Zuckerentzug: Meine Erfahrungen

Ein Leben ohne Zucker kam für mich eher der Hölle gleich bis ich beschloss dem Ganzen ein Ende zu setzen

Zuckerentzug: Meine Erfahrungen

25 Jahre meines Lebens verbrachte ich als Zucker-Junky und konnte das auch wunderbar vor mir selbst rechtfertigen. Zu heiß? Erstmal ein Eis! Zu kalt? Einfach einen Kakao trinken. Vor dem Sport was Süßes, um nicht schlappzumachen oder hinterher, da man es sich ja schließlich verdient hat. Kein einziger Tag ging bei mir ohne Zucker einher und als ich irgendwann so weit war, dass ich ohne meine Schokolade am Morgen nicht leben konnte, wusste ich, dass ich etwas ändern musste. Dass Zucker nicht gesund ist, sollte wahrscheinlich jedem klar sein. Und das, was mich beunruhigte, war auch zu Anfang nicht meine Gesundheit oder meine Figur, sondern das Gefühl der Abhängigkeit. Ein bisschen halt wie beim Rauchen.

In der Buchhandlung fand ich massenweise Ausgaben, die das zuckerfreie Leben anpriesen. Besonders beliebt schienen dabei Challenges, bei denen man 40 Tage oder vier Wochen auf Zucker verzichtet. Das macht durchaus Sinn, da neue Gewohnheiten nach 28 Tagen gefestigt sind. Zudem sind kurze Etappenziele einfacher durchzuhalten, da ein „ganzes Leben“ doch eine ziemlich lange Zeit ist und die Gefahr besteht, dann gar nicht mit seinen Vorhaben anzufangen. Ich beschloss also, es den Autoren gleich zu tun und es erstmal vier Wochen ohne Zucker zu versuchen.

Die ersten fünf Tage empfand ich als Qual und bereits am ersten Tag, als ich nach nur fünf Stunden Schlaf in die Uni musste, fragte ich mich, warum ich mir das überhaupt antue. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt und ich tagträumte von süßen Leckereien. Dennoch biss ich die Zähne zusammen - schließlich hatte ich das Ganze bei meinen Freunden auch angekündigt; die Blöße wollte ich mir dann nicht geben - und aß in den nächsten Wochen anstatt Brötchen mit Nutella morgens Naturjoghurt mir Nüssen, allerhand Gemüse, Salate, Tofu und Fisch. Dabei kann ich nicht leugnen, dass mich meine Disziplin auch ein wenig mit Stolz erfüllte.

Große Mengen an Zucker sind nicht nur in den offensichtlichen Lebensmitteln wie Kuchen oder Schokolade zu finden, sondern verstecken sich auch in Fertigartikeln wie Pizza und Ketchup. In den nächsten Wochen las ich brav das Kleingedruckte auf der Packung und war erschrocken, wieviel Mengen an Zucker ich normalerweise täglich in mich hineinschaufelte.

In der zweiten Woche merkte ich dann erste Veränderungen. Es war mir egal, wenn meine Freunde neben mir Kuchen aßen, die Paprika schmeckte plötzlich süß und auch bei Stress blieb der Drang nach Zucker aus. Interessanterweise fühlte ich mich zugleich energiegeladener und auch irgendwie fitter, was ich am Anfang meines Experimentes niemals gedacht hätte. (Und übrigens: abgenommen habe ich auch)

Der Beginn meines Zuckerentzuges ist jetzt zwei Monate her und mittlerweile esse ich auch einmal wieder eine Kugel Eis, ohne gleich wieder das Verlangen nach mehr zu haben.

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