mensch und Maschine zusammen

Gesundheitliche Probleme sind in der Industrie keine Seltenheit. Das Augsburger Startup German Bionic verbindet bei seinem Exoskelett die Vorteile von Mensch und Maschine, um den Rücken von Arbeitern weltweit zu entlasten.

German Bionic – Augsburger Startup bringt Mensch und Maschine zusammen

Startups befassen sich in den meisten Fällen damit, wie sie den Alltag der Menschen verbessern zu können. Der Ideenreichtum geht von gesundem Mittagslunch über nachhaltig und fair produzierte Streetwear bis hin zu organisationsvereinfachenden ERP-Systemen. Das Augsburger Unternehmen German Bionic hat ein Exoskelett entwickelt, um den Rücken zu entlasten und die Zukunft der Industrie zu revolutionieren.

Die Idee für German Bionic entsteht, als die beiden Gründer Armin G. Schmidt und Dr. Peter Heiligensetzer sich über ihre Firmen unterhalten – was eben so passiert, wenn ein Ingenieur und ehemaliges Kuka-Urgestein und ein IoT-Experte aufeinandertreffen.

Wenn menschliche Intelligenz auf technologische Kraft trifft

Mit der Gründung im Jahr 2017 ist das Startup noch recht jung. Die Produktentwicklung des „Cray X“ geht allerdings auf das Jahr 2013 zurück, einem EU-Forschungsprojekt. Zu der Idee ein Exoskelett zu bauen, führt eine Frage: Wo bleibt der Mensch in der Industrie 4.0? Oder anders gesagt: Wie wie können wir eine Zukunft, in der Vollautomatisierung angestrebt wird und die schwere Arbeit hochentwickelten Robotern überlassen wird, für uns nutzen? Die Antwort von German Bionic: das Exoskelett.

„Beim Exoskelett kommt die menschliche Intelligenz und die technologische Kraft zusammen“ – Eric Eitel.

Eric Eitel, Head Of Communications von German Bionic, nennt zwei Gründe dafür, warum ein Exoskelett die ideale Antwort auf diese Frage ist. „Der Faktor Mensch ist grundsätzlich einfach flexibler als alle momentan entwickelten Roboter“, erklärt er. „Hinzu kommt, dass aktuell die Anschaffungskosten für einen vollautomatisierten Betrieb viel zu hoch wären und auch nur wenig Sinn hätten.“ Cray X verbindet Mensch und Maschine und vereint die Vorteile beider Welten. „Beim Exoskelett kommt die menschliche Intelligenz und die technologische Kraft zusammen“, erläutert Eric. So wird den fleißigen Arbeitern eine zukunftsfähige Rolle garantiert.

Vorsprung durch Künstliche Intelligenz

Einhändig einen Kühlschrank heben?

Doch Exoskelette sind keine Neuheit. Schon viele Unternehmen tüfteln an mechanischen Kraftwandlern. Hebt jemand etwas schweres hoch, gleichen Federn und Hebel das Gewicht aus und springen danach wieder in ihre ursprüngliche Position. Doch Cray X geht viel weiter: Durch den Einsatz von softwaregesteuerten Robotik-Elementen kann der Träger seine Muskelkraft steigern und schwerere Sachen heben. „In der nahen Zukunft kann man trotzdem nicht davon ausgehen, dass Menschen irgendwann einmal mithilfe von Exoskeletten einhändig einen Kühlschrank hochheben können“, erzählt der Pressesprecher lachend.

German Bionic entwickelt die Software selbst, wertet die gesammelten Daten aus und optimiert das Produkt kontinuierlich durch eine dazulernende Künstliche Intelligenz. „Hebt ein Mitarbeiter beispielsweise im Lager an der selben Stelle immer Gegenstände mit dem gleichen Gewicht, merkt sich das die Software und nutzt beim nächsten Mal automatisch die passenden Einstellungen für die jeweilige Situation“, spezifiziert Eric. Seit kurzem gibt es sogar ein Modell des Exoskeletts, das mit weiteren Exemplaren vernetzt werden kann und an eine Datencloud angeschlossen ist.

Kampfanzug oder Alltagshilfe?

Das Einsatzgebiet von Exoskeletten ist groß. Neben den anfänglichen militärischen Forschungen, die in Film, Fernsehen und Computerspielen schon zu wahren Kampfanzügen weitergesponnen werden, finden sich auch in der Medizin einige spannende Anwendungsbereiche wie zum Beispiel Exoskelette nur für die Beine, um bei Lähmungen oder Schlaganfällen das erneute Lernen zu Gehen zu unterstützen und beschleunigen.

„Unser Produkt kommt auch bei einem Bestatter zum Einsatz, der damit schwere Grabsteine bewegt“ – Eric Eitel.

Der Fokus von Cray X hingegen liegt bisher vollkommen auf dem Rücken. Er soll den Alltag überall dort erleichtern, wo der Rücken durch schweres Heben belastet wird und gesundheitlichen Beschwerden Abhilfe leisten. Die Industrie ist aber nicht das einzige Einsatzgebiet. Eric plaudert aus dem Nähkästchen: „Unser Produkt kommt auch bei einem Bestatter zum Einsatz, der damit schwere Grabsteine bewegt“.

Für German Bionic steht der Mensch im Mittelpunkt. Das Exoskelett ist dabei ein intelligentes Tool, das nicht nur zukünftige Arbeitsplätze sichern, sondern zusätzlich für mehr Inklusion sorgen soll. Da die eigene Konstitution durch das Exoskelett als Ausschlusskriterium ausgemerzt wird, kann dieselbe Arbeit nun auch von Menschen ausgeführt werden, die sonst durch das Raster geflogen wären: körperlich schwächere Frauen oder ältere Mitarbeiter. Ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung, der gleichzeitig dem demographischen Wandel gerecht wird und dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. Diese wegweisende Funktion ist einer der Gründe, weshalb das Startup im Juli 2019 mit dem Deutschen Gründer Preis belohnt wurde.

Ein Commitment für Augsburg

Cray X ist eine weitere zukunftsweisende Innovation der Marke „Made in Augsburg“. Auch wenn German Bionic mittlerweile wichtige Betriebsstellen in Tokio und Berlin betreibt, schlägt das Herz des Unternehmens in und für die Fuggerstadt. Kein Wunder, schließlich haben die Gründer, Armin G. Schmidt und Dr. Peter Heiligensetzer, ihren Ursprung hier in der Region.

Das Unternehmen ist überzeugt vom Innovationsstandpunkt Augsburg und will mit der hiesigen Zentrale auch ein Commitment für die Stadt eingehen. Die hiesige Hochschul- und Industrielandschaft sei ein idealer Nährboden. Pressesprecher Eric unterstreicht die Einstellung: „Hier kommen wir her, hier kennen wir uns aus und von hier aus wollen wir auch etwas bewegen“.

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