Einmal neun – aus dem Leben einer Skaterin

Skaten ist nicht nur eine Art der Fortbewegung. Anna Plewa erzählt im Interview von ihrem Lifestyle und ihren Erfahrungen als Augsburger Skaterin.

Einmal neun – aus dem Leben einer Skaterin

Als ich sie zum ersten Mal bei unserem WG-Casting kennenlernte, hatte ich sofort das Gefühl, dass Anna-Valentina Plewa ein richtig lässiger Mensch ist. Ich habe noch klar vor Augen, wie sie in Baggy-Klamotten und mit kurzgeschorenen Haaren bei uns in der Küche saß und vom Skaten erzählte. Es war ihr anzumerken, dass es sich dabei um eine langjährige Leidenschaft handelte. Die Entscheidung, sie in unsere dreier-WG aufzunehmen, war schneller gefallen, als man “Skateboard” sagen kann. Wir verstanden uns von der ersten Minute an und die Neugier über ihr Hobby war bei meinem Mitbewohner und mir sofort geweckt. Es erschien uns ungewöhnlich, da wir beide nicht wirklich Kontakt zu Skater*innen hatten und uns daher nicht mit der Szene auskannten.

Zugegeben, mein Skate-Wissen beschränkte sich vor meiner Bekanntschaft mit Anna auf Avril Lavignes Durchbruchsong “Sk8terboy” und den unscheinbaren Instagram-Hype des Skater-Kleidungsstils – wenn es diesen überhaupt gibt. Um ein wenig Licht ins Dunkle der Skater-Welt zu bringen, habe ich Anna einige Fragen gestellt, die sie mir von Unterwegs (natürlich ist sie auf einem Skatetrip) beantwortete.

Meistens stehe ich zwischen zwei und vier Stunden auf dem Brett.

Wie lange skatest Du schon und wie oft gehst Du skaten?

Ich habe 2015 mit dem Skateboardfahren angefangen, fahre also seit fünf Jahren. Ich skate immer, wenn ich Zeit habe, das Wetter passt und ich fit bin. Eigentlich habe ich genug Motivation, um jeden Tag skaten zu gehen, durchschnittlich sind es aber vermutlich vier Tage pro Woche. Meistens stehe ich dann zwischen zwei und vier Stunden auf dem Brett.

Wie bist Du zu dem Sport gekommen?

Eine damals neue Bekanntschaft hat in der Augsburger Skatehalle gearbeitet, die es leider mittlerweile nicht mehr gibt. Als ich ihn bei der Arbeit besuchte, habe ich mich auf das Brett gestellt und versucht im Bowl die Rampe hin und her zu fahren. Ich war begeistert vom Fahrgefühl und habe mir mein eigenes Setup zusammengestellt. Ein Setup besteht aus einem Brett mit Achsen und Rollen. Danach habe ich immer mehr Skater kennengelernt, mit denen ich mich zum Fahren getroffen habe und immer noch gerne skaten gehe.

Skaten ein Nischen- oder Trendsport?

Viele Menschen kennen das „richtige” Skateboard fahren nicht. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Skateboard fahre, denken viele ich fahre dabei nur in der Stadt geradeaus oder außerhalb der Stadt einen Hügel herunter. Wer keinerlei Verbindungen zu dem Sport hat, also zum Beispiel niemanden kennt, der Skateboard fährt oder sich noch nie aus Interesse in einem Skatepark aufgehalten hat, kann sich vermutlich nur wenig darunter vorstellen. Somit ist das Skaten, wenn du mich fragst, kein Trendsport. Ein Teil der jüngeren Bevölkerung sieht das Skateboardfahren aber tatsächlich als cool und möchte Teil dieser Szene sein.

Gibt es im Moment einen Skatehype?

Ich würde sagen, wenn dann gibt es einen Hype in der jüngeren Bevölkerung. Die Mode zeigt zum Beispiel eine gewisse Anlehnung an den „typischen Skatelook” – das sind meistens etwas weitere Klamotten, die beim Skaten bequem sind und viel Bewegungsfreiheit bieten. Authentischer ist es, mit den „coolen“ und angesagten Skateklamotten auch tatsächlich auf einem Brett zu stehen. Eventuell wird das Skateboardfahren auch bald bekannter, da es eine der zusätzlichen Disziplinen der Olympia 2020 sein wird. Vielleicht fragen sich dadurch mehr Menschen, was das Skateboardfahren ausmacht. Gut an dieser Sache ist, dass dann vielleicht das Interesse der Städte, Skateparks zu bauen, steigt und wir Skater*innen davon profitieren können.

Wen trifft man in Skateparks? Wie ist der Skater oder die Skaterin drauf?

Wenn ich in Augsburg in einen Skatepark gehe, treffe ich normalerweise immer jemanden, den ich dort schon einmal gesehen habe. Wir begrüßen uns meistens und dann skatet jeder – konzentriert auf das Brett und den eigenen Körper. Je nach Park muss man manchmal warten, bis man Platz hat, um seinen Trick an einer Stelle zu machen. In diesen Momenten unterhalten wir uns ein wenig, wobei es auch Skater*innen gibt, die gar nicht mit den Anderen reden. Sie haben oft Kopfhörer in den Ohren und wollen allein mit ihrem Skateboard sein. Skateparks in anderen Städten sind was die Kommunikation untereinander angeht, häufig ähnlich. Locals sind neugierig und fragen dich woher du kommst, wie du den Park findest, ob du länger in der Stadt bleibst und ich werde auch gefragt, ob ich schon einen Schlafplatz habe. Da ich viel unterwegs bin, möchte ich nicht immer ein Hostel oder Hotel zahlen, somit versuche ich bei Freunden unterzukommen. Skater*innen bieten oft ihre Couch an.

Gibt es viele Skaterinnen?

Es gibt auf jeden Fall mehr männliche Skater als weibliche. Es gibt sehr viele Frauen, die das Skateboardfahren ausprobieren, aber leider bleiben wenige von ihnen dabei. Ich persönlich habe schon viele kennengelernt, die mir erzählt haben, dass sie sich bei ihren ersten Versuchen auf dem Skateboard verletzt haben. Als sie dann wieder fit waren, hatten sie Angst auf das Brett zu steigen, weswegen sie es dann gelassen haben. Also ich würde sagen: am besten langsam und vorsichtig anfangen, Schoner und Helm anziehen bis ein gewisses Level an Selbstsicherheit erreicht ist. Glücklicherweise habe ich mir beim Skateboardfahren bisher nie schlimme Verletzungen zugezogen.

Kann jede*r skaten? Was gehört dazu?

Jede*r kann skaten. Dazu gehört auf jeden Fall die richtige Motivation und das Wiederaufstehen. Beim Skaten stürzt man sehr viel. Deswegen ist es wichtig, fit zu sein und auch den Charakter dazu zu haben, einen Trick immer und immer wieder zu probieren, bis er klappt. Die beste Voraussetzung ist natürlich wenn man bereits eine sportliche Person ist, das macht die Koordination auf dem Brett etwas leichter.

Logo