Warum ich als Kind der 90er Jahre heute wählen gehe

Was kommt nach den Backstreet Boys, Center Shocks und DVD-Sammlungen?

Warum ich als Kind der 90er Jahre heute wählen gehe

Es ist Wochenende und es ist Europawahl. Klar könnte ich jetzt einfach mein Profilbild auf Facebook mit dem Sternenkreis zieren wie es gerade einige tun oder mich an irgendwelchen Kampagnen dranhängen; diesen oder jenen Hashtag auf Instagram nutzen. Kampagnen pushen, sich selbst darstellen? Nicht so ganz meine Art. Und seien wir mal ehrlich: den meisten Meinungsmachern geht es doch darum, in den Kommentaren auf Social Media zu lesen wie großartig sie doch sind.

Ich denke, es ist der falsche Ansatz sich damit zu profilieren, dass man wählen geht. Du musst auch nicht wählen gehen, wenn du es nicht für notwendig hältst. Der erhobene Zeigefinger bringt uns nicht weiter; aber das Gespräch, der Dialog. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, meinen ganz persönlichen Blickwinkel zu teilen.

Jetzt sind wird an der Reihe – und zwar europaweit.

Als Kind der 90er Jahre, durfte ich in einem friedvollen Europa aufwachsen. Wir haben die Backstreet-Boys und die Spice Girls angehimmelt, haben ein Wettbewerb draus gemacht, wer die meisten Center Shocks auf einmal in den Mund bekommt, haben Gameboy gespielt und CDs, Videos und später DVDs verliehen. Eine unbeschwerte Kindheit und Jugend, zumindest, wenn man von den Problemen der Pubertät wie Pickel und Liebeskummer absieht. Damals haben wir es unseren Eltern und Großeltern zu verdanken gehabt. Jetzt sind wird an der Reihe – und zwar europaweit.

Erasmus – ein Gefühl von Zusammengehörigkeit trotz Verschiedenheit

Das Erasmus-Semester wird oft als „faules Partysemester“ belächelt. Doch ich habe in meinem Erasmus-Semester in Bologna gelernt, dass ein halbes Jahr im „Ausland“ weitaus mehr bewirken kann. Junge Menschen aus ganz Europa kommen zusammen und erleben einen essenziellen Moment: das Gefühl von Zusammengehörigkeit trotz Verschiedenheit. Wie wichtig der Erhalt eines so simplen „Gefühls“ ist, sehen wir an den aktuellen politischen Entwicklungen in England.

Wir Kinder der 90er Jahre haben es gelernt, Grenzen zu überwinden, im Kopf und auf der Landkarte.

Mittlerweile habe ich Freunde in ganz Europa. Ich mache nicht mehr „Urlaub in Spanien“, sondern besuche Freunde zu Hause. Das Schengenabkommen, der Euro als Währung und das freie Datenroaming erleichtern mir so einiges. Europaweite Netzwerke der jungen Generation wie EGEA oder ESN, an denen man als Student selten vorbeikommt, halten den europäischen Gedanken aufrecht. Das Zugehörigkeitsgefühl geht soweit, dass ich mich als Europäerin bezeichne, wenn ich außerhalb Europas reise. Wir Kinder der 90er Jahre haben es schließlich gelernt, über unseren Horizont hinauszublicken, neue Wege zu gehen und Grenzen zu überwinden, im Kopf und auf der Landkarte.

Dass das alles keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt uns die Vergangenheit, die populistische Parteien in ganz Europa wiederaufleben lassen wollen. Sie schließen sich europaweit zusammen. Was passieren könnte, wenn sich solche Parteien durchsetzen würden, will ich mir nicht ausmalen. Zeitgleich tritt dieses Mal die erste paneuropäische Partei mit jungen, proeuropäischen Menschen an. Egal wie es heute ausgeht, es wartet viel Arbeit auf uns alle. Denn wir haben noch lange nicht die optimale Lösung für die europäische Politik gefunden.
Dennoch: Es liegt an uns, unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder mitzubestimmen. Deswegen gehe ich heute wählen. Für Europa.

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